Durchfall und Erbrechen bei Kindern

Bei Brechdurchfall mit Fieber handelt es sich oft um eine Infektion. Wann Sie mit Ihrem Kind zum Arzt sollten

von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 29.01.2016
Mädchen hat Bauchschmerzen

Ein Magen-Darm-Infekt ist unangenehm


Gerade noch ist das Kind quietschfidel. In der nächsten Sekunde erbricht es, hat Durchfall oder gar beides zusammen. Für das Kind ist das oft eine erschreckende Situation. Für die Eltern bedeutet der Brechdurchfall trösten und sich kümmern, aber auch Wäsche und ­Hände waschen im Dauertakt. Dazu kommt die Sorge um das Kind. "So unangenehm der Brechdurchfall ist, in den meisten Fällen ist die Erkrankung harmlos und hört nach ein paar Tagen von selbst wieder auf", beruhigt Kinder- und Jugendarzt Dr. Burkhard Lawrenz aus Arnsberg.

Meist lösen Viren Brechdurchfall aus

Ausgelöst wird der Brechdurchfall meist durch Viren, zum Beispiel Noro- oder Rotaviren. Ganz gleich, welches Virus für das Erbrechen oder den Durchfall verantwortlich ist: Die Krankheit kann einen leichten oder schweren Verlauf nehmen. Hat das Kind kein länger anhaltendes starkes Fieber und behält es genügend Flüssigkeit bei sich, rät Mediziner Lawrenz den Eltern abzuwarten: "Da es gegen die Viren ohnehin kein Medikament gibt, muss man nicht unbedingt sofort zum Arzt gehen."

Dr. Burkard Lawrenz

Kann man dem Brechdurchfall vorbeugen?

Der beste Schutz besteht in sehr gründlichem Händewaschen, vor allem wenn diese mit Erbrochenem oder Durchfall in Berührung gekommen sind. Darüber werden die Viren ­meist übertragen.

"Vor allem bei Noro- und Rotaviren ist die Hände­desinfektion im Alltag allerdings recht schwierig. Diese Viren überleben bis zu drei Minuten, selbst bei starken Desinfektionsmitteln", erklärt der ­Kinder- und Jugendarzt. Verschmutzte Wäsche rät Lawrenz, bei 60 Grad zu waschen.

Frau Stefanie Nettersheim

Was hilft jetzt?

Lawrenz rät: "Zunächst sollte das Kind ­circa sechs Stunden gar nichts essen, damit Magen und Darm en­tlastet werden." Während ­dieser Zeit sollte es kleine Mengen einer Zuckerlösung erhalten, dazu ­etwa fünf Teelöffel Zucker in 500 Milliliter Wasser oder Tee auflösen. Wichtig ist zusätzliches Salz, ­etwa durch einen Kräcker oder ­einen Löffel salzige ­Brühe pro ­Stunde. Alterna­tiv kann ­man ­fünf Prisen Salz ins gesüßte Wasser oder den Tee geben. Optimal sind fertige Elektrolytlösungen.

Nach der Esspause sollte das Kind zunächst kleine Portio­nen erhalten, jedoch keine Milchprodukte oder fett­­haltige Speisen. Besser: ­leichte stopfende Nahrungsmittel wie Möhren, Reis, Weißbrot. Apothekerin Stefanie Nettersheim rät bei Durchfall, dem Kind geriebe­nen ­Apfel zu geben. Das Apfelpektin gibt es auch als Hauptbestandteil in speziellen Arzneimittel­säften. "Präparate mit Kamillenblüten, Fenchel, Pfeffer­minze oder weißem Ton können ebenfalls hel­fen", sagt sie. Babys können natürlich weiter gestillt werden, ­ohne sechsstündige Pause. Stillende Mütter sollten ihr Kind ­öfter als sonst anlegen.

Wann wird es gefährlich?

Wenn das Kind erbricht, Durchfall und Fieber hat und nichts oder nicht genügend trinkt, muss es zum Arzt. "Er entscheidet, ob es ins Krankenhaus muss. Vor allem Kinder unter einem Jahr können binnen weniger Stunden austrocknen, bei Kindern ab circa drei Jahren besteht diese Gefahr nach ein bis zwei Tagen", so Lawrenz. Zeichen sind trockene Windeln oder eine geringe, dunkle Urinmenge. Auch bei Durchfall mit starken Bauchschmerzen, Fieber oder bei Blut im Stuhl gilt: Bitte mit dem Kind sofort zum Arzt gehen!

Wann darf das Kind wieder in die Kita?

Da die Ansteckungsgefahr hoch ist, müssen Kinder mit Brechdurchfall zu Hause bleiben. "Erst wenn das Kind 24 Stunden frei von Durchfall, Erbrechen und Fieber ist, darf es ­wieder in die Kita oder den Kinder­garten gehen", sagt ­Lawrenz.


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