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Die wichtigsten Baby-Screenings im Überblick

Kaum geboren, wird das Kind gründlich untersucht. Aus gutem Grund: So werden frühzeitig Krankheiten erkannt. Wir stellen die wichtigsten Screenings vor

von Simone Herzner, 27.11.2018

Ein Baby mit einer seltenen Stoffwechselerkrankung erleidet geistige und körperliche Behinderungen oder stirbt. Ein angeborener Herzfehler fällt erst auf, wenn es fast zu spät ist. Ein schwerhöriges Kind hat starke Sprachdefizite, weil es zu spät ein Hörgerät bekommen hat. Fälle wie diese gibt es in Deutschland dank der Neugeborenen-Screenings zum Glück immer seltener. Babys werden in den ersten Tagen und Wochen auf bestimmte Stoffwechsel- und Hormonstörungen getestet, Herz, Hüfte und Gehör werden geprüft.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten

"An den Untersuchungen teilzunehmen ist unbedingt ratsam, bleibt aber die Entscheidung der Eltern", sagt Dr. Uta Nennstiel, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neugeborenenscreening (DGNS). Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. In Deutschland sind über 500 Neugeborene pro Jahr von einer der gescreenten Stoffwechsel­erkrankungen und Hormonstörungen betroffen. "Allerdings ­verzichten manche Eltern auf die Untersuchung. Wenn nur ein Prozent der Eltern das Screening ablehnen, würden statistisch gesehen jedes Jahr fünf bis sechs kranke Kinder nicht gefunden werden", so die Ärztin.

Neugeborenen-Screening

Wann und wie?

36 bis 72 Stunden nach der Geburt werden einige Tropfen Blut, meist aus der Ferse, entnommen und auf 14 Stoffwechsel­erkrankungen und Hormonstörungen untersucht. Das Screening dürfen auch Hebammen ausführen, wenn sie die Geburt eigenverantwortlich geleitet haben (Ausnahme: Mukoviszidose). Die meisten Befunde sind unauffällig, dann hören Eltern nichts mehr. Andernfalls bekommen sie in der Regel innerhalb einer Woche Bescheid.

Warum?

Eines von 1000 Babys leidet an einer der Krankheiten. Dann ist häufig Eile geboten, um körperliche und geistige Schäden bis hin zum Tod zu verhindern.

Wie sicher ist das Ergebnis?

Falsch-negative Ergebnisse – also der Test zeigt keinen Befund, obwohl das Kind eine der untersuchten Krankheiten hat – sind extrem selten. "Ein moderat erhöhter Wert liefert nur einen Verdacht", sagt Screening-Expertin Dr. Uta Nennstiel. Der Bluttest muss wiederholt oder durch weitere Diagnostik abgeklärt werden.

Pulsoxymetrie-Screening auf kritische Herzfehler

Wann und wie?

Die Untersuchung erfolgt am zweiten Lebenstag und dauert wenige Sekunden. Ein kleiner Licht­sensor am Fuß misst den Sauerstoffgehalt des Blutes – ohne Blutabnahme. "Liegt die Sättigung bei mindestens 96 Prozent, ist alles gut. Bei 90 bis 95 Prozent wird der Check nach zwei Stunden wiederholt. Bleibt der Sauerstoffgehalt zu niedrig, wird weiter untersucht. Bei Werten unter 90 Prozent wird das Neugeborene sofort weiter untersucht, etwa mit einem Herz­ultraschall. Es könnte aber auch ein Hinweis auf eine andere schwere Erkrankung sein, etwa eine Lungenentzündung oder eine Blutvergiftung", erklärt Prof. Dr. Angelika Lindinger, Kinderkardiologin aus Trier und externe Gutachterin für das Pulsoxymetrie-Screening beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Warum?

Manche Herzfehler werden während der Schwangerschaft und bei der U 1 nicht erkannt. Sie verursachen bei Neugeborenen zunächst nicht unbedingt Symptome, können aber zum Schock oder Tod führen.

Wie sicher ist das Ergebnis?

Bei drei von 10 000 Babys werden schwere Herzfehler entdeckt, die vorher nicht erkannt wurden. Bei einem von 10 000 Babys bleibt ein Herzfehler unentdeckt.

Hör-Screening

Wann und wie?

Das Hör-Screening erfolgt bis zum dritten Lebenstag, ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Es gibt zwei Verfahren: 1. die Übeprüfung der Otoakus­tischen Emissionen (OAE) – hier gibt eine kleine Sonde im äußeren Gehörgang einen Klickreiz ab. Ein hörendes Ohr sendet als Antwort Schallwellen. 2. Bei der Automatisierten Hirnstamm­audiometrie (AABR) werden zusätzlich zwei Elektroden am Kopf angebracht. Gemessen wird die Reaktion des Gehirns auf den Sondenton.

Warum?

Ein bis drei von 1000 Kindern kommen mit einer Hörstörung zur Welt. "Bleibt diese im ersten Lebensjahr unbehandelt, können Nachteile in der Sprachentwicklung womöglich nie mehr aufgeholt werden", sagt Prof. Dr. Rainer Schönweiler, Leiter der Sektion für Phoniatrie und Pädaudiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck. 

Wie sicher ist das Ergebnis?

Sehr sicher. Bei einem auffälligen oder unklaren Ergebnis wird das Baby erneut untersucht und wenn nötig an einen Facharzt überwiesen. Wichtig: "Es gibt Schwerhörigkeiten, die sich erst bei älteren Kindern entwickeln können. Um diese zu entdecken, wurde die U7a um einen neuen Hörtest erweitert", so der Arzt.

Hüft-Ultraschall

Wann und wie?

Die Hüft-Sonografie erfolgt bei der U 3 beim Kinderarzt, also mit vier bis fünf Wochen. Bei einer Hüftreifungsstörung (Hüftdysplasie) ist die Hüftgelenk­pfanne zu klein für den Hüftkopf. Das Baby muss einige Wochen eine Hüftbeugeschiene tragen. "Dadurch stellt sich der Hüftkopf tief in die Pfanne ein, und diese erhält Wachstumsreize", erklärt Kinderorthopädin Dr. Tamara Seidl, Oberärztin am Franziskus Hospital Bielefeld.

Warum?

Die Hüftdysplasie ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen – bis zu vier Prozent aller Kinder sind betroffen. "Das Heilungspotenzial bis zum dritten Lebensmonat ist unglaublich hoch. Danach verlangsamt sich die Hüftreifung stark", sagt Seidl.

Wie sicher ist das Ergebnis?

"Bei korrekter Untersuchung ist es sehr sicher. Fehl­diagnosen sind selten", so Seidl. "Seit Einführung des Hüftscreenings 1996 konnte die Zahl der Operationen um 75 Prozent reduziert werden." Eine OP ist ein großer Eingriff mit Ruhigstellen im Gips für sechs Wochen.


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