Die passende Brille für mein Kind

Endlich den Durchblick? Ganz so einfach ist das mit der ersten Brille nicht. Was beim Kauf wichtig ist und wie Kinder sie gerne tragen

von Sandra Schmid, Vanessa von Blumenstein, aktualisiert am 19.10.2015

Kinderbrillen: Leicht, nicht zu groß und "belastbar" sollen sie sein


Gut, dass auch Kindergartenkinder schon Tim Bendzko oder Xavier Naidoo kennen. Oder zumindest Harry Potter. Prominente Brillenträger haben das ehemals verpöhnte Nasenfahrrad nämlich bei Kindern populärer gemacht. Die Zeiten der "Brillenschlange"-Hänseleien sind hoffentlich größtenteils vorbei. Der Trend bei der Optik geht sogar in die andere Richtung: je auffälliger desto besser! Außer der Stilfrage gibt es zu Kinderbrillen jedoch einiges zu beachten.

Kinder: Auch zum Augenarzt?

Laut Professor Hermann Dieter Schworm, Facharzt für Augenheilkunde aus München, benötigen etwa fünf Prozent aller Kinder eine Brille, um Sehfehler auszugleichen. Doch nicht jedes dieser Kinder trägt eine. Den Eltern fallen die Sehprobleme ihrer Kleinen nicht immer rechtzeitig auf. "In seltenen Fällen werden Eltern durch vermehrtes Blinzeln ihrer Kinder aufmerksam", sagt Schworm. Manche Kinder kneifen auch die Augen zusammen. "Es gibt kein zuverlässiges Kriterium für gutes oder schlechtes Sehen. Deshalb sollten Eltern mit ihren Kindern unbedingt innerhalb der ersten zwei Lebensjahre eine Untersuchung beim Augenarzt durchführen lassen." Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) empfiehlt bereits eine Augenkontrolle bei sechs bis zwölf Monate alten Kindern, wenn familiär ein erhöhtes Risiko für Schielen, Fehlsichtigkeit oder erbliche Augenerkrankungen vorliegt. Achtung: Anders als für die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt müssen die Kassen die Kosten hier nicht unbedingt übernehmen. Informieren Sie sich also gegebenenfalls vorab bei Ihrer Krankenkasse, ob sie diese Untersuchung selbst bezahlen müssen.

Auch bei einigen Vorsorgeuntersuchungen wie der U7a prüft der Kinderarzt die Sehfunktionen. Bei Auffälligkeiten überweist der Kinderarzt den kleinen Patienten sofort an den Augenarzt. "Viele Sehfehler sind versteckt und können nur durch spezielle augenärztliche Untersuchungen festgestellt werden", erklärt Schworm. Deswegen kann eine zusätzliche Untersuchung beim Augenarzt gerade bei familiäre Vorbelastung sinnvoll sein.

Kinderbrille sollte biegsam und leicht sein

Muss das Kind künftig eine Sehhilfe tragen, sollten es die Eltern auf jeden Fall bei der Wahl der Brille mitentscheiden lassen. Und keine Angst: Inzwischen gibt es Kinderbrillen in allen Formen und Farben. Neben der ästhetischen Komponente sind Passform und Verarbeitung wichtig. Achten Sie darauf, dass die Brille stabil und leicht ist. Empfehlenswert: Bügel mit Federscharnieren. Die brechen nicht ab, selbst wenn man sie nach hinten biegt.

Für manche Kinder ist eine Brille mit elastischen Bügeln ideal, sogenannten Sportbügeln, die fester hinter dem Ohr sitzen. "Außerdem verschreiben wir Kunststoffgläser, damit bei einem Sturz keine Glassplitter das Auge verletzen können," so Schworm. "Die Augen sollten durch die Mitte des Glases schauen, und die Gläser verhältnismäßig klein und möglichst rund oder oval geformt sein." Häufig wählen Eltern zu große Fassungen. Das bedeutet nur unnötiges Gewicht auf der Nase. Deshalb: Suchen Sie sich einen Optiker, der mit dem Anpassen von Kinderbrillen Erfahrung hat. Für jede Altersgruppe gibt es die passenden Modelle.

Brille: Positive Einstellung der Eltern hilft dem Kind

Trotzdem: Gerade am Anfang ist die Brille ein Fremdkörper im Gesicht Ihres Kindes, an den es sich gewöhnen muss. Dazu braucht es positives Feedback. Hier sind die Eltern gefordert: Wenn Sie die Brille als Einschränkung oder Handicap wahrnehmen, wird es Ihr Kind sehr wahrscheinlich auch tun. "Der größte Fehler ist, wenn eine Mutter neben ihrem Kind ihr eigenes Unbehagen über die Brillenverordnung zum Ausdruck bringt oder gar in Tränen ausbricht," berichtet der Experte aus eigener Erfahrung. "Dann ist nicht mehr damit zu rechnen, dass das Kind unbefangen an das Thema herangeht." Deswegen ist ein möglichst normaler Umgang mit dem neuen Hilfsmittel ganz wichtig.

"Die Brille sollte routinemäßig wie auch die Kleidung jeden Morgen angezogen werden", sagt Schworm. Bauen Sie dabei keinen Druck auf. Aussagen wie "Wenn du die Brille nicht aufsetzt, gibt es keine Süßigkeiten mehr" bringen meist nichts – nur, dass das Brilletragen negativ besetzt wird. Besprechen Sie im Vorfeld kurz mit den Erzieherinnen oder Lehrkräften diese Neuerung, damit sie möglichen Unsicherheiten sensibel begegnen können. Die Erfahrung des Augenarztes ist: "Je jünger die Kinder sind, desto schneller gewöhnen sie sich an die Brille." Gerade die Kleinen sind da glücklicherweise oft sehr pragmatisch: Schon nach kurzer Zeit stellen sie fest, dass sie mit der Brille besser sehen können und tragen sie aus diesem Grund gerne.


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