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Der Mama-Coach: Meine inneren Helfer

Die inneren Begleiter entdecken und sie nutzen, um entspannter zu werden – wie das geht, zeigt Teil 2 unserer Serie „Mama-Coach“

von Tanja Misiak, 27.02.2019
Putzen

Mit der Perfektionistin in uns ist oft nicht zu spaßen. Trotzdem sollten wir uns mit ihr verbünden


Wer in mir macht eigentlich Stress? Wer sich diese Frage stellt, begibt sich auf eine spannende Reise mit sich selbst. Denn niemand kippt Stress in uns hinein, keiner ist Opfer seines Stresses. Wir können selbst beeinflussen, ob und wie wir uns stressen lassen. Das sagt sich leicht, fällt aber schwer, wenn Hektik oder Ärger bis unter die Haarwurzeln krabbeln. Deshalb lohnt es sich hinzuschauen, was – oder wer – in uns den Puls in die Höhe treibt. Ich finde dafür die Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen sehr hilfreich. Jeder trägt diese Anteile in sich. Wir können sie uns wie eigene Persönlichkeiten vorstellen – mit eigenen Über­­zeugungen und typischen Gefühls-, Gedanken- und Verhaltensmustern.

Welche Persönlichkeitsanteile habe ich?

Entscheidend beim Blick auf die inneren Persönlichkeitsanteile ist die beobach­tende Perspektive: Mit einer acht­samen, neugierigen Haltung nehme ich meine Innenwelt wahr. Ich bin gestresst? Dann versuche ich einen Schritt zurückzutreten und zu fragen: Wer in mir ist gestresst? Wir können in einen inneren Dialog mit unseren Anteilen treten, sie uns vorstellen, sie hören, fühlen. In Stresssituationen tauchen vor allem bei uns Müttern oft ähn­liche Persönlichkeitsanteile auf. Etwa die Perfektionistin. Mit meiner inneren Perfektionistin war es so: Mir kamen Bilder, wie sie mit erhobenem Zeigefinger redete, streng schaute, die Haare fest nach hinten gebunden. Sie meckerte viel. Wenn sie sich vordrängte, löste das Stress in mir aus. Ich war nicht mehr in meiner Mitte und fühlte mich klein. Ich konnte nicht mehr mit meinen Kindern spielen, weil ich gestresst auf Unordnung, Matsch oder Lärm reagierte.

Mit den inneren Helfern zusammenarbeiten

Im nächsten Schritt begegnete ich meiner Pefektionistin mit Interesse. Wenn ich nun in stressige Situationen kam oder über sie nachdachte, fragte ich sie, was sie störte. Ich lernte, dass sie es gut mit mir meinte. Sie versuchte, mich zu beschützen. Sie hatte Angst, dass ich in meinem Leben total versage, wenn ich nicht alles perfekt mache. Als ich anfing, meine Perfektionistin wegen ihrer Bemühungen wertzuschätzen, fühlte ich mich plötzlich leichter, größer, sicherer. Dann schmiedete ich mit ihr Pläne. Wir probierten aus, wie es ist, wenn bestimmte Dinge nicht mehr perfekt sind. Zum Beispiel im Haushalt, wenn ich nicht mehr alles sofort aufräume. Die Konsequenz war viel weniger schlimm, als die Perfektionistin befürchtet hatte. Wir machten gemeinsam die Erfahrung, dass ich viel weniger Stress spürte und glücklicher sein konnte. Mein Haushalt sieht sogar lebendiger aus. Zudem habe ich mehr Zeit für die Kinder und meine Arbeit.

Heute spricht meine Perfektionistin seltener mit erhobenem Finger, kommt bunter und entspannter daher. Wir bilden ein gutes Team: Wenn es darauf ankommt, kann ich mit ihr pingelig und perfekt sein. Jedoch entscheiden wir gemeinsam, wann das nötig ist.

Diese innere Arbeit ist von unendlichem Potenzial. Ich arbeite mit mehreren Anteilen in mir, die zu meinem Stressgefühl beitragen: mit der gehetzten Businessfrau, die Angst vor Konkurrenz hat; dem aufgeregten Häschen, das sich ständig beeilen muss; dem Ritter in Rüstung, der immer stark sein muss … Am Ende geht es um Selbstfürsorge. Wenn ich mich mit all meinen Anteilen wertschätzend auseinandersetze, braucht sich niemand in mir Stress zu machen.

Mehr als Stress?

Sollten Sie merken, dass Sie stark ­gestresst sind, Sie diese Gefühle nicht unter Kon­trolle bringen oder die Auseinandersetzung mit Ihren inneren Persönlichkeiten Sie emotional übermäßig belastet, dann wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder einen Psychotherapeuten. Auch die Telefonseelsorge kann ein erster Anlaufpunkt sein: 0800/11 101 11

Tanja Misiak

Übung: Meine inneren Helfer

Welche Persönlichkeitsanteile kennen Sie von sich? Notieren Sie Anteile, die Sie wiedererkennen. Ergänzen Sie gerne weitere, die Ihnen auffallen, zum Beispiel:

  • Ein Anteil, für den alles perfekt sein muss
  • Ein Anteil, der sich immer be­eilen muss
  • Ein Anteil, der ständig stark sein muss, sich nicht helfen lassen darf
  • Ein Anteil, für den sich nichts Wertvolles leicht anfühlen darf
  • Ein Anteil, der gerne vor herausfordernden Situationen wegläuft 
  • Ein Anteil, der immer alles bis zum letzten Moment aufschiebt

Welche Anteile sind da, wenn Sie sich Stress machen? Welchen Anteil möchten Sie besser kennenlernen? Treten Sie in den inneren Dialog. Versuchen Sie, sich den Anteil vorzustellen und ihn vielleicht sogar in Ihrem Körper zu spüren.

Denken Sie daran, Ihre Anteile meinen es IMMER gut mit dem, was sie tun. Begegnen Sie ihnen neugierig, wohlwollend, mitfühlend und liebevoll. Sprechen Sie den Anteil mit "Du" an, und warten Sie auf eine innere Antwort: Welche Gedanken, Bilder, Gefühle von ihm nehmen Sie wahr?

Das könnten Sie Ihren inneren Anteil fragen:

  • Welche Rolle übernimmst du in meinem inneren System?
  • Was, denkst du, würde passieren, wenn du das nicht mehr tust? (Zum Beispiel könnten Antworten sein: "Du würdest auf der Straße landen", "du verlierst deinen Partner")
  • Wofür setzt du dich ein? (Zum Beispiel "dass du nicht im Chaos versinkst", "dass du erfolgreich bist")
  • Was tust du dann? (Zum Beispiel etwas, was Stress auslöst: "sich beeilen", "schreien", "essen", "meckern")
  • Was können wir miteinander vereinbaren? (Nutzen Sie die Stärken Ihres Anteils, zum Beispiel sehr genau sein können, auf die Zeit achten, sich anpassen können …)

Wiederholen Sie diese inneren Dialoge (auch mit weiteren Persönlichkeitsanteilen), und versuchen Sie Freundschaften zu schließen. Viel Spaß bei dieser spannenden inneren Reise!


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