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Der Mama-Coach: Job und Familie jonglieren

Den Beruf und das Familienleben in der Balance halten? Gar nicht so einfach. Mit einem eigenen inneren Kompass gelingt es leichter. Wie Sie ihn für sich finden

von Tanja Misiak, 28.06.2019
Arbeiten zuhause

Sowohl dem Job als auch den Kindern genügend Zeit einzuräumen ist gar nicht so einfach


Die meisten Mütter, die ich kenne, gehen gerne arbeiten. Natürlich spielen finanzielle Gründe eine Rolle. Doch viele empfinden ihr Jobleben als einen guten Ausgleich zu den Aufgaben für Kinder und Haushalt. Im Beruf geht es um Übernahme von Verantwortung jenseits des Familienalltags, um Anerkennung, das Wachsen in einem professionellen Umfeld. Der Job ist daher meist nicht das Problem, wenn wir in Stress geraten, sondern die individuelle Zeiteinteilung. Wir fühlen uns zerrissen, weil wir gerne 100 Prozent in der Familie und 100 Prozent im Job zur Verfügung stehen wollen. Das funktioniert nicht. Wie finden wir also unseren individuellen Weg?

Die folgenden Reflexionen zielen auf die Stärkung berufstätiger Mütter. Sie gewinnen Klarheit über das, was ihnen wirklich wichtig ist.

Schritt 1: Meine Kraftquellen

Wenn es zeitlich eng wird, verzichten viele zuerst auf ihre eigene Zeit – auf Schlaf und Hobbys. Tief drinnen der Gedanke: "Stell dich nicht so an", "Geht schon noch". Dabei sollten wir Mütter vor allem eins tun: auf uns achten – damit wir in unserer Kraft bleiben in Familie und Beruf.

Denken Sie an Ihre Zeit vor dem ersten Kind zurück.

  • Wie haben Sie damals Kraft getankt (z. B. sportliche oder kreative Aktivitäten, Natur, Lesen, Zeit mit dem Partner oder Freunden, Konzerte)?
  • Gibt es neue Kraftquellen, die Sie für sich gefunden haben? Wenn ja, welche?
  • Welchen Kraftquellen würden Sie gerne mehr Raum in Ihrem jetzigen Leben geben? Schreiben Sie sie auf.

Wie können Sie das organisieren? Können Ihnen der Partner, Groß­eltern, Babysitter, Nachbarn, Spielgruppen freie Zeit ermöglichen? Tragen Sie diese Zeit fest in den Kalender für Ihre Kraftquellen ein. Versehen Sie sie mit hoher Priorität. So werden Sie gegenüber sich selbst verbindlicher.

Schritt 2: Meine Werte

Mit der Geburt des ersten Kindes erleben Eltern oft einen Wertewandel, der auch zu Wertekonflikten führen kann. So passen marktwirtschaftliche Werte wie Effizienz, Schnelligkeit, Konkurrenz und Konsumorientierung oft nicht ins Familienleben. Hier stehen Wert wie etwa Fürsorge, Aufmerksamkeit, Zeit füreinander im Vordergrund.

Sich der eigenen Werte bewusst zu sein, nach denen wir große und kleine Entscheidungen treffen möchten, erleichtert vieles. Was ist wertvoll für Sie? Schreiben Sie spontan auf, welche fünf Werte Sie am meisten vertreten. Zum Beispiel: Abenteuer, Achtsamkeit, berufliche Weiterentwicklung, Disziplin, Engagement, Familie, Fairness, Freundschaft, Gesundheit, Natur, Selbstbestimmtheit, Spaß, Spiritualität, Spontanität, Wertschätzung.

Überlegen Sie:

  • Welche Entscheidungen stehen in Ihrem privaten Leben aktuell an? Welche Werte möchten Sie jeweils bei diesen Entscheidungen heranziehen?
  • Welche Entscheidungen stehen in Ihrem beruflichen Leben aktuell an? Welche Werte möchten Sie jeweils bei diesen Entscheidungen heranziehen?
Tanja Misiak

Schritt 3: Konflikte lösen

Wir können nicht überall 100 Prozent geben. Mit einer bewussten Entscheidung für oder gegen etwas setzen wir uns selbst nicht mehr unter Druck und fühlen uns weniger zerrissen. Schauen Sie sich Ihre eingetragenen Werte nochmals an. Fallen Ihnen Entscheidungskonflikte zwischen Ihrem beruflichen und privaten Leben auf? Wenn ja, welche? Prio­risieren Sie nun, und entscheiden Sie bewusst: Was ist Ihnen am meisten wert? Schreiben Sie es auf.

Wichtig: Wir können heute Entscheidungen treffen, die wir bewusst nur für eine begrenzte Zeit umsetzen. Fest befristet, sind sie nicht mehr absolut, sondern veränder­bar. Beispiel: Wert privat – Zeit mit Kindern; Wert beruflich – berufliche Weiterentwicklung; Priorität heute: Zeit mit Kindern. Entscheidung: Ich reduziere meine Wochenarbeitszeit (weiter) für ein Jahr und ordne das beruf­liche Weiterkommen unter. Danach entscheide ich neu. Oder: Priorität heute: berufliche Weiterentwicklung. Entscheidung: Ich nutze eine berufliche Chance, erhöhe die Betreuungsstunden für die Kinder und entscheide nach einem Jahr neu.

Schritt 4: Mein Leitbild

Wie möchten Sie leben und arbeiten? Mit vielen Kompromissen können wir besser umgehen, wenn wir uns klar darüber sind, wofür wir unterwegs sind. Zum Beispiel verzichte ich gerne auf Urlaub, wenn ich dafür im Alltag mehr Zeit für mich habe, weniger im Job bin und folglich weniger Geld verdiene. Mein Leitbild gibt mir gute Laune, Motivation fürs Leben und Arbeiten sowie Kraft an schwierigen Tagen.

Stellen Sie sich einen perfekten, alltäglichen Wochentag vor, der etwas weiter in der Zukunft liegt. Sie haben Ihre Rahmenbedingungen so gestaltet, dass Sie zufrieden sind. Sie haben Zeit für Ihre Kraftquellen, kennen Ihre Werte und leben nach ihnen.

  • Was tun Sie gleich morgens, wenn Sie aufstehen?
  • Wie leben Sie Ihre Werte im privaten Bereich, wie im beruflichen?
  • Was unternehmen Sie mit Ihren Kindern? Was sind Ihre Kraftquellen, und wie kommen diese zum Zug?

Notieren Sie es.

Schritt 5: Vorsätze umsetzen

Überlegen Sie ganz konkret, wie Sie Ihre Vision Wirklichkeit werden lassen. Wann tun Sie was, wie, mit wem, was brauchen Sie dafür noch? Schreiben Sie es auf.

Mehr als Stress

Sollten Sie merken, dass Sie über­mäßig stark ­gestresst sind oder Sie diese Gefühle nicht unter Kon­trolle bringen, dann wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder einen Psychotherapeuten. Auch die Telefonseelsorge kann ein erster Anlaufpunkt sein: 0800/11 101 11


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