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Der Mama-Coach: Fairplay mit den Großeltern

Wenn wir Eltern werden, sehen wir die eigene Mutter, den eigenen ­Vater mit anderen Augen. Manchmal flammen aber auch Konflikte auf. Wie wir zu einem guten Miteinander finden

von Tanja Misiak, 31.07.2019
Großfamilie

Drei Generationen: Nicht immer läuft es reibungslos ab, wenn aus Eltern Großeltern werden


Wir haben unseren Eltern viel zu verdanken – unser Dasein, unsere Kindheit und im besten Fall schöne Momente. Auch wenn es gute Beispiele gibt, wo das Zusammensein gelingt, birgt die Beziehung zu den eigenen Eltern häufig erhebliches Stress­potenzial.

Wunde Punkte

In meinem Freundeskreis und bei Klientinnen erlebe ich oft, dass sich die Beziehung zu den eigenen Eltern belastend gestaltet: "Länger als einen Tag halten wir es nicht zusammen aus", "Immer wieder fängt er mit den gleichen Themen an", heißt es dann. Die neuen Rollen als Eltern und Groß­eltern bergen das Risiko von Spannungen. Großeltern verstehen ihre Kinder nicht: "Etwas mehr Disziplin wäre angebracht", "Das hätte ich euch nicht erlaubt". Und Eltern grenzen sich von den Groß­eltern ab: "Genau das tat mir früher auch nicht gut", "Er darf das selbst entscheiden". Unsere wunden Punkte liegen hier verletzlich offen.

Kindliche Muster

Eine große Rolle spielen dabei kindliche Muster. Diese Überbleibsel aus der Vergangenheit färben unser Denken und Handeln als Erwachsene. Sie äußern sich etwa als trotzige Reaktio­nen oder Schuldzuweisungen: "Wärt ihr damals geduldiger/verständnisvoller/liebevoller gewesen, würde mir vieles heute leichter fallen." Oder andersherum: "Du warst auch kein einfaches Kind", "Für dich habe ich mich/meine Karriere aufgegeben und erhalte keinen Dank".

Niemand von uns hat oder hatte perfekte Eltern oder Kinder. Auch wir sind keine perfekten Eltern. Jeder hat bestimmte Erinnerungen und Emotionen aus der Kindheit übernommen. Sie prägen uns und unser Verhalten mit den Kindern und nahestehenden Menschen. Hinterfragen wir Denk- und Verhaltensmuster, können wir uns entlasten und weiterentwickeln. Die folgenden Übungen helfen uns zu mehr Gelassenheit in nahen Familienbeziehungen. Bei sehr schwerwiegenden Vorfällen in der Kindheit, holen Sie sich bitte professionellen Rat.

Mehr als Stress

Sollten Sie merken, dass Sie über­mäßig stark ­gestresst sind oder Sie diese Gefühle nicht unter Kon­trolle bringen, dann wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder einen Psychotherapeuten. Auch die Telefonseelsorge kann ein erster Anlaufpunkt sein: 0800/11 101 11

Tanja Misiak

1. Vorwürfe umleiten

Viele von uns hegen Vorwürfe an die eigenen Eltern: zu wenig Liebe bekommen, zu wenig Zeit, zu viel Ungeduld, zu viel Leistungsdruck. Mal äußern wir dies laut, mal grollen wir insgeheim. Doch Vorwürfe sind niemals konstruktiv – auch wenn sie eine berechtigte Grundlage haben. Wenn wir jemandem Schuld an unseren inneren Kämpfen und äußeren Umständen geben, schränken wir unsere Selbstwirksamkeit ein. Als Erwachsene sollten wir für unsere Schwierigkeiten selbst die Verantwortung übernehmen. So können wir bei Spannungen klarer handeln. Wir wissen: Ich kann das selbst regeln, bin nicht (mehr) abhängig von meinen Eltern. Schreiben Sie Ihre Vorwürfe auf. Welche davon haben wahrscheinlich einen kind­lichen Ursprung?

Welchen Vorwurf möchten sie näher untersuchen? Fällt Ihnen eine Situation ein, in der er Sie begleitet hat? Beschreiben Sie diese.

In dieser Situation sehnt sich ihr kindlicher Anteil nach etwas: mehr Liebe, Aufmerksamkeit, Geborgenheit oder weniger Kontrolle und Leistungsdruck. Stellen Sie sich nun vor, wie Sie als erwachsenes Ich Ihrem kindlichen Anteil genau das geben: eine Umarmung, Trost oder Geduld.

Machen Sie sich bewusst: Sie können Ihrem kindlichen Anteil jederzeit selbst geben, was er braucht. Hier und jetzt. Und so unbewusste Erwartungen an Ihre Eltern loslassen. Sie hören auf, sich mit Vorwürfen zu belasten. Das entspannt die Beziehung zu Ihren Eltern.
Übrigens: Auch Großeltern haben Vorwürfe, die ihren Ursprung in kindlichen Anteilen haben. Das ist gut zu wissen. Wir können so bestimmte Kommentare besser einordnen und angemessener reagieren.

2. Kraft tanken

Die Möglichkeiten an Erinnerungen aus unserer Kindheit sind unendlich. Doch wir haben sie oft auf ein paar Erlebnisse reduziert. Sind diese negativ, überschatten sie die positiven Erinnerungen. Durch Fokussierung auf die schönen Erlebnisse entlasten Sie sich selbst und stärken die heutige Beziehung zu Ihren Eltern.
Schreiben Sie fünf positive Kindheitserinnerungen auf. Diese können Sie künftig immer wieder aufrufen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, fragen Sie Ihre Eltern, an welche positiven Ereignisse sie sich gerne erinnern. Dies stärkt das Zu­sammengehörigkeitsgefühl und hilft über manchen Stress hinweg.

3. Die Eltern verstehen lernen

Ihre Eltern haben selbst Themen und Prägungen. Die Umstände unserer jeweiligen Kindheiten unterscheiden sich enorm. Die Kindererziehung hat sich in den letzten 30 bis 40 Jahren stark geändert. Die Hirnforschung, etliche Studien zur Entwicklungspsychologie und Päda­gogik zeigen Perspektiven auf, die unsere Eltern nicht hatten. Wir können versuchen, unsere Eltern besser zu verstehen, so dass wir sanfter urteilen, wenn uns ihre Kommentare irritieren. Wenn Sie die Möglichkeit haben, befragen Sie Ihre Eltern zu deren Kindheit. Auch wenn Sie schon vieles wissen, verstehen Sie manches vielleicht jetzt als junge Eltern anders. Notieren Sie die Ge­schichten, die Sie kennen oder die ihre Eltern erzählen.

4. Dankbar sein

Schreiben Sie auf, was Sie von Ihren Eltern gelernt haben und gerne übernehmen. Zum Beispiel: Ausdauer, Disziplin, Verbindlichkeit, Geduld, Großzügigkeit, Abenteuerlust. Wenn Sie können und möchten: Teilen Sie diese Liste mit Ihren Eltern.


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