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Der Mama-Coach: Achtsam im Alltag

Schritt für Schritt zu mehr Gelassenheit: Mit den Übungen unsere Serie „Mama-Coach“ befreien Sie sich aus der Stressfalle. Teil 1: den Blick ändern

von Tanja Misiak, 30.01.2019
Frau mit wasserabweisender Regenkleidung

Schlechtes Wetter muss nicht zu schlechter Laune führen


Der Tag hat 24 Stunden, doch die To-do-Liste füllt locker 36. Ständig hetzen wir Terminen hinterher. Alles muss funktionieren. Wenn nicht, reagieren wir entsprechend: genervt, gestresst, verärgert. Leider funktionieren Kinder nicht nach Plan, der Partner ebensowenig und eigentlich das Leben generell nicht. Also, kein Weg aus dem Stress? Ja und nein. Von morgens bis abends entspannt durch den Alltag schweben, schafft wohl niemand. Aber die Perspektive ändern, anstrengende Situationen anders werten, das schon. Ich habe für mich einige Punkte verinnerlicht, die mich glücklich und stressfreier machen. Ich glaube, dass sie jedem helfen können. Sie lassen sich ganz praktisch im Alltag üben:

1 JETZT ist der richtige Zeitpunkt

Es bringt nichts, auf den einen perfekten Moment zu warten – im Urlaub oder danach. Fangen Sie jetzt an! Dem inneren Glück ist es egal, wo wir sind: am schönsten Strand oder in der unaufgeräumten Küche. Ich kann immer JETZT für mich sorgen.

ÜBUNG: Jetzt, beim Lesen, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem. Aufs Einatmen und Ausatmen. Beobachten Sie, wie er fließt. Schnell, langsam, laut, leise. Verweilen Sie  für eine Minute …

Nun lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Körper. Wie fühlt er sich an? Kalt, warm, gemütlich, unbequem? Wo sitzen/stehen Sie und wie? Spüren Sie Ihre Füße und den Boden? Ihren Bauch? Arme, Rücken, Kopf?

Schließen Sie Ihre Augen, hören Sie eine Minute lang, was in Ihrer Umgebung zu hören ist. Laute Geräusche von der Straße, Kinderlachen, leise Ge­räusche von Ihrem Atem …
Verweilen Sie noch eine Minute, wenn Sie möchten, und überlegen Sie: Hat sich für Sie etwas verändert? Schreiben Sie es auf.

Diese Übung hilft, einen kleinen Stopp im Alltag zu setzen und stärker in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

2 Innehalten mitten im Geschehen

Ich bin gestresst! Wie oft denken und fühlen wir diesen Satz. Das Fiese: Er verleitet uns dazu, die Welt durch einen Tunnelblick wahrzunehmen. Plötzlich sehen wir die Unordnung in der Wohnung, die uns eben noch egal war. Uns fällt die noch dringend zu schreibende E-Mail ein. Die Kinder quengeln – war ja klar. Alles nervt nur noch, der Stress steigt.

Halten Sie inne. Statt "Ich bin gestresst" sagen Sie sich: "Ich habe Stress, aber ich bin viel mehr als dieser Stress." Das heißt: Ich akzeptiere die Situation, die mich ärgert, hetzt, anstrengt – aber ich lasse nicht zu, dass sie mich ausfüllt. Ich entscheide über mein Innenleben. Das nimmt schon Zündstoff aus der Situation.

ÜBUNG: Was spüren Sie – jetzt, hier – während Sie den Text lesen? Inte­resse, Begeisterung, Skepsis oder Un­sicherheit? Was noch? Formulieren Sie es: "Ich spüre Interesse (Begeisterung, Skepsis …) in mir." Schreiben Sie es auf. Es ­können auch widersprüchliche Gefühle/Gedanken auftauchen. Das ist okay.

Sie denken und spüren dies alles. Jedoch SIND Sie die Gedanken und Gefühle nie. Sie kommen in einen inneren Raum der Ruhe, wenn Sie diese nur wahrnehmen – ohne sich mit ihnen zu identifizieren, ohne sie die Kontrolle übernehmen zu lassen.

Tanja Misiak

3 Ich sorge für mich

Mit der Selbstliebe tun wir uns oft schwer. Uns begleitet das Gefühl, es niemandem recht zu machen. Oft kommt starker Perfektionismus dazu, und alles endet in Getrieben-Sein und Unzufriedenheit. Es ist wichtig, die Liebe und das Wohlwollen, welche wir ganz leicht unseren Kindern entgegenbringen, auch für uns selbst zu empfinden. Hier hilft diese Perspektive: "Etwas in mir ist gestresst, da gibt sich jemand viel Mühe, alles perfekt machen zu wollen. Dafür bin ich dankbar. Aber jetzt ist gut. Wir haben eine Pause verdient."

ÜBUNG: Denken Sie an eine Stresssituation der letzten Tage. Notieren Sie kurz die Situation und ihre Gefühle.

Stellen Sie sich vor: Sie haben jetzt die Möglichkeit, Ihrem Stress-Ich von damals etwas Gutes zu tun. Sie gehen zu ihm, fragen es, was es braucht, um den Stress zu reduzieren. Die Antwort darf völlig abstrus sein (z. B. ein gemütliches Sofa am Bahnsteig; ein Engel, der mich in den Arm nimmt). Stellen Sie sich vor, wie Sie Ihrem Ich genau das geben. Wie fühlt es sich an, dass sich jemand um Sie kümmert – mit Liebe und Wohlwollen? In der nächsten Stresssituation rufen Sie sich Ihr fürsorgliches Ich.

4 Ich allein bin für meinen Stress verantwortlich

Eine verpasste S-Bahn, ein quengeliges Kind oder einfach schlechtes Wetter. All das kann einen aus der Ruhe bringen. Doch am Ende sind nicht diese äußeren Faktoren entscheidend, sondern das, was ich daraus mache. Wenn ich mich über die verpasste S-Bahn ärgere, ist dies nur eine von vielen möglichen Reaktionen. Ich kann wählen. Ich kann im Regen stehend der glücklichste Mensch sein. Oder bei Sonnenschein mit gut gelaunter Familie Trübsal blasen. In den meisten Fällen von Alltagsstress gilt: Ich bin nur Opfer äußerer Umstände, wenn ich mich selbst dazu mache. Ich kann mich entscheiden, mich nicht stressen zu lassen. Das kann ich üben. Jederzeit.

ÜBUNG: Denken Sie erneut an eine Situation, die Sie gestresst hat. Be­­schreiben Sie die Situation chronologisch.

Stellen Sie sich nun vor, Sie könnten diese Situation nochmals mit einer fürsorglichen Begleitperson durchleben, die sich für Sie einsetzt. Was würde diese Person für Sie tun? Würde sie für Sie um Hilfe fragen? Einen Termin verschieben? Sagen, dass etwas nicht okay ist? 

Am Ende sagt Ihre Begleitperson, dass sie Ihnen zutraut, beim nächsten Mal ihren Job selbst zu übernehmen. Und das versuchen Sie.


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