Der Antrag zur Kinder-Reha

Eigentlich brauchen Zehntausende chronisch kranke Kinder eine Reha, sagen Experten. Doch der Weg dorthin war bislang schwer. Der Antrag in fünf Schritten

von Andrea Schmidt-Forth, 01.02.2018

Eine Reha hilft kranken Kindern ihren Alltag besser zu bewältigen


Ein Neurodermitis-Schub lässt die Haut unerträglich jucken, oder beim kleinen Diabetes-Patienten spielen die Zuckerwerte mal wieder verrückt. Chronische Krankheiten bei Kindern bringen viele Herausforderungen mit sich. Die Kleinen brauchen besondere Pflege, viel Zuwendung und Trost, wenn sie wegen der Krankheit wieder nicht in die Kita oder zum Kinder­­geburtstag gehen können.

Darum hilft eine Kinder-Reha

Betroffen sind laut Robert-Koch-Ins­titut und Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte etwa 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Bei Babys und Kindern bis zum Vorschulalter handelt es sich meist um Neurodermitis, Bronchitis, Asthma oder Entwicklungsstörungen. In vielen Fällen kann eine Reha helfen, zu der Mutter oder Vater mitkommen und eine Schulung besuchen, um das kranke Kind zu Hause besser versorgen zu können. "Ist die Maßnahme erfolgreich, benötigen die Kinder oft weniger Medikamente, sind besser für den Alltag gewappnet und werden auf die Schule vorbereitet", sagt Dr. Klaus Rodens vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte aus Langenau.

Rückläufige Anträge, steigender Bedarf

Bisher waren Reha-Maßnahmen allerdings eine Kann-Leistung und wenig bekannt. Anträge wurden oft abgelehnt. Die Folge: Die Zahl der Anträge ging immer weiter zurück, obwohl der Bedarf stieg. Hier hilft das neue Gesetz. "Seit es im Januar 2017 in Kraft getreten ist, hat sich die Welt verändert", sagt Alwin Baumann, Klinikdirektor im Allgäu, begeistert. Zehn Jahre lang kämpfte der Sprecher des Bündnisses Kinder- und Jugend-Reha für bessere Rahmenbedingungen.

Die wichtigsten Neuerungen

  • Das Flexirentengesetz macht die Kinder-Reha zur Pflichtleistung. Zuständig ist jetzt meistens die Deutsche Rentenversicherung. Bislang gingen 32 000 Kinder und Jugendliche jährlich zur Reha. Gerechnet wird künftig mit etwa 7000 An­trägen mehr pro Jahr. Die Zahl der Bewilligungen ist bereits um sieben Prozent gestiegen. Insgesamt sind circa 30 Millionen Euro zusätzlich für Maßnahmen eingeplant.
  • Kosten für Begleitpersonen werden für Kinder bis zwölf Jahre übernommen.
  • Beschränkungen auf bestimmte Krankheitsbilder und Zeitlimits wurden gestrichen.

Daran wird noch gearbeitet

  • Die Reha soll, wenn erforderlich, durch eine qualifizierte Nachsorge idealerweise am Heimatort des Kindes ergänzt werden. Ziel ist es, den Therapieerfolg möglichst lang zu erhalten. Das Konzept sieht vor, dass Kinderarzt/Hausarzt/ Therapeuten und Rehaklinik mit­einander verzahnt sind. Als Mittler und Lotsen sollen nach derzeitigem Stand Kinder- und Jugendärzte tätig sein.
  • Ambulant oder stationär: Familien, die ihr Kind nicht in die Klinik schicken können oder wollen, sollen die Wahl haben. Eine Arbeitsgruppe erstellt dazu gerade die Kinder­-Reha-Richtlinien, die spätestens bis Juli 2018 veröffentlicht werden.

Eine Reha ist keine Kur

Oft wird die Kinder- und Jugend-Reha mit einer Mutter-Kind-Kur ­­verwechselt. "Für die Mutter-Kind-Kur kommt die gesetzliche Krankenkasse auf. Bei ihr geht es um Vorsorge. Die belastete und erschöpfte Mutter steht hier im Vordergrund der Behandlung, während bei der Reha das kranke Kind im Mittelpunkt steht", erklärt Silke Siebenhüter, Reha-Beraterin bei der Katholischen Jugendfürsorge Augsburg. Eine Reha ist per Definition der Deutschen Rentenversicherung angebracht, wenn das Kind in seiner Leistungsfähigkeit bereits gemindert ist, aber die Chance besteht, dass die Gesundheit gebessert oder wiederhergestellt werden kann.

Auch ein Urlaub ist die mindestens vierwöchige Reha nicht. Nach dem Aufnahmegespräch an der Klinik wird für das Kind ein Therapieplan erstellt. Damit die Reha erfolgreich sein kann, fährt bei kleinen Kindern ein Elternteil mit. In diesem Fall kommt die Rentenversicherung für Posten wie Verdienstausfall, Fahrt und Unterkunft auf. Auch Geschwister unter zwölf Jahren können bei Bedarf mitkommen oder zu Hause von einer Haushaltshilfe versorgt werden.


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