Das hilft bei Wachstumsschmerzen

Wenn Kinder nachts Schmerzen in den Beinen haben, kann das mit dem Wachsen zusammenhängen. Experten sagen, was sie ruhiger schlafen lässt

von Barbara Weichs, aktualisiert am 29.03.2018

Ausschließlich nachts treten die typischen Wachstumsschmerzen bei Kindern auf


Wachsen tut nicht weh. Theoretisch zumindest. Denn die Schmerzen, die Eltern und Mediziner mit dem Wachsen in Verbindung bringen, lassen sich weder durch Laborwerte noch durch bildgebende Verfahren wie eine MRT (Magnetresonanztomographie) nachweisen. Praktisch allerdings bereiten die sogenannten Wachstumsschmerzen Kindern und Eltern immer wieder schlaflose Nächte. "Etwa 30 Prozent aller Kinder klagen darüber", sagt Professor Dr. med. ­Bettina Westhoff, leitende Oberärztin sowie Kinderorthopädin an der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie an der Universität Düssel­dorf. Vor allem die Vier- bis Sechsjährigen, aber auch noch Grundschulkinder sind davon betroffen. Manchmal jammern schon Kleinkinder.

Wachstumsschmerzen: Ursachen unbekannt

Was hinter den Wachstumsschmerzen steckt, wissen Ärzte nicht genau. ­­"Eine Vermutung ist, dass Weichteile und Knochen im kindlichen Körper unterschiedlich schnell wachsen und es so zu Spannungen kommt", erklärt die Kinderorthopädin.

Experten sehen auch in Wachstumshormonen einen Grund: Der Körper bildet sie nachts, schnelleres Wachstum und Spannungen in der Knochenhaut sind die Folge. "Für uns spielt die Ursache bei der Behandlung letztlich keine Rolle. Wir müssen nur ausschließen, dass die Schmerzen einen anderen Grund haben", sagt Kinder- und Jugendarzt Karl Stiller, zugleich Vorstand des Landesverbandes Saarland des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Denn Schmerzen im Bein können auch die Folge eines Tumors, einer Knochenentzündung oder einer harmlosen Entzündung des Hüftgelenks, eines Hüftschnupfens, sein. Eltern sollten die Klagen ihrer Kleinen daher immer ernst nehmen.

Morgens wie weggeblasen

Ganz typisch für die harmlosen Wachstumsschmerzen ist: Sie treten ausschließlich nachts und im Kniebereich entlang des Ober- oder Unterschenkels auf. Es tut nicht nur ein Bein weh, sondern es kann mal das eine und das nächs­te Mal das andere sein. "Das Kind ist außerdem in seiner Bewegungsfreiheit tagsüber nicht eingeschränkt", erklärt Westhoff. Egal, wie stark die Schmerzen nachts  auch waren – am nächsten Morgen sind sie wie weggeblasen. Manchmal vergehen Wochen, bis sie den Kleinen wieder den Schlaf rauben.

Wenn die Schmerzstelle allerdings geschwollen oder gerötet ist, deutet dies­ darauf hin, dass die Beschwerden ­eine andere Ursache haben. "Spüren Sie außerdem, ob sich das Bein dort überwärmt anfühlt", sagt Kinderarzt Stiller. Ist das der Fall, rät er Eltern, zum Kinderarzt zu gehen: Er wird das Blut untersuchen lassen und eventuell das Bein röntgen, um die Ursache zu ermitteln.

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Bei Verdacht auf Erkrankung: Schmerztagebuch hilft

Hat ein Kind Beinschmerzen, die immer öfter auftreten und an Intensität zunehmen, aber nach Meinung des Arztes weder auf das Wachsen noch auf eine Entzündung oder einen Tumor hindeuten, sollten Eltern ein Schmerztagebuch führen. "Tragen Sie darin ein, wann Ihr Nachwuchs jammert, wie sein Tagesablauf aussieht und wie stark die Schmerzen sind", erklärt Stiller. So kann man herausfinden, ob die Schmerzen im Zusammenhang mit einem Ereignis stehen, wie zum Beispiel Sport oder langem Sitzen vor dem Computer. Dauern Schmerzen länger als fünf Tage an, empfiehlt der Mediziner, den Arzt erneut aufzusuchen.

Schlafprobleme wegen Schmerzen: Zuwendung tröstet

Steht fest, dass das Kind tatsächlich wegen Wachstumsschmerzen nachts aufwacht, hilft ihm vor allem eines: gutes Zureden. "Die Zuwendung von Mama oder Papa tröstet die meisten Kinder schnell über die Schmerzen hinweg und lässt sie wieder einschlafen", sagt Stiller. Auch eine sanfte Massage der schmerzenden Stelle mit einer Körperlotion oder etwas Massageöl beruhigt die Kleinen oft. Manche Kinder empfinden Kälte durch ein Coldpack als angenehm, andere reagieren besser auf Wärme – am bes­ten ausprobieren, was dem Kind guttut. Wacht ein Kind immer wieder auf und lässt es sich nicht beruhigen, kann man ihm ausnahmsweise auch mal ein Schmerzmittel geben. "Hier eignen sich Ibuprofen und Paracetamol als Saft oder Zäpfchen in der altersgerechten Dosis", so der Kinderarzt.

In die Höhe! – So wachsen Kinder

Manchmal scheinen die Kleinen über Nacht einen Riesensprung zu machen, dann wachsen sie monatelang kaum einen Millimeter. Der Weg zu neuer Größe – beim Durchschnittskind sieht er so aus:

25 Zentimeter wächst ein Baby in den ersten zwölf Lebens­monaten. Danach wird es deutlich weniger.
4 Zentimeter Größe gewinnen ­Grundschüler pro Jahr hinzu.
13 Zentimeter legen ­Jungen jährlich in der Pubertät zu.
7 Zentimeter mehr erreichen Mädchen pro Pubertätsjahr.


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