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Coronavirus: Wie pflege ich strapazierte Kinderhände?

Klar stand Händewaschen auch schon vor Corona auf der Tagesordnung. Doch nun ist es wichtiger denn je. Allerdings strapaziert die notwendige Hygiene zarte Kinderhaut. Welche Pflege jetzt hilft

von Stephanie Arndt, 20.04.2020

Sorgfältiges Händewaschen mit Wasser und Seife beugt Infektionen wirkungsvoll vor. Das war die gute Nachricht. "Leider belastet zu häufiger Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln aber auch die Kinderhaut", sagt Dr. Barbara Kunz, Hautärztin und Leiterin der Kindersprechstunde einer großen dermatologischen Gemeinschaftspraxis in Hamburg. Sie behandelt mittlerweile viele kleine Patienten mit strapazierten Händchen.

Übertriebene Hygiene schadet

Kinderhaut ist viel sensibler als die von Erwachsenen: "Hornschicht und Unterhaut sind noch deutlich dünner, die Hautschichten weniger stark verzahnt als in späteren Jahren", erklärt die Dermatologin. Das mache die Haut durchlässiger und damit anfälliger für trockene, rissige Stellen. Ihr Rat: "Lassen Sie die Kinder im Alltag nur zu den üblichen Anlässen die Hände waschen. Also vor dem Essen, nach dem Toilettengang oder nach dem Streicheln von Tieren, nach einem Aufenthalt außerhalb der Wohnung und wenn das Kind in die Hand geniest oder gehustet hat. Darüber hinaus brauchen und sollten Kinder nicht ständig Hände waschen. Das wird zu viel für die Haut." Die Expertin empfiehlt außerdem lauwarmes Wasser: "Je höher die Temperatur, desto mehr Fett löst sich aus der Haut. Achten Sie auf milde pH-neutrale Waschmittel ohne unerwünschte Inhaltsstoffe wie etwa Farb- oder Duftstoffe."

Desinfektion sollte die Ausnahme sein

Für Säuglinge eignen sich am besten spezielle Baby-Waschgels, für Kleinkinder Waschöle und -gels oder Syndets – "im Idealfall mit rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Bestandteilen wie Glycerin und Panthenol." Flüssige Seifen aus dem Spender seien hygienischer als Seifenstücke, da sie eben nicht von Hand zu Hand wandern.

Desinfektionsmittel im Familienalltag ist unnötig. "Die sind nur in bestimmten Situationen sinnvoll, etwa nach einem Arzt- oder Krankenhausbesuch, oder auch für unterwegs, wenn man keine Möglichkeit zum Händewaschen hat. Und dann am besten in der farb- und duftstofffreien Variante", sagt Kunz. Im Alltag ersetzen Desinfektionsmittel keinesfalls die Handhygiene mit Wasser und Seife.

Wenn die Haut S.O.S. funkt

Leidet die Haut des Nachwuchses trotz aller Vorsicht, ist Cremen angesagt. "Trockene, schuppige, gerötete Haut braucht Unterstützung, zum Beispiel mit einer gut verträglichen Mandelöl-Salbe oder einer reichhaltigen Pflegecreme", sagt die Dermatologin. Die kann auch ruhig dick aufgetragen werden und mit übergezogenen Baumwoll-Handschuhen über Nacht einwirken. Und wie sieht es mit dem bewährten Harnstoff (Urea) aus, der gerne bei strapazierter Haut verwendet wird? Kunz: "Urea ist tatsächlich ein guter Feuchthaltefaktor. Er kann jedoch auf der Haut brennen, deswegen würde ich ihn nicht bei Kindern benutzen."

Weniger ist mehr

Doch manchmal reicht selbst dieses Pflege-Programm nicht, etwa wenn sich Risse bilden. "Diese Stellen behandeln Eltern am besten mit einer Wund- und Heilcreme. Die Stellen können auch mit einem Pflaster abgeklebt werden, so dringen Krankheitserreger nicht so schnell in die Haut ein", rät Kunz.  Schrundensalben oder Cremes mit Pflanzenextrakten oder ätherischen Ölen hält sie für überflüssig. Es gilt der Grundsatz: weniger ist mehr. Im Zweifel lieber einen Hautarzt konsultieren, um dem Kind eine antientzündliche Salbe verschreiben zu lassen. Die Dermatologin beruhigt: "Haben Sie keine Angst vor kortisonhaltigen Produkten. Bei kindgerechter Auswahl von Wirkstoff und Dosierung und kurzfristiger Anwendung sind sie harmlos, aber effektiv."

Haut in Not

Bei Kindern mit Neurodermitis rät die Dermatologin grundsätzlich zu Syndets oder Waschölen. "Normale Seife würde die Haut zusätzlich austrocken. Das wäre sehr schlecht, da die Kinder bereits unter einer verminderten Fähigkeit leiden, Hautfette zu bilden", so Kunz. Für diese Kinder ist deshalb regelmäßiges Eincremen nach dem Händewaschen besonders wichtig.


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