Bindehautentzündung: Wann zum Arzt?

Gerötete und gereizte Augen haben Kinder sehr häufig. Experten warnen davor, mit Hausmitteln zu experimentieren

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 06.06.2016
Mädchen reibt sich die entzündeten Augen

Eine Bindehautentzündung ist für Kinder oft sehr unangenehm


Plötzlich geschwollene und gerötete Augen: Da kommt Eltern oft schon der Verdacht, dass sich ihr Kind eine Bindehautentzündung eingefangen hat. "Es ist wichtig, die Ursachen einer Augen­reizung immer ärztlich abklären zu lassen", sagt Privatdozent Dr. Marc Lüchtenberg, Chefarzt der Klinik für Kinderaugenheilkunde, Schielbehandlung und plastisch-rekonstruktive Lid­­chirurgie im Frankfurter Bürgerhospital. "Nicht jede Rötung weist auf ­eine Infek­tion hin. Auch eine aller­gische Reak­tion oder ein paar Sandkörner vom Spielplatz, die unter dem Lid festkleben, könnten der Grund sein. Das ist für Eltern häufig kaum zu unter­scheiden."

Woran erkennt man eine Bindehautentzündung?

Bindehaut und Tränenfilm bedecken den Augapfel und bilden in gesundem Zustand einen zuverlässigen Schutz vor Keimen. Die Bindehaut ist von vielen feinen Blutgefäßen durchzogen. Bei ­einer Entzündung treten diese sichtbar hervor und färben das Auge rot. "Die deutliche Rötung wird den ­Eltern sicher als Erstes auffallen, dazu ein verstärk­ter Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit, eine Schwellung von Bindehaut und Lidern", beschreibt Marc Lüchtenberg die typischen Symp­tome. "Kommt es auch zu vermehrter Sekretbildung von glasiger oder weißlicher bis hin zu grün-gelblicher Färbung, steckt meist ­­eine Infektion dahinter."

Priv.-Doz. Dr. med. Dr. med. habil. Marc Lüchtenberg

Konjunktivitis: Vorsicht, ansteckend!

Bei einer entzündeten Bindehaut, auch Konjunktivitis genannt, sind häufig Bakterien die Auslöser. Die Kleinen fassen sich oft mit schmutzigen Händen in ihr Gesicht und reiben sich so Erreger in die Augen. "Oft treten Bindehautentzündungen bei Kindern auch im Zusammenhang mit einer Erkältung auf", sagt Apothekerin Ute Vock aus Worms. Dann stecken häufig Viren dahinter.

Bakteriell oder viral bedingte Entzündungen bergen ein ­hohes Ansteckungsrisiko für Familien­mitglieder und andere ­Kinder, mit denen die kleinen Patienten in Kontakt kommen. Daher sollte man nicht mit Hausmitteln und rezeptfreien Medikamenten auf ­eigene Faust herumdoktern. Nur der Gang zum Arzt bringt Klarheit über die Krankheitsursache. Er wird mögliche Auslöser abfragen: Gab es kürzlich eine Verletzung am ­Auge, ist ein Fremdkörper sichtbar oder spürbar? Sind Allergien bekannt? Dann untersucht er Auge und Lid und macht eventuell einen Abstrich mit einem Watte­träger, um die Erreger zu bestimmen.

Ute Vock

Welches Medikament bei Augeninfektion?

"Werden Bakterien als Auslöser festgestellt, kommen antibiotische Augen­­tropfen zum Einsatz", erklärt der Mediziner. "Diese schlagen normalerweise innerhalb ­weniger ­Tage an." Wie bei jeder anti­biotischen Behandlung darf man das Mittel nicht zu früh absetzen. Zum einen, weil oft noch einzelne Bakterien überleben und dann ein Rückfall droht, zum anderen, weil sich resis­tente Bakterienstämme bilden können. "Wenn vom Arzt nicht anders verordnet, ist es üblich, die Antibio­tika-Therapie nach Abklingen der Symptome noch zwei, drei Tage fortzusetzen", sagt Ute Vock.

Eine viral bedingte Bindehautentzündung verläuft oft langwieriger und ist schwieriger zu behandeln. "Hier geht es darum, die Symptome zu lindern, vor allem durch häufiges Nachbenetzen mit Tränenersatzmitteln", sagt Lüchtenberg. Auch Augentropfen mit dem Extrakt der Heilpflanze Augen­­trost können die Beschwerden mildern. "Von Experimenten mit Kamillen­tee oder ähnlichen Haus­mitteln rate ich ab, da besteht unter anderem die Gefahr einer allergischen Reak­tion", warnt die Apothekerin. "Außerdem ist das hygienisch bedenklich, weil Brösel ins ­Auge geraten könnten."

Schwere Virusinfektionen, ­etwa ausgelöst durch Herpesviren, kommen bei Kindern zum Glück sehr selten vor. Auch Pilzinfektionen am Auge machen nur einen geringen Teil der Erkrankungen aus. Bei sämtlichen ansteckenden Formen der Konjunktivitis ist besondere Hygiene gefragt. Das heißt: häufig die Hände gründlich waschen oder desinfizieren, Waschlappen und Handtücher für das Gesicht nicht gemeinsam benutzen und nach einmaligem Gebrauch austauschen.

Kind sollte bei Bindehautentzündung zu Hause bleiben

Kinder mit ­einer ansteckenden Konjunktivitis sollten zu Hause bleiben. Zwei bis drei Tage reichen bei einer antibiotischen Behand­­lung normalerweise aus. Wenn das Auge allerdings noch stark verklebt und ge­rö­tet ist, kann auch mal eine Woche Auszeit nötig werden. Das sollten Sie in Ab­sprache mit dem behandelnden Arzt des ­Kindes entscheiden.

Gerötete Augen: Nicht-infektiöse Ursachen

Gerade in der ­Heuschnupfenzeit können Pollenallergien rote und tränende Augen verursachen. Dann entscheidet der Arzt, welche antiallergischen Medikamente Abhilfe schaffen. Auch trockene Luft oder Zugluft kommen als Reizfaktoren infrage. Tränt ein Auge ständig oder ist nur eines gerötet, weist dies manchmal auf einen Fremdkörper hin, der sich auf der Hornhaut festgesetzt hat. Er muss ärztlich entfernt werden. "Ich ­frage bei den Eltern stets nach, ob sich die Kleinen vielleicht beim Spielen ­etwas ins Auge gepikst ­haben", sagt Ute Vock. Denn eine winzige oberflächliche Verletzung kann ähnliche Symptome wie eine Konjunktivitis auslösen.

Zeigen sich Kinder anfällig für wiederkehrende Augenentzün­dun­gen, gibt es teilweise anatomische Gründe dafür. Dahinter kann zum Beispiel ein zu enger Tränenkanal stecken, der leicht verstopft, oder eine Fehlstellung von Wimpern, die nach innen wachsen. Dann sollte man mit dem Augenarzt besprechen, welche Maßnahmen vorbeugend helfen können.


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