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Bauchtrauma: Vorsicht, innere Verletzungen!

Purzeln Kinder über den Fahrradlenker, können sie sich die Bauchorgane schwer verletzen. Wann Eltern hellhörig werden sollten

von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 27.07.2018
Kind fährt Fahrrad

Schnell passiert: Ein Sturz über den Lenker kann innere Verletzungen verursachen


Zum Bremsen ist er eigentlich nicht gedacht – doch erstaunlich häufig fallen Kinder im ­Laufe ihres Heranwachsens dennoch auf den Bauch. Dazu reicht es, mit dem Fahrrad zu schnell bergab zu brettern und über den Lenker zu purzeln, vom Baum, Klettergerüst oder Wickeltisch zu stürzen. Auch eine scharfe Bremsung im Auto, bei der sich der Gurt in den Bauch schneidet, oder ein Tritt vom Fußballgegner in den Bauch tut dem Körper-Innenleben nicht gut.

Gefährliche innere Blutungen

Solche Unfälle verursachen in bis zu 15 Prozent der Fälle Verletzungen der Bauchorgane, so die Deutsche Gesellschaft für Kinder­chirurgie. Ärzte sprechen dabei von "stumpfem Bauchtrauma". Das heißt: Die Bauchdecke ist intakt, aber darunterliegende ­Organe sind betroffen. Das Problem dabei: Es kann zu schweren inneren Blutungen kommen. Die können bei Kindern besonders dramatisch verlaufen, "weil sie im Vergleich zu Erwachsenen weniger Blutvolumen haben", so Dr. med. Tobias Schuster, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kinder­chirurgie.

Eigentlich liegen die inneren Organe des Menschen gut geschützt unter der muskulären ­Bauchdecke und teils unter dem Brustkorb. Doch bei Kindern ist diese­ ­Hülle noch nicht so stabil wie bei Erwachsenen. Zudem sind ­ihre Organe im Verhältnis zu ausgewachsenen Menschen größer. Bei einer unsanften Bauchlandung können deshalb in seltenen Fällen ­etwa Milz und Leber verletzt werden, manchmal auch der Darm. Und das kann zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen.

Diagnose stumpfes Bauchtrauma

Ob das Kind ernste Verletzungen erlitten hat, lässt sich von ­außen meist nicht sehen. Die häufigen ers­ten Begleiterscheinungen fallen zunächst nicht besonders auf: Bauchschmerzen oder Übelkeit. Schuster rät dennoch dazu, jeden Sturz auf den Bauch abklären zu lassen oder zumindest das Kind gut zu beobachten. "Eltern haben eigentlich ein gutes Gefühl dafür, wie es ihrem Kind geht", sagt Schuster, der als Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg arbeitet. Schwillt der Bauch an, zeigen sich blaue Flecken, wird das Kind blass oder hat es Schmerzen, können dies Anzeichen für eine Verletzung der inneren Organe sein. Solche Symptome treten meist schnell nach dem Bauchplatscher auf.

Weitere typische Hinweise für ein mögliches stumpfes Bauchtrauma: wenn sich etwa der Griff des Fahrradlenkers wie ein Fleck auf dem Bauch abzeichnet oder der Auto-Sicherheitsgurt nach einer scharfen Bremsung einen Abdruck hinterlassen hat. Zunächst befragt der Arzt die ­Eltern und das Kind, tastet den Bauch ab, prüft, ob er sich verhärtet hat. Mittels Ultraschall untersuchen die Ärzte, ob sich freie Flüssigkeit im Bauch befindet oder ob man eine Organverletzung sieht. In fast 100 Prozent der ­Fälle lassen sich so Verletzungen entdecken. "Und erst dann lautet die ­Diagnose stumpfes Bauchtrauma", so Tobias Schus­­ter.

Vorsicht vor Milzverletzungen!

Das klingt erst mal dramatisch. "In vielen Fällen reicht es jedoch, das Kind ein paar Tage lang zu beobachten", ist die Erfahrung des Kinderchirurgen. Oft schwellen Blutergüsse an den Organen wieder ab oder kleinere innere Blutungen hören von selbst auf. Doch was, wenn nicht? Am häufigsten kommt es zu Verletzungen der Milz. ­Gerade für Kinder hat sie eine wichtige Funktion: Sie brauchen sie für die körpereigene Abwehr. "Kinderchirurgen bemühen sich deshalb, die verletzte Milz zu retten", sagt Schuster.

Fast immer gelingt das auch. Die Ärzte prüfen dann unter anderem per Ultraschall oder Computertomografie,­ ob sich der Zustand des Kindes bessert. Wenn nicht, können die Ärzte ­eventuell über einen Katheter Blutgefäße veröden, oder es muss operiert werden und die Milz repariert oder entfernt werden. Auch bei ­einer Verletzung der Leber oder der Bauchspeicheldrüse können Ärzte meist konservativ vorgehen.

Schade, dass man Kinder nicht in Watte packen kann! Stürze lassen sich nun mal nicht verhindern. ­Eltern können aber zumindest beim Fahrrad darauf achten, dass der Lenker einen großen Durchmesser hat und die Lenkergabel und die Griffe gut gepolstert sind. So verteilt sich der Druck besser, wenn das Kind beim Downhillen doch mal unsanft auf dem Bauch landet.


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