Anzeichen für Gebärmutter- und Eierstockkrebs

Hinter scheinbar harmlosen Beschwerden kann manchmal eine gynäkologische Krebserkrankung stecken. Bei diesen zehn Symptomen sollten sich Frauen lieber untersuchen lassen

von Julia Schulters, aktualisiert am 29.08.2016
Sprechstunde

Krebs wird oft spät erkannt. Im Zweifel sollten Frauen deshalb lieber zum Arzt


Er kommt oft unbemerkt, schmerzlos und ohne Vorwarnung: Krebs. Wer die ­Diagnose erhält, ahnt oft nicht, wie ­lange die Krankheit schon in seinem Körper wütet. "Und genau das ist das Heimtückische an gynäkologischen Tumorerkrankungen", sagt Dr. med. Jörg Schilling, Frauenarzt und Vorsitzender des Berufsverbandes der niedergelassenen gynäkologischen Onkologen aus Berlin. "Wenn es überhaupt Frühsymptome gibt, dann sind sie oft unspezifisch." Dabei sind die Heilungschancen besonders gut, wenn der Krebs früh erkannt und behandelt wird.

Die Erkrankungszahlen bei Gebärmutterhalskrebs sind seit der Einführung der jährlichen Früherkennungsuntersuchung deutlich zurückgegangen. 2012 erkrankten laut Robert Koch-Institut aber immer noch 4.640 Frauen. Im Bereich anderer gynäkologischer Tumor­erkrankungen sieht es schlechter aus: Die Diagnose Eier­stockkrebs bekamen im gleichen Jahr 7.380 Frauen, 10.930 erkrankten an Gebärmutterkörperkrebs.

Auf den Körper hören hilft bei Früherkennung

Vorbeugen können Frauen lediglich in begrenztem Umfang. Zum Beispiel soll eine HPV-Impfung in jungen Jahren einen gewissen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bieten. Ansonsten gilt: "Man kann Krebserkrankungen nur frühzeitig ­erkennen", so Jörg Schilling. Und das auch lediglich in gewissen Maßen. Denn der Abstrich bei der Krebsfrüherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt gibt beispielsweise nur Aufschluss über Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen. Andere gynäkologische Tumorerkrankungen werden nicht erkannt.

"Umso wichtiger ist es, dass Frauen auf ihren Körper hören und für jegliche Art von Veränderung sensibel sind", sagt Professor Dr. med. Jalid Sehouli, Direktor der ­Klinik für Gynäkologie an der ­Charité in Berlin und Leiter des Europäischen Kompetenzzentrums für ­Eierstockkrebs. "Wenn Frauen bemerken, dass sie sich anders fühlen als sonst, sollten sie sich unbedingt durchchecken lassen", so Sehouli. Experten des "MD Anderson Cancer Center" von der Universität Texas haben eine ­Liste mit zehn Symptomen herausge­geben, die Frauen hellhörig werden lassen sollten. Die meisten Beschwerden lassen nicht sofort an Krebs denken. "Oft steckt in der Tat nichts Schlimmes dahinter", sagt Jörg Schilling. "Trotzdem ist es besser, einmal zu oft zum Arzt zu gehen als einmal zu wenig." Auf welche zehn Symp­tome Sie achten sollten und was diese bedeuten können:

1. Geschwollene Beine

Bei einer Erkrankung wie Eier­stockkrebs kann es sein, dass das Lymphabfluss-System gestört ist. "Die Lymphe aus den Beinen wird nicht mehr ausreichend nach oben hin abtransportiert, weil ein Tumor oder ein vergrößerter Lymphknoten auf die Lymphbahnen drückt", erklärt Jalid Sehouli. Die Folge: Die Lymph­flüssigkeit sammelt sich in den Beinen. Schwellungen können aber auch andere Ursachen haben, etwa Übergewicht oder Herzprobleme. Grundsätzlich gilt: Geschwollene Beine sind eine Sache für den Arzt!

2. Zwischenblutungen

"Es können harmlose Zysten dahinterstecken. Zwischenblutungen können aber auch ein Hinweis auf Gebärmutterhalskrebs sein, vor allem, wenn sie nach dem Geschlechtsverkehr auftreten", sagt Schilling. Durch die mechanische Reizung beim Sex wird die Tumor­oberfläche verletzt und ­­blutet. Auch bei wieder eintretenden Blutungen in den Wechseljahren rät Sehouli Frauen dazu, zum Arzt zu gehen. "Dann sollte sicherheitshalber abgeklärt werden, ob kein ­Gebärmutterschleimhautkrebs die Blutungen verursacht", sagt er.

3. Gewichtsverlust

Meist stecken nur eine un­bewusste Ernährungsumstellung oder Stress hinter einem ungeplanten Gewichtsverlust. "Aber wenn eine Frau plötzlich dünner wird und nicht weiß, warum, sollte das untersucht werden", so Schilling. Denn im schlimmsten Fall kann auch ein bösartiges Leiden die Ursache sein. Krebserkrankungen gehören zu den "auszehrenden" oder "konsumierenden" Erkrankungen. "Der Tumor braucht Energie für sein Wachstum, er ernährt sich quasi auf Kosten des Körpers", erklärt Sehouli. Viele Krebspatien­ten verlieren daher an Gewicht.

4. Blutiger Ausfluss

"Blutiger Ausfluss kann auf Gebärmutterschleimhautkrebs oder Gebärmutterhalskrebs ­hindeuten, weil dabei die Schleimhaut blutet oder neu gebildete Blutgefäße des Tumors kaputtgehen", so Jörg Schilling. Ausfluss, der ungewöhnlich aussieht oder riecht, kann aber auch ein Zeichen für eine Infektion sein. In jedem Fall sollte der Arzt das abklären.

5. ­Häufiger Harndrang

Meist ist eine akute Blasenentzündung schuld oder eine schwache Beckenbodenmuskulatur. "Bei Eier­stock- oder Eileiterkrebs oder einem Tumor in der Gebärmutter sind die Symptome aber ähnlich", sagt Sehouli. Wenn der Tumor oder das durch ihn ­verursachte Bauchwasser auf die Harnblase drückt, entsteht Harndrang.

6. Appetitlosigkeit

"Krebserkrankungen verursachen unspezifische Befindlichkeitsstörungen", sagt Schilling. Beim Eierstockkrebs etwa kann es sein, dass die Darmpassage durch einen Tumor beeinträchtigt ist. "Da die Füllmenge des Darms kleiner ist, haben die Frauen weniger Hunger."

7. Bauchschmerzen

Auch wenn die Ursachen meist harmlos sind: Bauchschmerzen über einen langen Zeitraum sollte der Arzt untersuchen. Denn auch sie können im schlimmsten Fall auf Eierstockkrebs hinweisen. "Wenn ein Tumor auf das umliegende Gewebe drückt, verursacht das Schmerzen", sagt Sehouli.

8. Aufgeblähter Bauch

Ein aufgeblähter, dicker Bauch deutet manchmal auf Passageprobleme im Darm hin. In seltenen Fällen können diese auch durch ­einen Tumor, etwa der Eierstöcke, verursacht werden. "Wenn Krebs auf das Bauchfell übergeht, entsteht außerdem Bauchwasser, das den Bauch dicker macht", so Sehouli.

9. Ständige Müdigkeit

Viele Frauen mit einer gynäkolo­gischen Krebserkrankung sind chronisch erschöpft und ­müde. Zum einen, weil sie durch Beschwerden wie Zwischen- und Schmierblutungen Blut verlieren, zum anderen, weil Tumore die roten Blutzellen verbrauchen und deren Neubildung hemmen. "Die Patientinnen leiden unter Blutarmut, einer Anämie", sagt Sehouli. Erschöpfungszustände sollten daher immer Anlass für eine körperliche Untersuchung sein.

10. Übelkeit

Übelkeit über einen längeren Zeitraum ist nicht nur unangenehm, sie kann auch auf ein bösartiges Leiden hinweisen. "Ein Tumor kann auf den Darm drücken und dessen Beweglichkeit stark einschränken", sagt Sehouli. Das verursacht Übelkeit und Unbehagen in der Magengegend.


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