Epilepsie: Schwangerschaft trotzdem möglich

Frauen mit Epilepsie können heutzutage mit ausreichender Vorbereitung und Planung eine normale Schwangerschaft haben

von Julia Lüneburg, 03.05.2012

Auch wenn Mama Epilepsie hat, wächst ein Kind meist gesund heran


Viele junge Frauen haben unbegründete Ängste vor einer Schwangerschaft, weil sie zum Beispiel das Fehlbildungsrisiko falsch einschätzen. Eine Epilepsie ist im Allgemeinen kein Grund, sich gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden. Frauen mit Kinderwunsch und einer Epilepsie müssen jedoch einiges beachten und die Schwangerschaft nicht sofort wollen. Denn auch, wenn das Risiko gering ist, müssen Punkte wie Medikation, Stärke der Krankheit und die Kindesgesundheit durchdacht werden.

Gründliche Vorbereitung auf die Schwangerschaft ist unerlässlich

"Eine Frau mit Epilepsie sollte sich ein bis zwei Jahre vor einer geplanten Schwangerschaft gründlich informieren", rät Professorin Bettina Schmitz, Chefärztin der Klinik für Neurologie mit der Stroke Unit und Zentrum für Epilepsie am Vivantes Humboldt-Klinikum in Berlin. Dafür muss sie sowohl mit ihrem Neurologen, als auch mit ihrem Gynäkologen sprechen. Beide Ärzte stehen ebenfalls in Kontakt, um eine mögliche Schwangerschaft so gut wie möglich zu betreuen.

Da Epilepsie nur selten eine Erbkrankheit ist, entwickeln die wenigsten Kinder mit einem epilepsiekranken Elternteil die Krankheit. Da jedoch immer noch viele Menschen die Erblichkeit einer Epilepsie überschätzen, rät Bettina Schmitz Paaren mit Kinderwunsch zu einer genetischen Beratung. Wenn sich etwas vererbt, dann ist es meist nicht die Krankheit, sondern nur eine Bereitschaft des Körpers, in bestimmten Situationen zu krampfen.

Monotherapie ist das Stichwort

Viele Frauen schrecken vor einer möglichen Fehlbildung ihres Kindes zurück. "Das Risiko einer Gaumenspalte oder von Herzfehlern ist zwar höher als bei einer gesunden Frau, bleibt aber durch eine optimierte Medikamentengabe gering", erklärt Bettina Schmitz. Das Thema Medikamente spielt bereits lange vor der Schwangerschaft eine wichtige Rolle.

"Mehrere Medikamente gleichzeitig sollte eine Frau mit Kinderwunsch nicht nehmen", warnt Bettina Schmitz". Schon vor der Schwangerschaft stellt der Arzt die Frau deshalb auf eine sogenannte Monotherapie ein. Außerdem ist es besonders während der Schwangerschaft wichtig, dass sich mit Hilfe sogenannter retardierender Präparate immer die gleiche Menge Wirkstoff im Blut befindet. Übrigens beeinträchtigen manche Antiepileptika auch die Wirkung von hormonellen Verhütungsmitteln. Deshalb sollten junge Frauen mit Epilepsie, vor allem, wenn sie sich keine Kinder wünschen, andere Verhütungsmittel nutzen und ihren Frauenarzt über die Krankheit informieren.

Besonderes Augenmerk muss eine Frau mit Epilepsie auf eine ausreichende Einnahme von Folsäure legen. Dieses Vitamin kommt zwar in vielen Lebensmitteln vor, doch gerade bei der Einnahme von Antiepileptika kommt es oft zu einem Defizit. Ein Folsäuremangel steigert das Risiko von Fehlbildungen beim Kind, weshalb junge Frauen mit ihrem Arzt besprechen sollten, wieviel zusätzliche Folsäure nötig ist.

Während der Schwangerschaft

Eine Epilepsie verschlechtert sich nicht durch eine Schwangerschaft. "Nur, wenn Frauen plötzlich ihre Medikamente absetzen, weil sie zum Beispiel einen falschen Rat bekommen haben, kann es zu gefährlichen Anfällen kommen", warnt Bettina Schmitz. Auch deshalb ist eine gründliche Vorbereitung sehr wichtig. Während der Schwangerschaft überwacht der Arzt auch die Medikamentendosis genau. Denn manche Präparate werden in dieser Zeit verstärkt ausgeschieden. Eine höhere Dosis ist dann notwendig.

Doch auch ohne Medikamente lässt sich einiges tun, um Anfälle zu vermeiden. "Die Frau sollte sich selbst genau beobachten und protokollieren, in welchen Situationen sie einen Anfall bekommt", rät Bettina Schmitz. Diesen Situationen kann sie dann, wenn möglich, aus dem Wege gehen. Manche Menschen merken es vorher, wenn sie einen Anfall bekommen. Dann hilft es, sich Gegenmaßnahmen anzugewöhnen. So hilft es manchen, sich einen Arm zu massieren oder sich stark auf etwas zu konzentrieren.

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