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Wochenbett: Die ersten Tage nach der Geburt

Hitzewallungen, Schmerzen, Heultage – was passiert eigentlich alles im Wochenbett? Die ganze Wahrheit und was jeweils hilft

von Barbara Weichs und Daniela Frank, aktualisiert am 11.02.2019
Mutter mit Baby

Die beste Strategie gegen Baby-Blues: Kuscheln


Das Baby ist da, man selbst von Glückshormonen durchflutet. Es dauert ein wenig, bis man erfasst, welche Anstrengung der eigene Körper gerade vollbracht hat. Doch nach und nach werden die Zipperlein spürbar, die das Wochenbett mit sich bringt, über die aber kaum jemand spricht.

"Viele Frauen setzen sich in dieser Zeit zu stark unter Druck. Sie wollen gleich perfekt funktionieren, der Körper soll möglichst schnell wieder so sein wie vor der Schwangerschaft", sagt Ursula Jahn-Zöhrens, Hebamme aus Bad Wildbad. Dabei sollten Frauen im Wochenbett – also etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt – ihrem Körper Zeit geben, sich zu erholen, und sich ganz auf das Neugeborene einlassen. "Am besten keine festen Termine einplanen und auch tagsüber mal ein Schläfchen machen", rät Jahn-Zöhrens. Alles, was Mütter sonst noch über das Wochenbett wissen sollten, lesen Sie hier:

Wochenfluss: Vorlagen häufig wechseln

Wenn sich nach der Geburt die Plazenta in der Gebärmutter ablöst, entsteht an der Gebärmutterschleimhaut eine großflächige Wunde. Bis diese vollständig abheilt, fließt der Wochenfluss (Lochien). In den ersten Tagen nach der Geburt ist die Blutung meist sehr stark und enthält manchmal Klümpchen, danach wird sie zunehmend heller. Nach etwa sechs Wochen versiegt der Wochenfluss.

Ursula Jahn

Hygiene ist jetzt besonders wichtig. Frauen sollten die Dusche aber dem Vollbad vorziehen. "Die ersten paar Wochen besser nur mit Wasser reinigen", sagt Jahn-Zöhrens. Zum Auffangen des Wochenflusses eignen sich spezielle Vorlagen aus der Apotheke – am besten schon vor der Geburt eine Packung besorgen. Die Vorlagen häufig wechseln, denn sie können der Nährboden für Keime sein.

Mögliche Komplikation: ein Wochenflussstau. "Dabei bildet sich die Gebärmutter nicht so zurück, wie sie sollte", erklärt Dr. med. Klaus König, Gynäkologe aus Steinbach im Taunus. Betroffene Frauen klagen dann über Bauch- oder Rückenschmerzen, der Wochenfluss versiegt nahezu und verändert seinen Geruch. Massagen oder Sitzbäder lösen den Stau meist wieder auf. Das Gefährliche: Ein unerkannter Wochenflussstau kann zu einer Infektion in der Gebärmutter und letztlich zu Kindbettfieber führen. "Die Hebamme fragt regelmäßig nach dem Wochenfluss und tastet den Bauch ab um zu sehen, ob sich die Gebärmutter ausreichend zurückbildet", sagt Jahn-Zöhrens. So erkennt sie in der Regel frühzeitig, wenn ein Stau droht.

Rückbildung: Manchmal mit schmerzhaften Nachwehen verbunden

Nach der Geburt zieht sich die Gebärmutter immer wieder zusammen. Frauen, die das erste Kind bekommen haben, bemerken das in der Regel kaum. "Mit jedem weiteren Kind werden diese Nachwehen aber deutlich spürbarer und schmerzhafter", erklärt König. Vor allem wenn Frauen das Baby zum Stillen anlegen, spüren manche heftige Schmerzen. Einige Tage nach der Entbindung klingen die Nachwehen ab.

Dr. med. Klaus König

Bei Müttern, die stillen, bildet sich die Gebärmutter meist ohne Probleme zurück. Gibt es doch Schwierigkeiten, raten Hebammen, sich immer wieder auf den Bauch zu legen. Der Druck regt die Gebärmutter zur Rückbildung an.

Geburtsverletzungen: Seltener schmerzhaft

Risse in der Scheide, am Muttermund oder am Damm – viele Gebärende ziehen sich bei einer Entbindung Verletzungen zu. Immer seltener sind diese aber mit Schmerzen verbunden. "Die Nahttechnik hat sich so verändert, dass keine so großen Spannungen mehr auf dem Damm lasten", sagt König.

Frauen empfinden vor allem beim Sitzen Schmerzen. Kälte kann hier schmerzlindernd wirken. Tipp: einen mit Wasser gefüllten, kühlschrankkalten Latexfingerling mit einem Tupfer umwickeln und auf die verletzte Stelle legen. "Je nach Verletzung können auch Salben, Lüften oder Sitzbäder helfen", erklärt Jahn-Zöhrens. Letztere gebe es mit Salzwasser oder Kamille. "Die Hebamme berät dazu, was sich eignet und gleichzeitig Infektionen vermeidet."

Wer Schmerzen beim Wasserlassen hat, stellt sich am besten einen Messbecher mit kaltem Kamillentee oder einer Arnikalösung bereit und lässt die Flüssigkeit während des Toilettengangs über Scheide und Damm fließen.

Beckenboden: Anfangs nicht schwer heben

Übernehmen sich Mütter in den ersten Tagen nach der Entbindung, merken sie das meist sehr schnell: Sie spüren ihren Beckenboden. Deshalb sollten sie viel Zeit im Bett oder auf der Couch verbringen, um die geschwächte Muskulatur zu entlasten. Außerdem: "Nichts Schweres heben", sagt Jahn-Zöhrens. "Generell liegt die Grenze bei fünf bis sechs Kilo – aber natürlich kommt das auf die Art der Geburt an." Nach einem Kaiserschnitt sollten Frauen das besonders streng einhalten. Für andere gilt, falls es sich nicht vermeiden lässt, schwer zu heben: den Beckenboden dabei anspannen und den Bauch anziehen.

Zwischen zwei und vier Wochen nach der Geburt können Wöchnerinnen im Liegen mit leichten Übungen beginnen, die den Beckenboden stärken. Was sich eignet, erklärt die Hebamme. Ein Beispiel: das Steißbein nach oben ziehen und wieder lockerlassen. "Frühestens vier bis sechs Wochen nach der Geburt kann die Frau dann zum Rückbildungskurs", sagt Jahn-Zöhrens.

Hämorriden: Salben helfen meist

Viele Frauen entwickeln während der Schwangerschaft Hämorriden, ohne dass sie diese bemerken. Durch das Pressen bei der Geburt treten sie meist in Erscheinung und bereiten dann Probleme. "Jetzt helfen Salben mit gerbenden Bestandteilen, die auf die Schleimhaut aufgetragen werden", sagt Apothekerin Dr. Ilsabe Behrens aus Hamburg. Die Schmerzen gehen dadurch zurück, das Gewebe zieht sich zusammen. Auch Mütter, die stillen, können diese Salben verwenden. Halten die Beschwerden an und bilden sich die Hämorriden nach sechs bis acht Wochen nicht zurück, sollten Frauen ihren Gynäkologen aufsuchen.

Verstopfung: Oft Nachwirkung des Klinikaufenthalts

Die Angst vor Schmerzen, aber auch die fremde Umgebung in der Klinik bewirken bei Wöchnerinnen häufig, dass sie nicht auf die Toilette gehen können. "Manche Frauen haben bei der Geburt auch so viel Stuhlgang, dass es danach ein paar Tage dauert", sagt Jahn-Zöhrens. Betroffene sollten sich ballaststoffreich ernähren, ausreichend Obst und Gemüse zu sich nehmen und viel trinken. "Angst davor, dass ihre Naht nicht hält, brauchen Frauen aber nicht haben", beruhigt Jahn-Zöhrens. "Nur in den sehr seltenen Fällen, in denen der Schließmuskel betroffen ist, kann es da Probleme geben." Betroffene Frauen bekämen ein entsprechendes Abführmittel.

Hält die Verstopfung mehr als fünf Tage lang an, empfiehlt sich ein Klistier, um die Darmentleerung in Gang zu bringen. "Klistiere sind nebenwirkungsfrei und beeinträchtigen daher auch das Stillen nicht", erklärt Behrens. Lassen Sie sich zu geeigneten Produkten in der Apotheke beraten. Sanfte Abführmittel mit Lactulose oder Macrogol (bitte mit dem Frauenarzt besprechen) eignen sich ebenfalls.

Wassereinlagerungen: Oft erst nach mehreren Wochen weg

Wer in den letzten Schwangerschaftswochen Wasser in den Beinen eingelagert hat, verliert es nicht gleich mit der Geburt. Oft kommt sogar um den zweiten, dritten Tag nach der Entbindung neues hinzu. "Das Wasser geht aber dann in der Regel von selbst weg, das ist ein körpereigener Vorgang", sagt Jahn-Zöhrens. Zwei Wochen dauert es meist, bis die Wassereinlagerungen zurückgehen, oft sind sie erst nach fünf Wochen völlig verschwunden. Auf entwässernde Maßnahmen verzichten Betroffene besser, da sonst für den Körper wichtige Stoffe ausgeschwemmt werden können, etwa Elektrolyte. "Hat die Frau nach fünf oder sechs Wochen immer noch Probleme, kann sie Arzt oder Hebamme um Rat fragen", sagt Jahn-Zöhrens.

Haarausfall: Nach der Geburt normal

Büschelweise verlieren frischgebackene Mütter ihre Haare schon in den ersten Wochen nach der Entbindung. "Auch wenn die Frauen das Gefühl haben, sie kriegen bald eine Glatze, können wir sie beruhigen", sagt König. Die neuen Haare sitzen bereits in den Startlöchern, sie sind nur noch nicht an die Oberfläche gekommen.

Schuld am Haarausfall sind mal wieder die Hormone. "In der Schwangerschaft produziert der Körper verstärkt Östrogene, mit der Geburt geht die Produktion auf Normalmaß zurück. Der Körper empfindet dies jedoch wie einen Entzug", erklärt der Frauenarzt. Stoppen ließe sich der Haarausfall, wenn dem Körper Östrogene zugeführt würden. Da diese aber abstillend wirken, ist das für viele Mütter keine Lösung. Da bleibt nur: abwarten, bis die alte Pracht wieder sprießt.

Schwitzattacken: Wäsche öfter wechseln

Und noch eine Folge hat die Hormonumstellung: Frisch entbundene Frauen schwitzen sehr stark. "Ähnlich wie später in den Wechseljahren", sagt Jahn-Zöhrens. Letztlich können Frauen nichts dagegen tun. Sinnvoll ist, die Wäsche öfter zu wechseln, gerade wenn man nachts durchgeschwitzt ist. Das beugt einer Erkältung vor.

Baby-Blues: Stimmungstief einige Tag lang normal

Zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt ist vielen Müttern auf einmal nur noch zum Heulen zumute. "Sie weinen dann oft grundlos", sagt Hebamme Jahn-Zöhrens. Schuld sei die hormonelle Umstellung und überschießende Emotionen.

In der Regel hält die Phase, in der frischgebackene Mütter dicht am Wasser gebaut sind, nur wenige Tage an. "Dauert sie länger oder treten die Heultage erst später auf, kann eine Wochenbettdepression die Ursache sein", erklärt König. Betroffene brauchen dann professionelle Hilfe, zum Beispiel von einem Psychotherapeuten.


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