Wie gefährlich ist ein Nabelbruch?

Beule an Babys Bauch: Häufig steckt ein Nabelbruch dahinter. Er ist meist harmlos. Was Eltern wissen sollten

von Tina Haase, aktualisiert am 30.03.2017
Baby in Windeln

Problembereich Nabel? Viele Nabelbrüche heilen von selbst


Der Rest der Nabelschnur ist abgefallen. Doch was ist das? Ein kleiner Huckel wölbt sich aus dem Nabel des Babys. Entdecken Eltern eine solche Ausstülpung, kann das Kind einen Nabelbruch, auch Nabelhernie genannt, haben.

Wie kommt es zu einem Nabelbruch?

Vor der Geburt haben Babys ­eine kleine Lücke in der Bauchwand. Durch diese führt die Nabelschnur, die Mutter und Kind ver­bindet. Meist verschließt sich die ­Öffnung spontan, wenn das Baby auf der Welt ist und der Nabelrest ­­abfällt. "Aber bei zehn bis 20 Prozent der Kinder, bei Frühchen häufiger, wächst der ­Nabelring nicht vollständig zu. Darmschlingen können sich durch die ­Lücke nach ­außen drücken", sagt Dr. ­Claudia Menzel, die die Kinderchirurgische Ambulanz im Dr. von Hauner­schen Kinderspital München leitet. Ein Nabel­bruch wird meist sichtbar, wenn das Kind presst oder schreit. Die Wöl­bung kann die Größe einer Kirsche, aber auch einer Aprikose haben.

 Nabelbruch beim Kleinkind

Wie wird die Beule behandelt?

"In der Regel kann man einfach abwarten", sagt Professor Bernd Tillig, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, aus Berlin. "Bei ungefähr 90 ­Prozent der Kinder verschwindet die Hernie im ersten Lebensjahr von ­alleine." Ist der Bruch jedoch sehr groß, wird im ersten Jahr nicht kleiner und der Nabel tritt ständig aus, steht eine OP an.

Dr. med. Claudia Menzel

Tillig emp­­fiehlt sie auch, wenn Kindern kleine Nabel­brüche beim Spielen und Toben Schmerzen bereiten, weil sich Gewebe aus dem Bauch in der Lücke einklemmt. Unproblematische Brüche, rät er, bis zur Einschulung zu operieren, damit das Kind bei zunehmender Aktivität keine Beschwerden bekommt.

Kann ein Nabelbruch gefährlich sein?

Lässt sich der Inhalt des Bruchsacks nicht mehr zurückschieben und hat das Kind heftige, meist krampf­artige Schmerzen, ­eventuell mit Übelkeit und Erbrechen, gehört es sofort zum Arzt. "Dann ­können Darmschlingen in der Bruch­lücke eingeklemmt sein, die möglichst schnell operativ befreit werden müs­sen", so Tillig. "Solche ­Fälle sind ­jedoch extrem selten", be­ruhigt er.

Prof. Dr. med. Bernd Tillig

Wie verläuft eine geplante Operation?

"Kinder, die älter sind als ein halbes Jahr, operieren wir meist ambulant", sagt Tillig. Bei dem Eingriff ­unter Vollnarkose macht der ­Chirurg ­einen bogenförmigen Hautschnitt im Nabel. Er drückt den Darm in die Bauchhöhle und verschließt die Lücke. Darüber näht er die Bauch­muskeln zusammen und verschließt den Schnitt im Nabel. Dann verbindet er die Wunde mit einem Pflas­ter. Die OP dauert meist nicht länger als ­eine halbe Stunde. Die Fäden müssen nicht gezogen werden. Sie lösen sich auf. Der Eingriff ist risikoarm. In seltenen Fällen können etwa Wundinfektionen auftreten wie bei anderen Eingriffen auch.

Wie sieht die Nachsorge aus?

Damit das Kind nach der OP ­keine Schmerzen spürt, bekommt es in Absprache mit dem Arzt Schmerzmittel. Nach dem Eingriff finden mehrere Kontrollen beim Kinder­chirurgen oder -­arzt statt. "Der Arzt wechselt das Pflas­ter und prüft die ­Wunde", sagt ­Menzel. In der ­Regel verheilt die ­Stelle inner­­halb ­einer ­Woche. In ­dieser Zeit darf das Kind nicht baden oder schwimmen. Duschen ist nach drei Tagen erlaubt, wenn die Wunde gut verheilt.

Wann kann das Kind wieder in den Kindergarten?

In den Tagen nach der OP sollte es nicht so wild toben und zu ­Hause bleiben. "Geht es dem Kind gut, kann es aber schon nach drei oder vier Tagen zurück in den Kindergarten gehen", erklärt Menzel.

Was können Eltern tun, wenn keine OP nötig ist?

Eltern müssen gar nichts machen. Expertin Menzel beruhigt: "Der Bruch sieht – gerade wenn das Neugeborene schreit – oft dramatisch aus, aber er bereitet keine Schmerzen." Von Nabelpflastern, Kompressen oder Bruchbändern raten beide Experten ab. Sie helfen nicht, können aber zu Hautirritationen führen.


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