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Wie Mann eine Geburt erlebt: Das lange Warten

Tage, Stunden, Minuten? Wie lang es noch dauert, bis das Baby da ist, können werdende Väter zu keinem Zeitpunkt der Geburt so richtig abschätzen

von Burkhardt Röper, aktualisiert am 18.10.2017

Wir konnten (oder wollten) diese Empfehlung zwar nicht so ganz nachvollziehen. Aber was soll’s? Corinna hat das hier sicherlich schon öfters mitgemacht, sie wird wissen, was sie sagt, dachte ich mir. Ein bisschen Enttäuschung war allerdings schon dabei. Wieder nach Hause? Es kann noch Tage dauern?

Zwei Zäpfchen bekamen wir noch mit. Sollten diese die Wehen abschwächen, wäre das ein sicheres Zeichen für Übungswehen. Ich hatte meine Zweifel – und zumindest einmal recht in dieser Nacht. Kaum hatte meine Freundin zuhause die Zäpfchen appliziert, bekam ich zum ersten mal mit, wie sich Geburtswehen im fortgeschrittenen Stadium anhören. Mir kam ein Spruch aus dem Geburtsvorbereitungskurs in Erinnerung: "Sie werden es schon merken, wenn die Geburt beginnt". Bei meiner Freundin war es soweit – daran bestand jetzt kein Zweifel mehr.

Wenn Kinder auf die Welt kommen

Zwei kurze Anrufe – einen im Kreißsaal, ein anderer beim Taxiunternehmen – und eine halbe Stunde später standen wir wieder vor der Taxisklinik. Der Fahrer war sichtlich erleichtert, dass bis hierhin alles gut ging. Mitten in der Fahrt setzte eine Wehe ein, und unser Chauffeur musste sich so einiges anhören. Wenige Meter vor dem Eingang zur Geburtsabteilung dann die nächste Wehe. Da stand ich nun, links neben mir meine Freundin – sichtlich und deutlich hörbar im Stress. Rechts neben mir eine Hebamme, die nur trocken sagte: "So hört es sich an, wenn Kinder auf die Welt kommen." Besser kann man es nicht formulieren, ein schöner Satz. Kurz, prägnant, stilvoll – nur zu diesem Zeitpunkt weder für mich noch für meine Freundin hilfreich.

Auch wenn ich eigentlich immer froh bin, wenn ich eine Klinik verlasse. Jetzt war ich sehr erleichtert, wieder bei den Fachleuten in Sachen Geburt zu sein.

Die Uhr zeigte bereits nach Mitternacht an, der errechnete Termin war also vorüber. Nur ein kleines Detail am Rande, denn solche Nebensächlichkeiten spielten jetzt keine Rolle mehr. Die Wehentätigkeit wurde nochmal gemessen. Warum eigentlich? Man konnte es wahrscheinlich eine Etage über uns vernehmen, was hier gerade vonstatten ging. Endlich durften wir in den Kreißsaal Nr. 6. Es war ein bisschen wie ein Hotelzimmer betreten – zumindest für mich. Die Taschen abgelegt, sich orientieren, ein paar Kleiderstücke rausgeholt. Meine Freundin wird das mit Sicherheit anders erlebt haben.

Was nun für mich folgte, war das große Warten. Viel zu tun hatte ich nicht. Händchen halten, Wasser reichen, zuhören, ausharren. "Es dauert nicht mehr lange", sagte Hebamme Corinna immer wieder. Was bedeutet das? 15 Minuten, ein halbe Stunde, eine Stunde? Klar, die Intensität der Wehen nahm zu. Aber als Statist und Laie neben dem Bett fällt es schwer, die Lage richtig zu deuten. Man kennt ja den Höhepunkt noch nicht.

So langsam spürte ich Müdigkeit. Mittlerweile war ich seit gut 20 Stunden wach.

Tschüss Müdigkeit, hallo wach

Die Uhr zeigte so etwa 4.10 Uhr morgens an, als die Müdigkeit schlagartig verschwand.

Als Corinna zum Telefonhörer griff und die Stationsärztin anrief. "Hier kommt das Kind zu Welt." Zwei, drei Minuten später war die Ärztin da. Und jetzt ging es richtig zur Sache. Zu zweit standen die nun vor dem Bett und feuerten meine Freundin an – ja, ja, liebe Fußballfans, es hat eine gewisse Ähnlichkeit. Eine anderer Vergleich fällt mir nicht ein. Man muss es erlebt haben.

Und dann war es soweit. "Die Haare sind schon draußen", sagte Corinna. Bis zu diesem Zeitpunkt hielt ich meinen Blick dezent vom Ort des Geschehens zurück. Aber nun traute ich mich doch hinzuschauen – journalistische Neugierde wahrscheinlich. Richtig, die Haare. Es ging ganz schnell, nur ein paar Sekunden später: "Rabääää!". Ein Mensch war geboren.

4.17 Uhr morgens. Etwas über sieben Stunden waren vergangen seit dem Einsetzen der ersten Wehen. "Für das erste Kind eine super Zeit und eine tolle Geburt", meinte Corinna. Mag sein, aber ich weigere mich bis heute von einer "tollen Geburt" zu sprechen. Das ist medizinisch sicherlich korrekt – und ich bin sehr glücklich darüber, dass alles gut verlaufen ist. Aber wer als werdender Vater erlebt hat, was für eine Leidensstrecke dieser Vorgang für Frauen ist, wird mir beipflichten. Und deswegen ganz zum Schluss: Hut ab, liebe Mütter dieser Welt!

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