Wassergeburt: Entspannt für Mutter und Kind?

Viele Frauen empfinden es als angenehm, die Geburt im Wasser zu erleben. Welche Vorteile eine Wassergeburt für Mutter und Kind hat, wie sie abläuft und was dabei zu beachten ist, erfahren Sie hier

von Sandra Schmid, 07.04.2014

Einfach abtauchen: Viele Frauen können bei einer Wassergeburt besser entspannen


Mütter, die sich für eine Wassergeburt entschieden haben, erzählen anschließend meist viel Positives: Entspannt sei die Geburt gewesen, sagen sie häufig. Geborgen und sicher hätten sie sich gefühlt im warmen Becken. Leicht und schwerelos. Und die Schmerzen? Ach, die seien erträglich gewesen.

Wie verbreitet sind Wassergeburten?

Bei einer Langzeitstudie der Uniklinik Mannheim aus dem Jahr 2002 empfanden mehr als 80 Prozent der Wassergebärenden die Geburt als schön. Bei den Frauen, die auf konventionelle Weise entbunden haben, sagten das lediglich 40 Prozent. Glaubt man den Umfragen, wünschen sich über 30 Prozent der Schwangeren eine Wassergeburt. Trotzdem werden in Deutschland jährlich weniger als zehn Prozent aller Babys auf diese Weise zur Welt gebracht. Und das, obwohl es inzwischen in den meisten Kreißsälen eine Gebärwanne gibt. Ein Grund dafür können gesundheitliche Probleme bei der Schwangeren sein. Denn nicht für alle Frauen ist eine Wassergeburt die optimale Lösung.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Wassergeburt erfüllt sein?

Um die Sicherheit von Mutter und Kind zu gewährleisten, hat die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Richtlinien für Wassergeburten entwickelt. Diese legen unter anderem fest, welche Voraussetzungen bei einer Wassergeburt erfüllt sein sollen: Das Kind darf sich beispielsweise nicht in Beckenendlage befinden. Es darf sich nicht um eine Früh- oder Mehrlingsgeburt handeln. Die werdende Mutter muss gesund sein – sollte also unter anderem nicht unter Präklampsie (eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung oder Gestose), Diabetes, Herpes genitalis, HIV oder Hepatitis leiden. Werden Herzauffälligkeiten beim Kind festgestellt oder ist das Baby sehr groß, sollte ebenfalls keine Wassergeburt durchgeführt werden. Und auch, wenn die Schwangere bereits eine Betäubung am Rückenmarkskanal (Periduralanästhesie oder PDA) bekommen hat, ist eine Entbindung im Wasser tabu.

Sind die Voraussetzungen erfüllt, kann die Frau frei entscheiden, wo die Wassergeburt stattfinden soll. Im Krankenhaus können Hebamme und Arzt die werdende Mutter in der Regel am besten überwachen. Aber auch im Geburtshaus oder den eigenen vier Wänden ist eine Wassergeburt möglich – unter Aufsicht einer Geburtshelferin.

Wie läuft eine Wassergeburt ab?

Inzwischen stehen in den meisten Kreißsälen in Deutschland entsprechende Becken. Sie sind meist sechseckig, haben einen Durchmesser von ungefähr 140 Zentimetern und ein Fassungsvermögen von etwa 700 Litern Wasser. Die Wassertemperatur sollte konstant zwischen 36 und 38 Grad Celsius betragen. Für zu Hause gibt es Geburtspools, die man kaufen oder ausleihen und in der Wohnung aufstellen kann.

In der Regel muss sich die Schwangere vorher nicht festlegen, ob sie die Geburt ganz oder nur teilweise im Wasser erleben möchte. Sie kann im Kreißsaal einfach ausprobieren, ob sie sich in der Gebärwanne wohlfühlt. Möchte sie dann doch lieber im Trockenen liegen, kann sie jederzeit wieder aus dem Becken steigen. Bei der vollständigen Wassergeburt liegt oder sitzt die Frau während der kompletten Eröffnungs- und Austreibungsphase im Wasser – wenn sie möchte, kann sie auch während der Nachgeburtsphase im Becken bleiben. Viele Schwangere verbringen jedoch die Wehenphasen außerhalb des Beckens und steigen erst kurz vor der eigentlichen Geburt ins Wasser. Der Grund: Das warme Wasser entspannt häufig so sehr, dass die Wehen wieder aufhören.

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Die Schwangere verbringt die Vorgeburtsphase im Wasser, die eigentliche Geburt dann zu Lande. Das ist oft für die Geburtshelfer einfacher: Im Trockenen haben sie die Situation häufig besser unter Kontrolle und können die nötigen Handgriffe leichter durchführen.

Welche Vorteile bietet eine Wassergeburt?

Eine Geburt im Wasser kann für Mutter und Kind von Vorteil sein. Die tragende Kraft und die Wärme des Wassers können die Entbindung erleichtern. Das belegte bereits 1996 eine Studie der Frauenklinik Bensberg bei Köln: Mütter, die ihr Kind im Wasser geboren hatten, brauchten seltener Schmerzmittel. Der Blutverlust und die Dammschnittrate waren deutlich niedriger als bei vergleichbaren regulären Entbindungen, und die Kinder kamen im Schnitt zwei Stunden früher zur Welt.

Schwangere empfinden die Wehen bei einer Wassergeburt in vielen Fällen als dumpfer und damit als leichter erträglich. Für die Frau ist es außerdem einfacher, im Wasser zwischen den verschiedenen Gebärhaltungen zu wechseln.

Aber auch das Baby profitiert von der nassen Geburt: Es gleitet vom Fruchtwasser in eine flüssige und damit vertraute Umgebung. Statt gleißendem Licht und lauten Stimmen nimmt es durch das Wasser erst einmal alles gedämpft wahr. Verspannungen beim Baby lösen sich durch die freie Bewegung im Wasser. "Vom Fruchtwasser in warmes Wasser geboren zu werden hilft dem Baby enorm", sagt Hebamme Janice Hill aus Rottenburg, die seit vielen Jahren Wassergeburten betreut. "Im vertrauten Element kann es die neue Welt kennenlernen, ohne durch zu viele und starke Reize wie Lärm oder grelles Licht überfordert zu werden."

Kann das Kind bei einer Wassergeburt nicht ertrinken?

Schwangere befürchten häufig, dass ihr Kleines bei einer Wassergeburt Wasser in die Lunge bekommen und dadurch ertrinken könnte. Doch diese Sorge ist unbegründet. "Bei der Wassergeburt wirkt der so genannte "Tauchreflex", ein angeborener Reflex, der die Luftröhre verschließt. Ein Baby atmet erst dann zum ersten Mal, wenn seine Gesichtshaut Kontakt mit der Luft hat", sagt Hill. Das Neugeborene sollte innerhalb der ersten Minute nach der Geburt zur Wasseroberfläche gehoben und – im Idealfall außerhalb des Wassers – auf den Bauch der Mutter gelegt werden.

Kann sich mein Kind bei der Wassergeburt mit Keimen infizieren?

Das Risiko, dass sich das Neugeborene bei einer Wassergeburt mit Keimen infiziert, ist eher gering, wie mehrere wissenschaftliche Studien zeigten. Eine Untersuchung von Dr. Albin Thöni am Krankenhaus Sterzing in Südtirol hat ergeben, dass kindliche Infektionen nach Wassergeburten nicht häufiger zu beobachten sind als nach konventionellen Geburten. Voraussetzung dabei: Alle Hygienevorschriften sind erfüllt und die Überwachung von Mutter und Kind ist sichergestellt.


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