Was sind die wichtigsten Gründe für einen Stillstand bei der Geburt?

Was einen Geburtsstillstand verursachen kann und wie der Arzt dann jeweils vorgeht, erklärt Prof. Dr. med. Joachim Dudenhausen

aktualisiert am 08.11.2016

Die Natur hat das weibliche Becken überwiegend geburtsfreundlich konzipiert


Im Prinzip gibt es drei wichtige mögliche Gründe: Erstens, das Kind passt nicht durch das Becken der Mutter, zweitens, der Kopf des Kindes rutscht nicht richtig ins Becken der Mutter, und drittens, die Wehen der Mutter sind nicht ausreichend stark.

Im ersten Fall, wenn der Kopf des Kindes nicht durch das Becken der Mutter passt, ist ein Kaiserschnitt nötig. In der Regel versucht man, solche Fälle schon vor der Geburt zu erkennen. Der Arzt schätzt dazu mithilfe von Ultraschall und Tastuntersuchungen ab, wie groß das Kind ist und wie weit die Öffnung im Becken der Mutter ist. Das erfordert viel Erfahrung. Und auch ein erfahrener Arzt kann ein Missverhältnis nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit abschätzen, aber nicht sicher feststellen. Denn einerseits verformen sich der Kopf des Kindes und das Becken der Mutter während der Geburt noch relativ stark. Und andererseits gibt es Diskussionen darüber, wann das Kind so groß ist, dass ein Kaiserschnitt gemacht werden sollte. Da gibt es keine international anerkannte Grenze. Manche sagen zwar ab 4500 Gramm, aber ich habe auch schon eine natürliche Geburt mit einem Kind von 6000 Gramm erlebt.

Die zweite mögliche Ursache für einen Geburtsstillstand: Das Kind hält den Kopf so, dass er nicht ins Becken der Mutter rutschen kann. Der Arzt kann dann versuchen, die Verkeilung zu lösen, indem er zum Beispiel die Mutter in eine andere Position bringt. Außerdem hilft manchmal eine Periduralanästhesie (PDA) dabei, dass sich die Muskulatur der Mutter entspannt und der Kopf des Kindes richtig ins Becken rutschen kann. Klappt keiner der Versuche, wird der Arzt einen Kaiserschnitt machen müssen.

Der dritte häufige Grund für einen Geburtsstillstand ist, dass die Mutter nicht ausreichend starke Wehen hat. Dann gibt ihr der Arzt zunächst meist wehenfördernde Mittel. Außerdem ist auch hier eine PDA in der Regel sinnvoll: Sie kann dazu beitragen, dass die Wehen in Gang kommen. Klappt das nicht, wird auch in diesem Fall ein Kaiserschnitt nötig.

 

Prof. Dr. med. Joachim Dudenhausen, Professor Emeritus der Charité Universitätsmedizin Berlin, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie am Weill Cornell Medical College, Deputy Chief Medical Officer am Sidra Medical and Research Center, Chefredakteur des Journal of Perinatal Medicine


Diese Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise und dürfen nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Sie können einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Wann hatten Sie nach der Geburt Ihres Kindes zum erstem Mal wieder Sex?
Ergebnis
Mit dem Nachwuchs in die Ferien: Was überwiegt?
Ergebnis