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Probleme mit dem Wochenfluss: Wann zum Arzt?

Gerät der Wochenfluss nach der Geburt ins Stocken, kann das für Frauen lebensbedrohlich werden. Auf diese Warnzeichen sollten sie achten

von Julia Schulters, aktualisiert am 15.12.2020

Unsere Experten erklären, was der Wochenfluss ist und worauf es bei der Hygiene ankommt


Keine Frage: Er ist unangenehm. Er nervt. Und er dauert einfach eine gefühlte Ewigkeit. "Auf den Wochenfluss nach der Geburt würden die meisten Frauen wahrscheinlich am liebsten verzichten", meint Hebamme Maja Köppl aus München.

Hebamme Maja Köppl

Aber: Er soll fließen. Und das möglichst sogar sechs bis acht Wochen lang. "Ein regelrechter Wochenfluss ist ein Zeichen dafür, dass die Gebärmutter sich gut zurückbildet und die Wundheilung nach der Geburt voranschreitet", so die Expertin.

Eine fast handteller große Wunde bleibt an der Gebärmutterinnenwand zurück, wenn der Körper die Plazenta nach der Geburt abgestoßen hat (siehe Grafik). "Gemessen an der Größe des Bauchraums einer Frau ist das eine gar nicht so kleine Fläche", sagt Dr. Babett Ramsauer, Gynäkologin am Vivantes-Klinikum in Berlin-Neukölln. Kein Wunder also, dass es einige Zeit dauert, bis die Wunde in der ­Gebärmutter vollständig verheilt.

Gynäkologin und Geburtshelferin Dr. Babett Ramsauer

Anfänglich stärker als die Periode und hellrot, schwemmt der Wochenfluss in den ersten Tagen nach der Geburt Blut, Eihautreste und Schleimhautzellen aus. Am Ende der ersten Woche wird der Wochenfluss dann schwächer, meist bräunlich und dünnflüssig. Nach etwa zehn bis vierzehn Tagen nimmt er eine gelbliche Farbe an, bis er weißlich wird und nach sechs bis acht Wochen ganz versiegt. Nach einem Kaiserschnitt fällt der Wochenfluss meist etwas schwächer und kürzer aus.

Fest steht: "Zu früh sollte der Wochenfluss nicht enden", sagt Köppl. Deshalb fragt sie die Frauen bei ihren Hausbesuchen im Wochenbett immer nach Stärke und Farbe der sogenannten Lochien. "Ist nach zwei Wochen Schluss, werde ich hellhörig", erzählt sie. Meistens habe das nichts mit ­einer frühzeitig abgeschlossenen Wundheilung zu tun, sondern mit einem gestörten Wochenfluss.

Infografik Wochenflussstau

Die Ursachen des Wochenfluss-Staus

"Häufig passiert das nach einem geplanten Kaiserschnitt, bei dem der Muttermund sich nie richtig geöffnet hat", erklärt Ramsauer. Aber auch nach ­einer spontanen Geburt kann es zu einem Wochenfluss-Stau kommen – wenn sich etwa ein Eihaut- oder Plazentarest vor den Muttermund legt. "Manchmal zieht sich die Gebärmutter nicht so gut zusammen, das Blut staut sich, und es entstehen Blutpfropfen, die den Abfluss blockieren", sagt die Gynäkologin. Ein sehr enger Gebärmutterhals oder ­eine nach der Geburt etwas abgeknickte Gebärmutter können ebenfalls Gründe sein.

"Leider kann so ein Stau sehr schnell sehr gefährlich werden", sagt Ramsauer. Denn das aufgestaute Wundsekret und das Gewebe in der noch heilenden Gebärmutter seien der perfekte Nährboden für Bakterien. Eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut oder -muskulatur und sogar eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) können die Folge sein. Bei diesen Warnzeichen kontaktieren Frauen daher unbedingt ihre Hebamme: abrupt stoppender Wochenfluss, übel riechender Wochenfluss, Stirn­kopfschmerzen, Bauchweh. Direkt in die Klinik fahren Frauen bei: hohem Fieber, Schüttelfrost oder einem ausgeprägten Krankheitsgefühl.

Arzt muss schnell handeln

Einen Wochenfluss-Stau können Ärzte meist schon im Ultraschall erkennen. Auch Laborwerte und eine vaginale Untersuchung geben Aufschluss darüber, ob ­eine Abfluss-Störung die Symptome verursacht. Steht die Diagnose fest, muss die Ur­sache schnell behoben werden. Gegen den Stau helfen Infusionen oder Spritzen mit Oxytocin oder Tabletten mit einem Prostaglandin. "Sie führen dazu, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und der Mutter­mund weicher wird. Der Wochenfluss kann dann wieder besser ablaufen", so die Medizinerin.

Je nach Entzündungswerten bekommt die Frau zusätzlich ein stillfreund­­liches Anti­biotikum. Von einer Ausschabung, wie sie früher oft vorgenommen wurde, rät Ramsauer meistens ab. "In den ersten vier Wochen besteht ein erhöhtes Risiko, dass man die sensible Gebärmutterschleimhaut dauerhaft verletzt", warnt sie. ­Einen verschlossenen Muttermund können Ärzte jedoch eventuell etwas auf­dehnen und davorliegende Eihautreste absaugen.

Unterstützende Maßnahmen helfen

Maja Köppl unterstützt die Behandlung gerne mit sanften Methoden, die auch vorbeugend wirken. "Wenn der Stillbusen es mitmacht, sollten Frauen sich häufig auf den Bauch legen, gerne mit ­einem harten Kissen darunter", rät sie. Der Druck auf die Gebärmutter führt dazu, dass der Wochenfluss besser läuft. Ähnlich wirken Wickel oder Bauchmassagen. Tee mit Hirtentäschelkraut oder Akupunktur sollen die Gebärmutter ebenfalls stimulieren.

Wichtig: moderate Alltagsbewegung, Positionswechsel und kurze Spaziergänge – sie belasten den Beckenboden nicht zu sehr, regen die Gebärmutter aber an. Eine der besten Versicherungen gegen ­einen Wochenflussstau ist übrigens das Stillen. "Bei jedem Anlegen wird Oxytocin ausgeschüttet", erklärt die Hebamme. Das Hormon, das unter der Geburt für Wehen sorgt, hilft ebenso im Wochenbett dabei, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht. Wer nicht stillen kann, kann trotzdem ­etwas für seinen Oxytocinspiegel tun. "Ganz viel kuscheln, am besten Haut an Haut", rät Maja Köppl.  "Auch beim Schmusen wird jede Menge Oxytocin ausgeschüttet."


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