Hausgeburt: Vorteile und Risiken

„Eine Geburt ist doch keine Krankheit!“, denken sich viele, die sich für eine Hausgeburt entscheiden. Das ist richtig – aber es gibt Risiken. Diese sollte der Arzt im Vorfeld gut abklären

von Daniela Frank, aktualisiert am 28.04.2017
Untersuchung

Hausgeburt: Manche Frauen fühlen sich in den eigenen vier Wänden wohler


Kein Krankenzimmer, keine piepsenden Apparate, kein wechselndes Personal: Immer wieder entscheiden sich Frauen für eine Geburt außerhalb der Klinik. "Es gibt je nach Region ziemliche Schwankungen", sagt Susanne Schäfer, ehemalige Vorsitzende des Bunds freiberuflicher Hebammen e.V. Die Rate der außerklinischen Geburten sank nach einem Hoch in den vergangenen zehn Jahren zuletzt wieder etwas, auf rund 1,3 Prozent. Das hört sich wenig an, sind aber immer noch knapp 10.000 Geburten pro Jahr. Warum entscheiden sich viele Frauen für diese Alternative?

Hausgeburt: Individuelle Art zu gebären

"Mittlerweile gibt es zwar Kliniken, die sehr fürsorglich sind und auf die Wünsche der Frauen eingehen. Trotzdem ist oft eine individuelle Betreuung nicht möglich, zum Beispiel aufgrund der Personalsituation", erklärt Schäfer. Bei der Hausgeburt hat die Schwangere ihre Hebamme nur für sich. Die beiden haben sich schon in der Schwangerschaft kennengelernt und die Geburt gemeinsam geplant. "Ich habe den Eindruck, dass heute mehr Frauen über den Ablauf ihrer Geburt bewusst mitentscheiden wollen", sagt Prof. Dr. Karim Kalache, Leiter der Abteilung für Maternal-Fetale Medizin des Sidra Medical and Research Center in Doha, Qatar. "Sie möchten die Geburt aktiver erleben."

Angenehmes Umfeld fördert reibungslose Geburt

Klar ist auch: Eine angenehme Umgebung fördert einen unkomplizierten Geburtsverlauf. "Jede Spezies gebärt am ehesten dort, wo es sicher und vertraut ist", sagt Kalache. Hat die Frau Angst oder fühlt sich unwohl, können die Wehen ausbleiben. Viele Krankenhäuser richten ihre Kreißsäle deshalb heute ein wie ein Wohnzimmer – und weniger wie einen Operationssaal. In letzter Konsequenz ist es für manche am schönsten, gleich ganz zu Hause zu gebären. "Eine Geburt ist ein sehr intimes und privates Geschehen", sagt Schäfer. "Eine Hausgeburt wird dem gerecht." In der vertrauten Umgebung gelinge auch die erste Bindung zum Kind oft besser.

Die Hebamme nimmt sich außerdem Zeit, um mit der Frau über ihre Sorgen und Bedürfnisse zu sprechen, ihre Intuition und ihr Körpergefühl zu stärken – Zeit, die der Arzt oft nicht hat. "Die normale Schwangerschaft und Geburt in unserer Gesellschaft werden leider zunehmend und unnötig pathologisiert", sagt Schäfer. "Meine Beratung besteht überwiegend darin, die geschürten Ängste der Schwangeren zu besprechen und auf eine sachliche Ebene zurückzubringen."

Risikoschwangere sollten ins Krankenhaus

Doch nicht für jede Frau ist eine Hausgeburt die ideale Lösung: Risikoschwangere sind in der Klink besser aufgehoben. Bei den Vorsorgeuntersuchungen beurteilen Arzt und Hebamme, ob die werdende Mutter gesund ist und die Geburt voraussichtlich normal verlaufen wird. Wünscht sich die Schwangere eine Hausgeburt, klären sie Arzt oder Hebamme über den Ablauf und mögliche Risiken auf. Die Hebamme entscheidet, ob sie die Begleitung einer Hausgeburt verantwortet – in kritischen Fällen muss sie einen Arzt hinzuziehen. Liegt das Baby zum Beispiel quer, sitzt die Plazenta vor dem Muttermund oder leidet die Schwangere unter einer chronischen Krankheit, ist eine Hausgeburt in der Regel zu riskant. "Wenn man sich für eine Hausgeburt entscheidet, muss diese gut vorbereitet sein und die Risiken sollten vorher sorgfältig abgeschätzt werden", sagt Kalache. "Ein geringes Restrisiko für einen akuten Notfall bleibt jedoch immer bestehen."

Hausgeburt: Bei Komplikationen in die Klinik

Entsteht während der Geburt der Verdacht, dass Komplikationen auftreten könnten, lassen die Geburtshelfer die Frau in eine Klinik verlegen. Dies passiert laut Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG) bei knapp 17 Prozent der Frauen, die zu Hause oder im Geburtshaus gebären wollten – zum Beispiel wegen eines Geburtsstillstands oder schlechter Herztöne beim Kind. "Die Hausgeburtshebamme geht kein Risiko ein", sagt Schäfer. "Oft stellt sich eine vorsorgliche Verlegung im Nachhinein als nicht lebensnotwendig heraus, die Geburt endet in der Klinik auf normalem Weg."

Tritt dagegen ein echter Notfall auf, müssen die Ärzte oft innerhalb weniger Minuten reagieren. Das ist bei einer Hausgeburt nicht möglich. "Eine wichtige Voraussetzung ist deshalb, dass die Frau im Notfall schnell in die Klinik gebracht werden kann", sagt Kalache. Nach einer unproblematischen Schwangerschaft ist das Risiko, dass bei der Hausgeburt ernste Komplikationen auftreten, allerdings sehr gering. "Es liegt bei etwa 0,2 bis 0,4 Prozent", sagt Kalache. Ein weiterer wichtiger Punkt: "Bei der ersten Geburt ist das Risiko für Komplikationen ungefähr doppelt so hoch wie bei den weiteren." Somit sei neben unauffälligen Befunden in der Vorsorge eine unkomplizierte vorangegangene Geburt eine gute Voraussetzung für eine Hausgeburt. "Für eine komplikationslose Hausgeburt gibt es aber natürlich keine Garantie", betont Kalache.

Informieren und sorgfältig abwägen

Beide Experten empfehlen Schwangeren, sich gut zu informieren und die Vor- und Nachteile aus ihrer Sicht abzuwägen. Denn fehlende oder falsche Information seien das größte Problem. "Viele Frauen bilden sich ihre Meinung über die Medien", sagt Kalache. "Aber da ist das Risiko hoch, an falsche Informationen zu geraten." Geeignete Ansprechpartner sind der betreuende Gynäkologe und die Hebamme der Wahl – im Zweifelsfall auch ein Spezialist.


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