Doula als Geburtsbegleiterin sinnvoll?

Doulas sind eigens geschulte Frauen, die werdende Mütter durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleiten. Was sie genau tun, was sie kosten und was Hebammen dazu sagen
von Sandra Schmid, aktualisiert am 18.08.2015

Doulas bieten emotionale Unterstützung für Schwangere

W&B/Bernhard Huber

Hand halten, Schweiß abtupfen, Tee kochen – das alles macht eine geburtserfahrene Doula. Aber vor allem ist sie eine wichtige Vertrauensperson der werdenden Mutter. "Sie bietet eine persönliche Begleitung während der Schwangerschaft, individuelle Vorbereitung auf die Geburt und kontinuierliche Unterstützung während der gesamten Geburt an," erklärt Melanie Schöne, Vorsitzende von Doulas in Deutschland e. V. Aber: Eigentlich gehören diese Aufgaben zur professionellen Hebammenarbeit. Den neuen Doula-Trend sehen die Hebammen deshalb nicht durchweg positiv.

Was bedeutet Doula?

Das Wort Doula kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Dienerin oder Magd. Die Tradition, dass geburtserfahrene Frauen werdenden Müttern beistehen, gibt es schon seit tausenden von Jahren. Unter dem Namen Doula schwappte der Trend erst vor einigen Jahren von den USA nach Deutschland. Dort sind – systembedingt – Hebammen in Krankenhäusern Mangelware. So wurde in den USA auf das alternative Modell der Doulas zurückgegriffen, welches binnen kürzester Zeit eine breite Anhängerschaft gefunden hat. In Deutschland gibt es derzeit etwa 100 Doulas.


Was macht eine Doula?

Als emotionale Allround-Hilfen stehen Doulas Frauen zur Seite, die sich in der Schwangerschaft, aber auch im Wochenbett vielen Fragen und Ängsten ausgesetzt sehen. Die Doula kann in diesen Bereichen auch als Verständigungshilfe zwischen Mann und Frau fungieren und mithelfen, dass sich der Partner eingebunden und informiert fühlt. Doch selbst, wenn die Schwangere eine tolle Kommunikationsebene mit dem Partner hat, "ist es für sie wohltuend, mit einer geburtserfahrenen Doula zu sprechen", so Schöne. Egal, ob es um Stimmungsschwankungen, Veränderungen des Körpers oder die Furcht vor der Niederkunft geht – die Doula ist als emotionale Stütze jederzeit da.

Wie sind sie ausgebildet?

Wer Doula werden möchte, muss selbst schon ein Kind geboren haben und mindestens 25 Jahre alt sein. Außerdem sei es erforderlich, dass die Doula der Schwangeren für die Geburt auf Abruf zur Verfügung stehe, so Schöne. Eine spezielle Doula-Ausbildung, zum Beispiel bei Doulas in Deutschland oder dem Doula Netzwerk, umfasst vier Wochenenden und kostet etwa 1.200 Euro. Nicht mit einberechnet sind hierbei die vielen Stunden Eigenstudium, in denen die Frauen ihre Kenntnisse rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett vertiefen müssen.

Eines darf man trotz dieser Ausbildung allerdings nicht vergessen: Doulas sind Geburtsbegleiterinnen, die – im Gegensatz zu Hebammen – keine medizinische Qualifikation haben.

Wie viel kostet der Service einer Doula?

Ihre Dienste werden nicht von der Kasse übernommen. "Wie hoch das Honorar ist, bestimmt jede Doula für sich selbst oder vereinbart dies individuell an die finanziellen Verhältnisse der werdenden Eltern angepasst", sagt Schöne. Der Verein Doulas in Deutschland übernimmt auf Antrag die Kosten der Begleitung für Frauen oder Paare, deren Mittel beschränkt sind.

Im Durchschnitt kostet eine Doula zwischen 450 und 650 Euro. Im Preis beinhaltet sind meist ein bis zwei Treffen in der Schwangerschaft, die Rufbereitschaft 14 Tage vor bis 14 Tage nach dem errechneten Geburtstermin, die durchgehende Geburtsbegleitung sowie ein bis zwei Wochenbett-Hausbesuche.

Was ist der Unterschied zu einer Hebamme?

Eine Doula hat keine Ausbildung als Geburtshelferin und kann die Arbeit eines Profis nicht ersetzen: Sie begleitet die Geburt nur, übernimmt aber nicht die Leitung. Die medizinische Verantwortung während einer Geburt trägt die Hebamme beziehungsweise der Arzt oder die Ärztin. Aber: Während die Hebamme im Krankenhaus auch mal den Raum verlasse, weil sie möglicherweise noch andere Gebärende betreut, "kümmert sich die Doula einzig und allein um das Wohl der Frau und bleibt die gesamte Geburt an ihrer Seite, egal wie lange diese dauert", so Schöne. "Jede Profession für sich ergänzt die Arbeit der anderen. Wir sind keine Konkurrentinnen, sondern arbeiten sehr gut und ergänzend miteinander."

Und was sagen die Hebammen?

Die Hebammen sehen das etwas skeptischer. "Wie sehr die Unterstützung der Doula als wertvolle Bereicherung gesehen werden kann, ist sicherlich vom Einzelfall abhängig", sagt Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammenverbandes. Die Kritik gehe weniger gegen die Arbeit der Doulas als gegen die Tatsache, dass diese privatisierten Betreuungsdienste ein falsches Zeichen für die Hebammenarbeit setzen würden.

Hebammen kämpfen seit Jahren um mehr Geld von den Krankenkassen. Mit der Doula-Betreuung wird nun aber eine Leistung, die ihrer Meinung nach jeder Frau zustehen sollte, in private Hände gegeben. Dabei wäre es nach Ansicht von Giesen viel wichtiger, einen politischen Rahmen zu schaffen, in dem Hebammen so bezahlt werden, dass sie die Gebärenden begleiten können, sprich: Dass sie Zeit für die Betreuung von jeweils einer Frau haben und ihre Aufmerksamkeit nicht teilen müssen. "Durch die Doulas werden die Krankenkassen aus ihrer Verantwortung genommen."

Kritik: Betreuung Schwangerer sollte keine private Leistung sein

Skeptisch macht die Hebammen-Vorsitzende ebenfalls die Tatsache, dass Doulas keine medizinische Ausbildung haben. "Eine Frau durch die Geburt zu begleiten heißt ja nicht nur, emotionale Krisen durchzustehen, sondern unter Umständen auch zu erkennen, wann zum Beispiel ein Notkaiserschnitt nötig ist." Giesen will sich aber richtig verstanden wissen: "Wir wollen die Arbeit der Doulas auf keinen Fall verteufeln." Sie sieht die Entwicklung hin zur Doula-Betreuung nur als logische Konsequenz: Hier werde versucht, die Einbußen der durch wirtschaftliche Zwänge der Krankenhäuser fehlenden Zeit der Hebammen auf privater Ebene zu kompensieren. Insofern hat der Trend auch für die Hebammen etwas Gutes: "Die Lücke im System ist dadurch deutlich geworden. Das hat auch uns Hebammen wachgerüttelt, für bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen."


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