Gebärmutterausschabung (Abrasio uteri, Kürettage)

Bei Problemen mit der Regelblutung oder nach Fehlgeburten führt der Frauenarzt oft eine Ausschabung der Gebärmutter durch. Je nach Grund geht er dabei unterschiedlich vor

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 13.09.2013

Störungen der Menstruation können Grund für eine Gebärmutterausschabung sein


Gebärmutterausschabung bei Störungen der Regelblutung

Grund für eine Gebärmutterausschabung können verstärkte, verlängerte oder sehr unregelmäßige Regelblutungen sein. Zwischenblutungen oder Blutungen nach den Wechseljahren stellen ebenfalls eine Indikation dar. Grund für die veränderten Regelblutungen sind neben Hormonstörungen oft gutartige Wucherungen wie Polypen und Myome, in seltenen Fällen aber auch Krebs (Endometriumkarzinom). Für eine Ausschabung können außerdem auffällige Befunde bei der Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter sprechen.

Dabei erfolgt die Ausschabung mit einem scharfkantigen Löffel (Kürette). Das Verfahren führen die Ärzte oft in zwei Schritten durch (sogenannte fraktionierte Abrasio): Erst gewinnen sie Gewebe aus dem Gebärmutterhals und dann vom Körper der Gebärmutter. Anschließend untersuchen sie das Gewebe der beiden Bereiche getrennt voneinander, um den Ort der Gewebsveränderung besser bestimmen zu können.

Außerdem führen die Ärzte in der Regel gleichzeitig eine Spiegelung der Gebärmutter (Hysteroskopie) durch und suchen mit einem Endoskop das Innere nach Krankheitsherden ab. Polypen können sie gleich entfernen und untersuchen.

Weitere Gründe für eine Gebärmutterausschabung

Nach einer Fehlgeburt befinden sich unter Umständen noch Gewebsreste vom Mutterkuchen oder dem Embryo selbst in der Gebärmutter. Dann soll eine Ausschabung mit einem stumpfen Löffel anhaltende Blutungen und Infektionen verhindern. Letztere könnten schlimmstenfalls die Unfruchtbarkeit der Patientin nach sich ziehen. Zuweilen bleiben auch nach einer normalen Entbindung Reste des Mutterkuchens (Plazenta) in der Gebärmutter zurück, die eine Ausschabung notwendig machen.

Liegen der Wunsch oder die Notwendigkeit für den Abbruch einer Schwangerschaft vor, setzt der Arzt oft eine sogenannte Saugkürettage ein. Dieses Verfahren ist normalerweise bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich. Zur Vorbereitung geben die Ärzte Medikamente zur Weitung des Muttermundes. Alternativ kommt bis zur 9. Schwangerschaftswoche ein Abbruch mittels Medikamenten (Mifepriston und Prostaglandine) in Frage.

Wie läuft eine Gebärmutterausschabung ab?

Die Ausschabung führen die Ärzte üblicherweise ambulant und unter Vollnarkose durch. Deshalb überprüft der Narkosearzt (Anästhesist) bei älteren Patienten oder bei Vorerkrankungen im Vorfeld die Lungenfunktion, nimmt Blut ab, oder lässt ein Röntgenbild oder ein Elektrokardiogramm (EKG) anfertigen.

Am Tag der Untersuchung sollte die Patientin sechs Stunden vor der Ausschabung nichts essen und trinken. Sie nimmt für den Eingriff auf einem gynäkologischen Stuhl Platz. Für die Überwachung der Narkose legt der Arzt eventuell einen Fingerfühler zur Überwachung der Sauerstoffsättigung und EKG-Elektroden an. Dann leitet der Anästhesist die Narkose ein.

Der Frauenarzt desinfiziert Oberschenkel, äußeres Genital und die Scheide. Dann weitet er mit Instrumenten vorsichtig den Muttermund. Anschließend erfolgt die Ausschabung, wie oben dargestellt entweder zweigeteilt (fraktioniert) oder in einem Vorgang, und mit stumpfem oder scharfem Löffel oder einem Sauger. Normalerweise dauert die Ausschabung nicht länger als zehn Minuten.

Vor allem nach einer Fehlgeburt und bei unklaren Veränderungen der Regelblutung ist es wichtig, das abgetragene Gewebe zu konservieren und später an das Labor zu senden. Das Labor untersucht das Gewebe dann unter dem Mikroskop. Auch eine genetische Untersuchung des Materials ist möglich und kann in manchen Fällen die Ursache einer Fehlgeburt aufklären.

Was ist nach der Ausschabung zu beachten?

Nach dem Eingriff sollte sich die Patientin noch einige Zeit von der Narkose erholen. Wichtig: Wegen der Narkose ist es ihr nicht gestattet, am selben Tag noch ein Auto zu lenken. Die Heimfahrt sollte also durch einen Angehörigen oder ein Taxi erfolgen. Auch vom Tragen größerer Lasten ist am Untersuchungstag abzuraten.

Ziehende Schmerzen wie bei Menstruationsbeschwerden und eine Blutung bis hin zur Stärke einer Regelblutung sind nach der Ausschabung nicht ungewöhnlich.

In den ersten zwei bis drei Wochen nach dem Eingriff sollte die Patientin keine Tampons benutzen, keine Scheidenspülungen vornehmen und auf Geschlechtsverkehr verzichten. Auch vom Baden ist abzuraten. Eine (erneute) Schwangerschaft sollte die Patientin frühestens nach der nächsten Menstruationsblutung planen.

Je nach dem Grund der Ausschabung und den Ergebnissen der Gewebsuntersuchung bestellt der Arzt die Patientin zur Nachbehandlung ein.

Welche Risiken birgt die Gebärmutterausschabung?

Blutungen bis zur Stärke einer Regelblutung sind häufig. Selten kommen jedoch auch stärkere Blutungen vor, wenn zum Beispiel ein Ast der Gebärmutterarterie (A. uterina) verletzt ist. Dann sollte die Patientin sofort den Arzt aufsuchen und mit ihm klären, ob ärztliches Eingreifen nötig ist.

Auch die Gebärmutter kann durch die Kürettage beschädigt und sogar durchstoßen werden, diese Verletzung kommt aber nur sehr selten vor. Dann sind eventuell weitere Maßnahmen wie eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) nötig, um die Verletzung zu behandeln.

Wie bei allen invasiven Eingriffen können auch manchmal Infektionen auftreten bis hin zu einer Eileiterentzündung. Deshalb sollte die Patientin auch bei Auftreten von Fieber oder starken Schmerzen gleich einen Arzt einschalten.

Sehr selten sind die Schäden an der Gebärmutterschleimhaut so groß, dass die Patientin unfruchtbar wird. Deshalb sollte die Notwendigkeit einer Ausschabung immer mit dem Arzt besprochen werden, auch wenn es sich um einen Routineeingriff handelt.

Beratende Expertin: Dr. med. Mareike Pöllmann, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Praxis für Pränatale Diagnostik München, Qualifikation Pränataldiagnostik / gynäkologische Sonographie (Degum II). Bis 2010 Oberärztin in der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf, zuvor in der 1. Frauenklink der LMU München.

Quellen:

1. Kaufmann M, Costa S, Scharl A: Die Gynäkologie, 3. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag 2013

2. Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A: Gynäkologie und Geburtshilfe, 5. Auflage, Stuttgart New York Thieme Verlag 2008

3. Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V.: Gebärmutterausschabung . Online: http://www.operieren.de/content/e3224/e10/e886/e898/e967/ (Abgerufen am 13.8.2013)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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