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Welches Yoga passt zu mir?

Endlich mehr für sich tun: Wer diesen Wunsch spürt, landet schnell bei Yoga. Denn es wirkt positiv auf Figur und Seele. Nur welcher Stil ist der richtige? Wir stellen vier Trends vor

von Annabelle Fischer, 21.03.2017

Der Yogi versteht den Körper als Tempel der ­Seele, der je nach Alter, Belastung und Ausrichtung ­eine entsprechende Pflege braucht. Yoga ist keine Religion, sondern eine jahrhundertealte Lebensanschauung aus Indien. Es soll uns helfen, mit mehr Achtsamkeit gegenüber uns – und den anderen – den Alltag zu meistern. Wer viel übt, wird auf Dauer gelenkiger, gelassener – und hoffentlich auch glücklicher!

Wer mit Yoga anfangen möchte, sucht sich am bes­ten einen Kurs mit erfahrenen Lehrern. Vorher allerdings steht die Frage: Für welchen Yogastil soll ich mich entscheiden? Deshalb erklären hier vier Experten ­ihren Stil und sagen, warum Yoga unser Leben verändern kann!

Tipp für Anfänger

Täglich mit Hingabe und Disziplin üben. Die Yoga-Praxis ist wie ein Baum, dessen Früchte reifen müssen. Auch wenn das Üben nur kurz ausfällt: hinsetzen, ­Augen zu, atmen, loslassen – die Verbindung zu dir selbst.

Yin Yoga

Was bedeutet Yin Yoga?

"Yin heißt alles Kühle, Ruhige, Zurückgezogene. Die Yin-Seite eines Berges liegt im Schatten und die Yang-Seite in der Sonne. Yin und Yang ist immer ein Gegensatz. So bedeutet Yin Yoga, dass wir sehr achtsam üben, lange in Haltungen verweilen, mit entspannter Muskulatur."

Ist Yin Yoga der neue Großstadt-Trend, da alle zu hibbelig und zu aktiv sind?

"Jein. Jeder sucht in der Yogapraxis ­einen Ausgleich zum Alltag. Da viele sit­­zende Jobs haben, brauchen die meisten einen ­dynamischen Ausgleich durch Yang Yoga wie Ashtanga, Jivamukti, Power Yoga. Aber viele sind auch mental und emotional so gestresst, getaktet und gefordert, dass ihnen eine ruhige Praxis guttut: loslassen, Stress abbauen, nichts mehr leisten müssen."

Gibt es eine Message, die Yin Yoga weitergeben möchte?

"Wir lernen mit sich selbst Freund zu werden, aus der inneren Enge herauszukommen. Sein Yin, also seine weiche Seite und die Kraftreserven wieder auf­zubauen. Wir müssen ständig Yang sein: stark im Job, in der Familie, überall muss man seinen Mann stehen – ohne Pause. Bei Yin Yoga können wir endlich loslassen und durchatmen."

Schläft man da nicht fast ein?

"Nein, die Praxis ist sanft, aber auch ein Kraftquell. Wer oft übt, spürt das. Ich gehe manchmal aus einer Stunde raus und denke: Wow! Jetzt möchte ich zwei Stunden joggen."

Das ist was für alle, oder?

"Wir haben eine breite Zielgruppe: Auf körperlicher Ebene profitieren die Älteren, durch die ­Ruhe der Praxis. Auch Schmerzpatienten kommen, da wir sehr achtsam und wohltuend üben. Athleten bietet Yin Yoga ein nötiges Dehnen und Öffnen des Körpers."

Ist diese ruhige Yoga-Art auch ­etwas für stark Übergewichtige?

"Gerade Menschen mit viel Gewicht sind oft hochgradig gestresst. Das Ansammeln von Futter ist häufig ein Ansammeln emotionaler Schutzschicht. Oft müssen diese Menschen erst lernen sich wieder mit sich und ihrem Körper anzufreunden. Deshalb eignet sich Yin Yoga auch bestens für sie."

Jivamukti-Yoga

In jeder Jivamukti-­Stunde wird am Anfang ge­sungen. Wieso eigentlich?

"Um energetisch auf eine Wellenlänge zu kommen. Gemeinsames Singen bringt die Gehirnwellen auf Gleichklang. Und ich singe gerne."

Was bedeutet Jivamukti?

"Jiva ist die individuelle Seele, und mukti ist die Befreiung der Seele. Unsere Praxis versucht die Person übungsmäßig aufzulösen. So werden wir toleranter und gelassener. Frei von gesellschaftlichen Konzepten wie: ‚Geld macht glücklich, ein toller Körper begehrenswert, ein fester Arbeitsplatz sorgenfrei.‘"

Hilft Jivamukti-Yoga, mit Lebens­krisen besser umgehen zu können?

"Bestimmt kann es dazu bei­tragen. Jeder Psychologe ­würde bei depressiver Verstimmung sagen: ‚Beweg dich ein bisschen!‘ Unser Unterricht ist sehr dynamisch."

Für wen eignet sich diese Praxis?

"Immer bipolar denken: ­Trägere und lethargische Menschen soll­ten schwitzen; die Hibbeligen, die nie zur Ruhe kommen, endlich sitzen, also eine ruhigere Praxis üben."

Wie ist Jivamukti aufgebaut?

"Kurzes Singen, dann viele Sonnen­grüße mit Drehungen, Vorwärts- und Rückwärtsbeugen. Zum Schluss: Shavasana – ­ruhi­ges Liegen. Alle Übungen haben ­einen geistigen und energetischen Inhalt mit bewusstem Atem, sonst wäre es ja Bodenturnen!"

Yoga für alle

Wie unterscheidet sich Ihre Yogapraxis von Jivamukti?

"Ich habe meinen Unterricht um viele Übungen aus anderen Stilen erweitert. Und ich halte mich nicht mehr an Regeln. In einer Jivamukti-Klasse müssen 14 Übungen erfüllt werden – beispielsweise drei Räder, das schafft nicht jeder."

Machen Sie keine Räder (auch Brücke genannt)?

"Doch. Aber ich sage: Wer möchte, kann sich ins Rad hochstrecken oder auch ein halbes machen – aber jeder, wie er mag und kann! Auch ein Kopfstand ist nur etwas für Geübte! Bei uns gibt es keine Artistik oder krasse Drehungen."

Ihre All-Level-Stunden sind somit auch für Einsteiger geeignet …

"Ja, es ist ein atemzentrierteres, langsameres Üben mit weichen Entspannungshaltungen zwischendrin. Ich möchte körperlich fordern, aber nicht überfordern. Meine Schüler sollen rausgehen und noch ­atmen können."

Wie bauen Sie Ihre Stunden auf?

"Eine halbe Stunde aufwärmen und Kraftaufbau mit vielen Vinyasas, also Sonnengrüßen. Dann folgen Übungen zu Stabilität und Dehnung – anstrengend, aber sanft, sie gehen nicht so auf die Gelenke."

Versuchen Sie sich jetzt als Guru zu etablieren?

"Nein! Ich möchte nicht predigen oder Vorschriften geben. Wer ­Yoga übt, wird automatisch angenehmer für alle."

Bikram-Yoga

Wie unterscheidet sich Bikram von anderen Yoga-Stilen?

"In einem etwa 38˚ Celsius aufgeheizten Raum werden 26 Hatha-Yoga-Übungen der Reihe nach praktiziert. Dabei werden Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel gefördert. Die Sequenz ist so gestaltet, dass Alte und Junge, Yoganeulinge und Yogaprofis mit­machen können. Simpel, aber fordernd durch die Hitze."

Wird einem durch die Hitze nicht schwindelig?

"Mein ältester Schüler ist 72 und schafft das locker. Durch die ­Wärme werden die Muskeln gelockert, es gibt kaum Verletzungen, während der Stunde trinkt jeder einen Liter Wasser. Aber klar: Für Menschen mit schweren Herzproblemen eignet sich diese Yoga-Art nicht."

Können auch Kranke oder Menschen mit Rückenleiden Bikram machen?

"50 Prozent meiner Schüler kommen hierher, da sie Einschränkungen haben: Rückenleiden, Autoimmunerkrankungen, psychische Probleme. Bikram kann den Selbstheilungsprozess unterstützen."

Ist Bikram was für Menschen, die abnehmen wollen?

"Klar, wir verbrauchen um die 500 Kalorien pro Stunde – und der Stoff­­wechsel wird angeregt. Man entdeckt sein Körpergefühl wieder. Wir üben in einem Raum mit Spiegeln. Er fördert die Konzentration auf die Ausrichtung. Sich anschauen und den Alltag vergessen. Viele mögen sich nicht, weil sie sich zu dünn oder zu dick finden. Aber man muss den Spiegel vor sich halten. Nur so kann man Themen angehen."


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