So kommen Babys mit der Hitze klar

Dürfen Säuglinge in die Sonne? Reicht Muttermilch allein bei Hitze? Unsere Experten sagen, wie Sie mit Ihrem Kleinen gut durch die heißen Tage kommen

von Julia Ferrat, 01.08.2016

Der beste Ort bei Hitze? Ein Planschbecken im Schatten!


Endlich T-Shirt-Wetter! Wenn die Sonne strahlt und das Thermometer die 25-Grad-­Marke spielend erreicht, bedeutet das auch für Babys Garderobe: Warme Strampler und Strickjacken bleiben im Schrank. Stattdessen braucht zarte Babyhaut jetzt speziellen Schutz. Warum? Weil sie fünfmal dünner ist als unsere und somit viel empfindlicher reagiert.

Vor Sonne schützen

Wir Erwachsene genießen es meist, warme Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren, doch für "Neugeborene und Babys bis zum ­Alter von sechs Monaten ist direkte Sonnen­einstrahlung tabu", sagt Hebamme Ursula Jahn-Zöhrens aus Bad Wildbad. Ultra­violette Strahlen können die empfindliche Baby­haut schädigen, da sie praktisch noch über keinen Eigen­schutz verfügt. Ein schattiges Plätzchen unter einem Baum oder einem Sonnenschirm ist daher genau das Richtige für die Kleinen.

Aber wie schützt man Krabbel­profis, die ausgerechnet die ­Blume auf der Wiese in der prallen ­Sonne untersuchen wollen? Oder die am Strand lieber im flachen Wasser planschen, als unterm Sonnenschirm im Sand zu buddeln? Cremen, cremen, cremen – lautet hier das Tagesmotto für ältere Babys und Kleinkinder. Die Nürn­berger Apothekerin Stefanie Nettersheim rät zu einem mineralischen Sonnenschutz mit dem höchsten Lichtschutzfaktor: "Diese Cremes enthalten keine chemischen Filter. Sie schützen die Haut durch Pigmente, die sich auf der Hautoberfläche verteilen und das Licht reflektieren." Die Pigmente liegen jedoch nur auf der Haut und lösen sich schnell wieder ab. Daher gilt: nach jedem Bad im Wasser gründlich nachcremen!

Richtig eingecremt sind die Kinder, wenn vom Kopf bis zum Zeh keine Körperstelle ausgelassen wird – selbst wenn dann noch ­Body, Shirt und Hose darüber kommen. Ob Sonnenschutzcreme oder -spray, ein Lichtschutzfaktor (LSF) zwischen 30 und 50 ist für die empfindliche Kinderhaut ideal. Je höher der LSF, desto länger hält der Schutz an. Trotzdem sollten die Kleinen möglichst wenig Zeit in der prallen Sonne verbringen. Vor allem zwischen 12 und 15 Uhr, wenn die Sonne am höchs­ten steht, halten es Familien am bes­­ten wie die Südländer und machen Siesta – drinnen im Kühlen.

Und was ist zu tun, wenn es doch zu einem Sonnenbrand kommt? "Dann wird die betroffene Hautpartie mit einem Panthenolspray eingesprüht, das muss nicht einmassiert werden", so die Apothekerin. Entzündungshemmend und kühlend wirken auch After-sun-Gels mit Hamamelis-Extrakt.

Niemals ohne! Das gilt auch für den Kopf. Sonnenhüte mit breiter Krempe aus einem fest gewebten Baumwollstoff oder mit integriertem UV-Schutz gehören zu jedem Sommer-Outfit dazu. Genauso wichtig, aber gern vergessen: ­UV-Schutz für die Augen.

Da ­Babys und Kleinkinder noch grö­­ßere Pupillen haben, kann auch mehr ­UV-Licht auf die Netzhaut gelangen. Babys im Kinderwagen sind gut geschützt, wenn ein leichtes Tuch den direkten Blick in die ­Sonne verhindert, die älteren tragen ­eine Sonnenbrille mit UV-Schutzgläsern oder Schirmmützen.

Sicher planschen

Was macht den Kleinen im Sommer am meisten Spaß? Genau, im Wasser planschen. Hier sorgt spezielle Kleidung mit UV-Filter für ausreichenden Schutz. Beim Planschbecken im Garten, am See oder am Meer gilt grundsätzlich: das Kind nie al­leine lassen. Hebamme Jahn-Zöhrens warnt: ,,­­Jedes Jahr sterben Babys und Kleinkinder bei Wasserunfällen, weil ­Eltern ­ihre Kinder nur kurz nicht im Blick hatten."

Kleine Freibad-Fans werden nach dem Planschen im Chlor­wasser gründlich abgeduscht, da Chlor in Verbindung mit Schweiß und Urin Hautreizungen verur­sachen kann. Wer lieber am See baden geht, informiert sich vorher bei der Gemeinde über die Wasser- und Badequalität.

Mücken und Wespen haben jetzt Hochsaison. Doch gerade die Kleinen sollten vor ihren Stichen geschützt werden. Liegt das ­Baby im Kinderwagen, ­­eignen sich Moskito­netze sehr gut, läs­tige Insekten fernzuhalten. Ist das ­­Kleine bereits mobil, schützen spe­zielle Sprays vor Mücken­stichen. ,,Es gibt Mückensprays, die schon für Säuglinge zugelassen sind und meist aus Beimischungen von ätherischen Ölen bestehen‘‘, erklärt Apothekerin Nettersheim. Manchmal genügen ein paar Tropfen des Sprays auf der Kleidung, um die Insekten zu vertreiben.

Immer wieder trinken

Hitze macht durstig. Das gilt auch für Säuglinge, die gestillt werden. Reicht aber die Muttermilch bei Sommerhitze aus? ,,Im Normalfall ja, auch wenn ein Baby an heißen Tagen häufiger gestillt wird. Meist verlangt es von sich aus mehr Flüssig­keit. Es trinkt dann öfter, dafür aber jeweils weniger‘‘, erklärt die Hebamme aus dem Schwarzwald. Ob das Baby genügend trinkt, kontrollieren Eltern am Urin: Er sollte klar und die Menge wie gewohnt sein. Ist der Urin aber dunkel und die Windel seltener voll, bieten Eltern ihrem ­­Baby zusätzlich Wasser oder ungesüßten Tee an.

Gut schlafen

Wenn es drinnen fast ­genauso heiß ist wie draußen, erscheint einem nachts jedes Kleidungsstück zu viel am Körper. Das gilt aber nicht für Säuglinge. Sie können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren und sollten deshalb nicht unbekleidet schlafen. ,,Außer­dem mögen Säuglinge bis zum ­­Alter von ­circa vier Monaten die ­totale Hüllen­losigkeit meist nicht", sagt Hebamme Jahn-Zöhrens. Für ­einen ­sicheren und ruhigen Schlaf ziehen Eltern ihrem Baby am bes­ten ­einen dünnen Body und eventuell einen leichten Sommerschlafsack an. Für eine sanfte Abkühlung sorgt auch eine kurze handwarme Dusche vor dem Einschlafen.


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