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Laufrad und Roller fürs Kind: Was gibt es zu beachten?

Rutscher, Laufrad und Roller fördern die Motorik. Was wann geeignet ist, hängt von Interesse und Entwicklungsstand des Kindes ab. Eltern sollten auf die Verkehrssicherheit achten

von Marian Schäfer, aktualisiert am 05.08.2019
Laufrad

Wer sich früh auf dem Laufrad übt, der hat es später beim "richtigen" Fahrrad leichter


Zusammenfassung:

  • Altersgerechte Fahrzeuge eignen sich gut, um Motorik und Bewegungsdrang bei Kindern zu fördern.
  • Leichte Rutscher können schon für Babys geeignet sein.
  • Meist fahren Kinder erst Laufrad und dann Roller – wann sie damit anfangen, hängt vom Entwicklungsstand ab.
  • Die Gefährte sollten die passende Größe haben sowie über Luftreifen verfügen. Kinder sollten unbedingt einen Helm tragen.
  • In jedem Fall müssen Eltern nah am Kind bleiben, ihm die Verkehrssituation erklären und bei Gefahr eingreifen.

Wolfgang Scheid erinnert sich noch gut an seine Kindheit. Vor allem daran, dass er oft auf der Straße vor dem Haus spielte. "Meine ­Kinder", sagt Scheid, "konnten das schon nicht mehr – auf derselben Straße." Wo er noch spielte, parkten und fuhren nun Autos.

Wolfgang Scheid ist Vorsitzender des Fachausschusses Pädiatrie im Deutschen Verband der Ergotherapeuten. Er wundert sich nicht über Ergebnisse, wie sie zuletzt das zur KiGGS-Studie gehörende "Motorik-­­Modul" zutage förderte: 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen ­bewegen sich demnach zu wenig.

"Die Räume, in denen sie das tun könnten, werden auch immer ­kleiner", kritisiert Scheid. Er kennt die ­Folgen nicht nur aus Studien, sondern erlebt sie auch in seiner Praxis in Kaiserslautern: Kinder, deren Gleichgewichtssinn wenig ausgeprägt ist, die Probleme haben, Arme und Beine koordiniert zu bewegen, denen einfache motorischen Bewegungsabläufe Schwierigkeiten bereiten. "Diese körperliche Unsicherheit", sagt Scheid, "führt dann nicht selten auch zu einer grundsätzlichen Selbstunsicherheit bei den Kindern."

Den Fahrzeug-Trieb nutzen

Fehlende Bewegung hemmt sie in ihrer Entwicklung also insgesamt – und um dem entgegenzuwirken, greift der Ergotherapeut gerne zu rollenden Mitteln: zu Laufrädern, Rollern und Fahrrädern. "Die sind super, um Kinder motorisch, koordinativ, in ihrem Gleichgewichtssinn und in ihrer Geschicklichkeit zu fördern", sagt Scheid. Vom gesundheitlichen Nutzen ganz zu schweigen.

Sabine Huck sieht das ähnlich. Sie leitet den Bereich "Kinder und ­Familien" beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Baden-Baden/Rastatt und ist Initiatorin eines Rollerprojekts, mit dem der ADFC seit einigen Jahren von Kita zu Kita tourt. "Wir schulen die Kinder damit nicht nur motorisch, sondern motivieren sie auch, den Weg zur Kita zu rollern", sagt Huck.

Sie ist im Hauptberuf Geschäftsführerin von drei Kitas und erlebt, dass Kinder oft mit dem Auto gebracht werden. Huck plädiert dafür, dass Eltern jede Möglichkeit zur Bewegung nutzen – und dabei auch auf einen natürlichen "Trieb" der Kinder setzen: "Sobald sie laufen können, entwickeln die meisten ein Interesse an Fahrzeugen", sagt Huck. "Und zum Glück können wir ihnen immer früher Angebote machen."

Der Rutscher als Einstieg

Tatsächlich gibt es längst nicht mehr nur klobige Rutschautos, sondern auch leichte und schlanke Rutscher, die selbst von einem zehn Monate alten Baby problemlos bewegt werden ­können. "Schon die Kleinsten haben großen Spaß daran, sich mit den Füßen anzuschubsen", sagt auch Ergotherapeut Wolfgang Scheid.

Auf diese Weise schulen sie früh einen Bewegungsablauf, der später fürs Laufrad wichtig wird, bauen Beinmuskulatur auf und machen erste Erfahrungen mit der Lenkung. "Mit dem Laufrad trainieren sie dann auch das Gleichgewicht", sagt Scheid.

Im Vergleich zum Rutscher ist die sogenannte Unterstützungsfläche beim Laufrad deutlich kleiner. Die Kinder sitzen mit dem Po zwar noch auf, pendeln beim Fahren aber hin und her. "Augen, Hände, Beine, das Innenohr als Gleichgewichtsorgan – da greift alles ineinander, und die Bewegungen müssen fein abgestimmt sein", sagt der Ergotherapeut.

Beim Roller wird die Unterstützungsfläche dann noch kleiner, der Gleichgewichtssinn noch wichtiger – und ein sicherer Einbeinstand zur Voraussetzung: "In der Regel fahren Kinder deshalb erst Laufrad und dann Roller", sagt Scheid.

Rutscher, Laufrad, Roller, Fahrrad – das ist sozusagen die Evolution der Kindermobilität. "Entscheidend ist aber, was das Kind möchte", sagt Sabine Huck. Sie rät, Fahrzeuge nie aufzudrängen – und nicht auf starre Altersgrenzen zu setzen. "Letztlich richtet sich alles am Entwicklungsstand des Kindes aus", sagt Huck.

Und der kann sehr unterschiedlich sein: Manche fahren mit zwei Jahren bereits Fahrrad, während andere noch den Wechsel vom Laufrad auf den Roller scheuen. "Zu beachten ist natürlich, dass die Kinder mit einem Fahrrad in der Regel schneller unterwegs sind als mit einem Laufrad – und ein Zweijähriger unberechenbarer fährt als ein Vierjähriger", sagt Sabine Huck.

Eltern sollten immer eingreifen können

Verkehrssituationen vollständig einschätzen, sagt Huck, können Kinder erst mit zehn bis zwölf Jahren. Was nicht heißt, dass Eltern mit ihnen die tägliche Strecke etwa zur Kita vorher nicht mit Fahrrad, Laufrad oder Roller zurücklegen können. "Im Gegenteil: Sie sollten Kindern frühzeitig zeigen, wie zum Beispiel Straßen überquert oder Ampelübergänge genutzt werden", sagt Sabine Huck. Eltern fahren oder laufen dafür mit den Kindern auf ausgewählten Gehwegen, und zwar so nah bei ihnen, dass sie – vor allem bei den Kleinsten – immer eingreifen können.

Das Fahren an sich üben Eltern vorher am besten spielerisch: "Viel Spaß macht es, durch aufgestellte leere Plastikflaschen Slalom oder über kleine Rampen aus Brettern zu fahren", erzählt Sabine Huck von Übungen, die auch bei ihrem Rollerprojekt an der Tagesordnung sind. Ebenfalls beliebt seien Bremsübungen. "Einfach zwei Seile auf den Boden legen: Beim ersten Seil müssen die Kinder beginnen zu bremsen, um beim zweiten dann zum Stehen zu kommen. So entwickeln sie ein Gefühl für Geschwindigkeit und Bremsweg." Huck empfiehlt auch, auf unterschiedlichen Untergründen zu fahren, über Sand, Matsch oder Kieselsteine.

Luftreifen sind sicherer

Apropos Kieselsteine: Manchmal reichen schon wenige davon, um ordentlich auf die Nase zu fallen. "Gerade bei Rollern mit kleinen Rädern", sagt Sabine Huck. Während die Reifen von Laufrädern oft groß und mit Luft gefüllt sind, werden bei Rollern nicht selten nur kleine Kunststoffrollen verbaut. "Von diesen Modellen rate ich ab", betont Sabine Huck. Auch Roller sollten über größere Luft­reifen verfügen. Diese Modelle sind zwar etwas teurer, dafür aber sicherer. Zudem halten sie länger, auch weil sie in der Größe oft sehr flexibel einstellbar sind. "In der Regel sind sie auch mit einer guten Bremse ausgestattet, was wichtig ist", so die ADFC-­Expertin Huck.

Die richtige Größe wählen

Bei Rutschern und Laufrädern können Eltern eigentlich nicht viel falsch machen – solange sie nicht die billigsten Plastikgefährte kaufen. "Hier gilt, was für alle Fahrzeuge gilt: Möglichst leicht sollten sie sein und die Kinder mit den Beinen auf den Boden kommen können", sagt Huck. Während es Rutscher oft nur in einer Größe gibt, werden Laufräder oft in unterschiedlichen Abmessungen angeboten.

Etwas komplizierter wird es dann beim Fahrrad. Eltern, die selbst viel Rad fahren und sich gut auskennen, orientieren sich zum Beispiel an den Empfehlungen zu Radgrößen und zur Sitzhaltung des ADFC (Broschüre "Fahrradkauf kinderleicht"). "Ich empfehle, beim Radhändler seines Vertrauens um Rat zu fragen. Ein Fahrrad muss hundertprozentig passen, ansonsten macht es den Kindern keinen Spaß", sagt Sabine Huck. Viele Händler würden auch gute gebrauchte Räder verkaufen: "Eine Möglichkeit, Geld zu sparen, sind auch Radbörsen, die etwa der ADFC in vielen Städten organisiert und bei denen viele Händler mitmachen."

Fest steht: Die Räder müssen verkehrssicher sein, also über gute Bremsen (Rücktrittbremse!), Lichter und Reflektoren verfügen. Und: keine Stützräder haben. "Die sind nur nachteilig – und absolut überflüssig", sagt Ergotherapeut Scheid. Zumal wenn die Kinder zuvor schon gerutscht und gerollert sind.

Mit gutem Beispiel voran

Für rutschende, rollernde und fahrende Kinder ist der Helm Pflicht – und sollte auch für Eltern eine Selbstverständlichkeit sein. Immerhin zeigen Studien der Unfallforschung, dass Helmträger ein bis zu 60 Prozent geringeres ­Risiko für schwere Kopf- und tödliche Hirnverletzungen haben.

Der Helm muss der Norm DIN EN 1078 entsprechen und sollte das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit tragen.


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