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Kolumne: Die Sache mit dem Hasen

Die romantische Osteridylle kennt Autorin Sandra Schmid nur aus ihrer Kindheit. Ostern in der Stadt zu feiern, wird für sie und ihre Tochter Marlene jedes Jahr zum Spießrutenlauf

von Sandra Schmid, aktualisiert am 25.03.2013
Osterhase

Entspannte Ostern? In der Stadt unmöglich, meint Sandra Schmid


Ich feiere für mein Leben gern. Traditionelles Essen, viele Menschen, geliebte Rituale. Geburtstage, Weihnachten, Fasching – großartig! Nur für Ostern kann ich mich einfach nicht erwärmen. Schon gar nicht in der Stadt.

Das liegt im Übrigen nicht daran, dass meine Tochter Marlene nicht mehr an den Osterhasen glaubt. Auch nicht daran, dass ich mich bereits ab Mitte Januar von Schokoeiern im Supermarktregal regelrecht belästigt fühle. Wahrscheinlich mag ich Ostern nicht, weil ich schon als Kind Osterspaziergänge gehasst habe und aus dem Osterfladen immer die Rosinen rauspulen musste. Kindheitstrauma mit Hasenohren quasi. Aber das wollte ich nicht an meine Tochter weitergeben. Also nichts wie rein in die Oster-Event-Maschinerie...

Survival of the Fittest

In Ermangelung eines Gartens sind wir in der Stadt auf öffentliche Grünanlagen angewiesen. Vor drei Jahren haben wir beim organisierten Ostereiersuchen im Münchener Olympiapark mitgemacht. Ich kann Ihnen sagen: Darwin hätte seine helle Freude an diesem Spektakel gehabt: "Survival of the Fittest" in seiner schönsten Form. Marlene, damals drei Jahre alt, musste sich auf der Eiersuche gegen die sechsjährigen Osterkämpfer aus der ersten Klasse geschlagen geben. Kein einziges Ei für meine Tochter! War ich sauer! Darwin konnte mich mal gern haben. Wir gingen dann auf Bärlauchsuche im Englischen Garten und fanden Unmengen. Immerhin.

Das Jahr darauf: Tierpark. Was wir erlebten, erinnerte sehr an das Szenario vom letzten Jahr. Nur mit noch mehr Kindern. Und natürlich Tieren, die beobachten durften wie engagierte Eltern gebückt von Giraffengehege zum Affenkäfig hetzten, damit der kleine Pascal sein gefärbtes Bio-Ei nicht selbst suchen und finden musste. Außerdem gab’s Kinderschminken im Gehege und eine spektakuläre Eierausstellung. Nein, dachte ich, das kann Ostern auch nicht sein!

Viel zu gelbes Osterlamm

Dann letztes Jahr ab an die Isar. Keine großen Jungs, die kleinen Mädchen die Nester klauen. Kein Kinderschminken. Kein Trubel. Irgendwo ganz idyllisch am Fluss fanden wir ein kleines Stückchen Grün. Dort standen bereits die ersten Schneeglöckchen, die Sonne schien. Perfekt! Die Oster-Vorhut war schon fünf Minuten früher da, um die Nester zu verstecken. Fünf Minuten, was kann in der Zeit schon passieren? Schließlich gab es keine Pascals weit und breit.

Aber dafür ziemlich viele Bellos und Bonnys im Gassi-Paradies. Ich will nicht ins Detail gehen, aber das sorgfältig überzuckerte Osterlamm war letztendlich sehr viel gelber als es sein sollte. Und die braunen Haufen neben dem Osternest waren keine ausgepackten Schokoeier. Seitdem bin ich für absolute Leinenpflicht an Ostern. Und überhaupt noch resignierter, was diesen Feiertag angeht. Kein City-Ostern mehr. So viel steht fest.

Nie wieder Oster-Event!

Dieses Jahr fahren wir zu meinen Eltern aufs Land. Die haben noch nie in ihrem Leben was von einem Osterbrunch oder kollektivem Egg-Searching gehört. Dort gibt es 30 Jahre alte Plastikeier mit aufgeklebten Vorhangkordeln, die an den Palmkätzchenzweigen hängen. Nachmittags gibt’s Osterfladen, aus dem Marlene und ich die Rosinen rauspulen werden. Und dann wird sie motzen, weil sie anschließend keinen Osterspaziergang machen will. Wie ich damals. Aber wir werden endlich mal entspannte Ostern haben.


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