Check: Welches Haustier passt zu uns?

Kinder können viel lernen, wenn sie ein Haustier haben. Aber nicht für jede Familie ist jedes Tier ideal. Eine Entscheidungshilfe

von Annett Zündorf, Larissa Gaub, aktualisiert am 30.05.2017

Kuschelige Entspannungshilfe: Ein Tier mindert Ängste und baut Stress ab


Dieser Satz fällt irgendwann in jeder Familie: "Mama, Papa, ich möchte ein Haustier!" Dazu ein Kind, das mit flehenden Augen ausdrückt, dass es keinen größeren Wunsch hat als einen kuscheligen Gefährten. Eltern stürzt dieser Satz oft in nächtelange Diskussionen. Soll man, soll man nicht?

Eine Entscheidungshilfe bietet unser Haustier-Check – und die darunter stehenden Ratschläge der Experten:

Es spricht viel für ein Haustier

"In Familien, in denen ein Haustier lebt, entwickeln die Kinder mehr soziale Kompetenzen, sie können sich besser in andere einfühlen", sagt Dr. Andrea Beetz. Die Wissenschaftlerin forscht an den Universitäten Rostock und Wien zur Beziehung zwischen Mensch und Tier. "Ein Tier mindert Ängste und baut Stress ab", sagt sie. Denn ein kuscheliger Gefährte und Vertrauter gibt Sicherheit. Ihm kann man Geheimnisse anvertrauen und ins Fell weinen, wenn Eltern oder Mitschüler doof waren.

Wie wichtig Tiere schnell werden, zeigen Bilder, die Kinder von ihren Familien malen – da sind Terrier Knuffel oder Katze Pünktchen immer dabei. Während die einen bei der Diskussion mit den Eltern einfach auf ein kuscheliges Tier zum Spielen und Knuddeln hoffen, verlangen an­dere gezielt nach Katze, Wellensittich oder Pony. Doch jede Familie braucht das zu ihr passende Tier. Deshalb sollten alle gemeinsam entscheiden.

Welches Tier passt zu uns?

"Ein Tier muss täglich gefüttert und gepflegt werden", sagt ­Kathrin Feldbrügge vom Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft. "Ist dafür Zeit und Raum?" Diese Frage sollte man sich ehrlich beantworten. Immerhin wird ein Hund für etwa 15 Jahre zum Hausgenossen und Familien­mitglied. "Fragen Sie sich zuerst, wofür Sie ein Tier wollen – zum Kuscheln, zum Draußensein oder zum Beob­achten", rät Feldbrügge. "Und überlegen Sie, was die Familie für das Tier tun kann!"

So sollte etwa ein Hund nicht länger als vier bis sechs Stunden am Stück alleine sein. Er sollte über den Tag verteilt mindestens zwei Stunden laufen und springen. Dazu kommen Füttern, Fellbürsten und regelmäßige Tierarztbesuche zum Impfen, Entwurmen oder auch mal, um eine Verletzung zu versorgen. Das Futter kostet je nach Größe des Hundes um die 60 Euro im Monat, dazu kommt die Hundesteuer.

Putzige Tiere brauchen liebevolle Pflege

"Kleine Kinder können zwar unglaublich vom Umgang mit Hunden profitieren, Verantwortung übernehmen geht aber noch nicht", sagt Feldbrügge. Erst mit etwa zwölf Jahren, wenn sie das Tier in jeder Situation halten können, dürfen Kinder alleine mit dem Hund losziehen. Anders bei Meerschweinchen oder Kaninchen: Die Wasser­schale füllen oder Futter geben, das schaffen schon die Jüngeren. Die Kleintiere kosten auch weniger, aber "auch Meerschweinchen und Kaninchen brauchen täglich Freilauf", sagt Feldbrügge. Und: Kinder nicht mit den Tieren alleine lassen, denn diese schätzen es nicht, auf dem Arm geherzt und gedrückt zu werden. Beide Tierarten werden zwar gern gemeinsam gehalten, mögen sich aber überhaupt nicht. Besser ist es, zwei Kaninchen oder zwei Meerschweinchen zu kaufen. Alleine verkümmern die Tiere, denn sie sind Rudeltiere und der Mensch kann kein Ersatz sein. "Je besser ein Tier gehalten wird, des­to zutraulicher wird es und des­to entspannender wirkt es auf die gesamte Familie", sagt Feldbrügge.

Eine Allergie muss kein K.o.-Kriterium sein

Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Contraseite sind oft Allergien. Beruhigend: ­Eine Langzeitstudie US-amerikanischer Wissenschaftler zeigte jetzt, dass Kinder aus Haushalten mit Tieren nicht häufiger an Allergien erkranken als andere. "Es gibt Hin­weise, dass ein Tier im Haushalt sogar vor Allergien schützen kann", sagt ­Beetz.

Auch wenn Eltern oder Kinder bereits an einer Tierhaarallergie leiden, muss die Familie nicht ­immer auf Tiere verzichten. ­Beetz rät zum Test: "Es kann sein, dass man zum Beispiel nur auf Katzen- und nicht auf Hundehaare allergisch reagiert." Die als hypo­allergen geltenden Hunderassen wie Labradoodle und Pudel sind dagegen nicht unbedingt eine Hilfe. "Sie verlieren zwar kein Fell, aber auf ihren Speichel kann man ebenfalls allergisch re­agieren", so Beetz. Sollte eine Aller­gie ­einen haarigen Hausgenossen ausschließen, kann ein Aquarium ­eine Alternative sein. Mit Fischen lässt sich zwar schlecht kuscheln, Kinder beobachten die bunten Wasserbewohner aber gern. Schildkröten sind ebenfalls nette Mitbewohner. Von anderen Reptilien raten die Expertinnen ab. Sie schließen sich dem Menschen kaum an, sind unbe­rechenbar und übertragen Hautpilze oder Salmonellen.

Auch süße Hunde und Katzen können Würmer oder Krankheiten wie etwa Toxoplasmose übertragen. Deshalb gilt immer: regelmäßig Hände waschen, Tier einmal im Jahr vom Tierarzt untersuchen lassen, Wunden vor dem Kontakt mit Tieren abdecken. Das Tier darf nicht mit ins Bett. Und Eltern sollten gerade kleine Kinder grundsätzlich nicht mit Tieren ­allein lassen. Selbst ein gutmütiger Knuddelhund mag kein Schwanzgezerre und Ohrenziepen.

Mit Pflegetieren lässt sich üben

Um zu testen, ob die Begeisterung des Kindes nur ein Stroh­feuer ist, kann man in den Ferien die ­Katze oder die Meerschweinchen der Nachbarn betreuen oder den Hund von Freunden in Pflege nehmen. "Meist zeigt sich schnell, ob es sich beim Wunsch nach einem Haustier nur um die bei allen Kindern vorhandene spontane ­Liebe zum Tier handelt oder ob der Nachwuchs echtes Interesse hat", sagt Feldbrügge. Und wenn ­alle Antworten positiv ausfallen und die Kinder immer wieder drängeln – die Eltern aber einfach keine Lust auf ein Tier haben: Dann sollten sie den Bitten der Kinder nicht nachgeben und auf keinen Fall ein Tier anschaffen. "Lieber kein Tier als ein schlecht gepflegtes", sagt Expertin Beetz.


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