Wie der Staat Eltern finanziell unterstützt

Kindergeld, Elterngeld, Mutterschaftsgeld ... – Familien mit Kindern bekommen verschiedene staatliche Leistungen. Dafür müssen Sie sich durch einige Anträge kämpfen. Ein Überblick

von Silke Becker & Daniela Frank, aktualisiert am 03.01.2018

Kiindergeld, Elterngeld, Freibeträge: Der Staat zahlt Eltern verschiedene Zuschüsse


Der Bund gibt jährlich eine stattliche Summe für Familien aus: Im Jahr 2012 waren es rund 128,9 Milliarden Euro, verteilt auf 150 familienbezogene Leistungen.

Junge Eltern stehen vor der Herausforderung, sich in diesem Förderdschungel zurechtzufinden. Wir haben uns durch das Dickicht gearbeitet und die wichtigsten Leistungen zusammengestellt. Für alle, die mehr wissen wollen, empfiehlt sich das Informationsportal Familien-Wegweiser.de.

Finanzielle Unterstützung für alle Eltern

Unabhängig vom Einkommen haben alle frischgebackenen Eltern Anspruch auf Kindergeld. Für die ersten beiden Kinder gibt es 194 Euro monatlich, für das dritte 200 Euro, für jedes weitere Kind 225 Euro. Das Geld erhält man auf Antrag bei der örtlichen Familienkasse. Bei höherem Einkommen ist der Kinderfreibetrag finanziell lohnenswerter. Das Finanzamt prüft automatisch, mit welcher Variante sich die Familie besser stellt. Mehr Infos zum Kindergeld.

Väter und Mütter, die nicht oder nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeiten, erhalten maximal 14 Monate lang volles Elterngeld oder 28 Monate lang ElterngeldPlus – inklusive Partnerschaftsbonus sogar bis zu 36 Monate lang. Das ElterngeldPlus soll einen schnelleren Einstieg in die Teilzeitarbeit ermöglichen: Der Elternteil erhält monatlich die Hälfte des Elterngeldes, das er bekommen würde, dafür aber doppelt so lange. Beide Leistungen sind miteinander sowie mit dem Partnerschaftsbonus kombinierbar.

Die Höhe hängt vom vorherigen Nettoeinkommen ab und beträgt zwischen 300 (Mindestsatz für Elternteile, die zuvor nicht gearbeitet haben) und 1.800 Euro. Ihren Elterngeldanspruch können Sie mit diesem Rechner selbst ermitteln. Mehr Infos zum Elterngeld.

Verheiratete aufgepasst! Bei der Berechnung des Nettos zählt seit 1. Januar 2013 die Steuerklasse, die zwölf Monate vor der Geburt mindestens sieben Monate lang bestanden hat. Das heißt: Wer die Steuerklasse wechseln will, muss dies frühzeitig tun! Welche Steuerklasse das höchste Netto bringt, können Sie unter www.bmf-steuerrechner.de ausrechnen.

Finanzielle Unterstützung für Berufstätige

Sobald der Chef von der Schwangerschaft weiß, gilt für berufstätige werdende Mütter der Mutterschutz inklusive Kündigungsschutz. Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung wird in der Regel Mutterschaftsgeld gezahlt.

Aber Achtung! Die Zahlung wird auf das Elterngeld angerechnet. Ansprechpartner ist bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse (gilt nicht für Familienversicherte!), ansonsten das Bundesversicherungsamt. Ist Letzteres zuständig, wird das Mutterschaftsgeld nicht auf das Elterngeld angerechnet. Beamtinnen erhalten normalerweise nichts, weil ihre Bezüge weiterlaufen. Mehr Infos zum Mutterschutz.

Gut zu wissen: Der Nachwuchs senkt wegen der Kinderfreibeträge das zu versteuernde Einkommen der gesamten Familie – dadurch haben frischgebackene Eltern oft (wieder) Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage und/oder Wohnungsbauprämie.

Finanzielle Unterstützung für Alleinerziehende

Alleinerziehende erhalten kaum zusätzliche Hilfen. Immerhin zahlen sie weniger Steuern – für sie gilt ein zusätzlicher Entlastungsbetrag von 1908 Euro pro Jahr. Er erhöht sich bei jedem weiteren Kind um 240 Euro. Außerdem gibt es bei einigen staatlichen Leistungen Zuschläge – etwa beim Arbeitslosengeld oder dem Meister–BAföG.

Zahlt der Expartner nicht oder nur teilweise für das Kind, kann man beim Jugendamt einen Unterhaltsvorschuss beantragen. Er beträgt je nach Kindesalter zwischen 154 und 273 Euro. Das Geld holt sich das Amt später beim Expartner wieder. Mehr Infos für Alleinerziehende.

Finanzielle Unterstützung für Geringverdiener

Mit der Geburt des Kindes ändern sich die Freibeträge und Einkommensgrenzen für viele Leistungen. Man sollte daher bei der örtlichen Behörde prüfen lassen, ob man jetzt Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein oder auf Wohngeld hat. Bei Letzterem werden Kindergeld und Kinderzuschlag sowie die ersten 300 Euro Elterngeld nicht angerechnet.

Bei einem geringen Einkommen besteht außerdem oft ein Anspruch auf einen Kinderzuschlag von bis zu 170 Euro pro Kind. Bedingung: Das Einkommen beträgt mindestens 900 Euro (für Paare) oder 600 Euro (für Alleinerziehende), Höchstgrenzen ermittelt das Amt. Ansprechpartner ist die örtliche Arbeitsagentur.

Familien, die Kinderzuschlag oder Wohngeld bekommen, profitieren zudem vom Bildungs– und Teilhabepaket, bei dem beispielsweise Zuschüsse zum Mittagessen in Kita und Hort gezahlt werden. Mehr Infos gibt es beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Finanzielle Unterstützung für Auszubildende

Wenn sich der Nachwuchs während des Studiums einstellt, erhöht das die Einkommensgrenzen für das BAföG um 520 Euro – deshalb sollte man die Berechtigung erneut prüfen. Zusätzlich zum BAföG gibt es einen Zuschuss von 130 Euro monatlich für jedes Kind unter zehn Jahren. Auch beim Meister–BAföG bekommen Eltern mehr Geld.

Auszubildende haben einen Anspruch auf Mutterschaftsgeld und Elterngeld. Die Wochenstunden, die für die Ausbildung aufgewendet werden, sind dabei nicht begrenzt. Außerdem entsteht durch das Kind eventuell ein Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe. Mehr Info und Rechner gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

Wenn das Geld nicht reicht, können Studenten und Azubis für das Kleine bei der Arbeitsagentur Sozialgeld beantragen. In bestimmten Fällen gibt es auch den Kinderzuschlag und/oder Wohngeld.

Steuerfreibeträge für Eltern

Neben dem Kindergeld beziehungsweise dem Kinderfreibetrag können sich junge Eltern vor allem Betreuungskosten steuerlich anerkennen lassen. Sie können zwei Drittel der Kosten, maximal aber 4000 Euro pro Jahr und Kind, als Werbungskosten absetzen. Bei erwerbstätigen Alleinerziehenden und Paaren, bei denen beide arbeiten, gilt das für Kinder bis zum 14. Lebensjahr.

Und: Finanziert der Arbeitgeber die Kinderbetreuung, ist sie für die Eltern steuerfrei, für das Unternehmen sozialabgabenfrei. Eltern sollten mit ihren Arbeitgebern sprechen.


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