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Warum Mütter oft überlastet sind

Pausenlos rotieren viele Mütter zwischen Beruf, Kind und Haushalt und managen oft alles im Alleingang – das stresst und frustriert. Wie Sie mehr Gerechtigkeit in die Aufgabenverteilung bringen

von Beatrice Sobeck, 10.12.2019

Warum muss eigentlich ­immer ich mich um alles kümmern? Geht Ihnen dieser Satz häufiger durch den Kopf? Kein Trost, aber Realität: "Sie sind nicht allein", sagt Helen Heinemann, Inhaberin des Instituts für Burn­-out-Prävention in Hamburg. Väter engagieren sich heute viel mehr als früher in der Familie. Und trotzdem machen, statistisch betrachtet, ­Frauen neben dem Job in der Regel mehr im Haushalt als Männer – ganz besonders, wenn Kinder unter sechs Jahren zur Familie gehören. Zudem übernehmen sie oft noch die Verantwortung, damit der "Laden" läuft. U-Termine, Kita-Ausflug, Verabredungen, Elternabende – ­Mama regelt alles. Und ­immer schön zuverlässig.

Was sind die Ursachen für die ungerechte Aufteilung?

Geplant war das so bei den wenigsten. Wie rutschen wir Frauen dann dennoch so oft in die Rolle der Alles­macherin? "Da kommen mehrere Dinge zusammen. Bei sehr vielen Paaren, die ich begleitet habe, spielten eigentlich immer dieselben Ur­sachen eine Rolle", so die Gesundheitsberaterin Heinemann.

Ursache 1: Mit der Elternzeit schlittern Paare häufig zurück in die klassische Rollenverteilung. Sie bleibt zu Hause und kümmert sich um Kind und Haushalt. Er verdient das Geld. Für die Dauer der Elternzeit mag das auch in Ordung sein. "Nur gewöhnen sich Paare sehr schnell an diese Verteilung, die Strukturen fahren sich fest und bleiben dann bestehen, wenn auch sie wieder arbeitet", so Heinemann – erst recht, wenn nur sie ihre Arbeitsstunden reduziert. Die meisten Paare schaffen es Heinemanns Meinung nach nicht, an die Absprachen anzuknüpfen, die sie einst während der Schwangerschaft getroffen hatten.

"Im Idealfall setzen Sie sich schon in der Schwangerschaft mit dem Thema auseinander und klären mit dem Partner, wie das Leben als Familie aussehen kann", rät Kirsten Frohnert, Projektleiterin des Netzwerks "Erfolgsfaktor Familie" in Berlin. Das Netzwerk unterstützt Betriebe dabei, familien­­freundlicher zu werden.

Laut Erfahrungen aus dem Netzwerk können es sich Unternehmen durch den Fachkräftemangel kaum noch leisten, gut ausgebildete Frauen auf Dauer zu verlieren. "Das ist vor allem eine Chance für Mütter, sich diese Entwicklung zunutze zu machen. Seien Sie mutig, aber auch gut vorbereitet", sagt Frohnert. Die Unternehmen hätten ein Interesse daran, dass ihre qualifizierten Mitarbeiterinnen nach der Babypause schnell zurückkommen und ein Umfeld vorfinden, in dem sie motiviert arbeiten können, so die Projektleiterin. Frauen bleiben heute viel kürzer zu Hause, im Durchschnitt etwa 16 bis 18 Monate. Vor 20 Jahren waren es noch sechs bis acht Jahre.

Ursache 2: Berufstätige Mütter haben oft einen enorm hohen Anspruch an sich selbst. Im Beruf wollen sie etwas erreichen und engagieren sich. "Gleichermaßen wollen sie eine perfekte Mutter sein", so die Beraterin. Also organisiert Mama Spielenachmittage, bereitet tolle Kindergeburts­tage vor, verpasst keinen Tanz­auftritt und kein Fußballspiel.

Hinzu kommen die Erinnerungen an die eigene Kindheit. "Alles soll so schön sein wie damals. Früher haben die Mütter das doch auch geschafft, sagen viele Frauen", so Heinemann. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die Frauen damals – zumindest in den alten Bundesländern – oft nicht gearbeitet haben.

Ursache 3: "Mit der Geburt des Kindes entwickeln Frauen in der Regel ein größeres Bedürfnis nach Für­sorge", beobachtet Heinemann. Männer bleiben eher pragmatisch und lassen sprichwörtlich auch mal ­Fünfe ge­rade sein. "­­Diese Unterschiede zeigen sich etwa bei Diskussionen, ob auch unter der Couch Staub gesaugt werden soll oder warum er ein Mischbrot statt des Vollkorn-Rübli-­Brots gekauft hat", sagt die Beraterin. "Hier muss man ganz klar kommunizieren, was einem wichtig ist und warum." Beide müssen sich mit den unterschied­lichen Auffassungen auseinander­setzen und ­einen gemeinsamen ­Nenner finden. Hält die Mehrfachbelastung an, wächst der Frust, und die Gefahr besteht, dass er sich irgendwann zunehmend gegen den Partner richtet.

Wie kann die Arbeit gerechter verteilt werden?

"Gehen Sie die Aufgabenverteilung noch einmal neu an, und machen Sie eine Bestandsaufnahme", rät die Expertin. In drei Schritten erklärt sie ­einen möglichen Ansatz.

Schritt 1: Aufgaben erfassen
Notieren Sie auf Karteikarten alle im Haushalt anfallenden Arbeiten – jede Tätigkeit auf eine eigene Karte. Schreiben Sie auch dazu, wie oft die Arbeit anfällt und wie viel Zeit sie beansprucht (zum Beispiel Bügeln: 1 x in der Woche – 2 Stunden). "Der Partner macht es genauso mit seinen Aufgaben, denn oft gibt es ­Dinge, die er macht, die sie aber nicht wahrnimmt", so Heinemann.

Schritt 2: Aufgaben sortieren
Die beschrifteten Karteikarten sortieren Sie nun gemeinsam in folgende Kategorien:
 - Arbeiten, die gern erledigt werden
 - Arbeiten, die akzeptabel sind
 - Arbeiten, die keiner machen mag

Schritt 3: Aufgaben verteilen

Beginnen Sie mit der ersten Kategorie und verteilen Sie die Aufgaben untereinander. Berücksichtigen Sie dabei Häufigkeit und Zeitfaktor.

Nach dem gleichen Prinzip verteilen Sie auch die Aufgaben aus Kategorie zwei.

Bei den unbeliebten Aufgaben gilt es zu überlegen, ob sich zumindest ein Teil davon auslagern lässt. "Der häufigste Einwand ist oft ‚Das können wir uns nicht leisten‘. Etwa weil ein Haus abbezahlt werden muss", so Heinemann. Trotzdem rät sie, genau zu überlegen, ob es nicht wo­anders Einsparpotenzial gibt. Und ob die Familie nicht mehr davon hat, wenn eine Haushaltshilfe im Alltag entlastet und etwa die Bügel­wäsche oder das Fenster­putzen übernimmt. Heinemann empfiehlt, im oben genannten Beispiel auch durchaus die ­Höhe der Kredit­raten zu prüfen. "Was nützt das abbe­zahlte Haus, wenn währenddessen das Zusammenleben ständig von Streit und Frust begleitet wird?", gibt sie zu bedenken.

Auch die Partnerschaft, die im Alltag zwischen Beruf, Haushalt und Kind meist auf der Strecke bleibt, profitiert von einem Ent­las­tungs­system. "Wenn Sie zweifeln, stellen Sie sich bitte folgende Fragen: Woran soll sich Ihr Kind am liebsten erinnern, wenn es später zurückblickt? Und: Woran wollen Sie sich erinnern, wenn Sie einmal alt sind?", rät Heinemann.


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