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Trotz Arbeit: Wie werde ich meinem Kind gerecht?

Job und Kind zu vereinbaren stresst Mütter häufig. Viel zu oft legen wir den Fokus auf das, was nicht klappt – wo das Kind zu kurz kam, die Deadline im Job gerissen wurde. Zeit, das zu ändern. Mit diesen Übungen

von Tanja Misiak, aktualisiert am 26.11.2019

Es gibt so viel, was man gerne tun würde: dem Kind und seinen Bedürfnissen gerechter werden, immer geduldig sein, mit ihm spielen statt die Wohnung zu putzen, die Wohnung aber trotzdem tip top in Schuss haben, im Beruf Höchstleistungen bringen, nicht immer früher gehen, weil das Kind wartet …

Die Liste, mit der wir uns gerne selbst unter Druck setzen, lässt sich endlos fortsetzen. Letztlich geht es dabei immer um Erwartungen, die wir an uns selbst haben. Und die wir nie alle gleichzeitig erfüllen können. Unseren Kindern und den Menschen um uns herum werden wir aber am besten gerecht, wenn wir dafür sorgen, dass es uns gut geht. Zum Beispiel, indem wir unsere eigenen Erwartungen auf den Prüfstand stellen. Gerade wir Mütter neigen oft dazu, alles an einem Tag erledigen zu wollen. Gegen dieses Verzetteln hilft ein klarer Blick auf unsere persönliche langfristige Zeitleiste. Dieser Blick auf die Zukunft kann unseren inneren Druck reduzieren. Wir müssen nicht allen Erwartungen heute oder in dieser Woche gerecht werden.

Übung 1: Wie viel Energie wofür?

Nehmen Sie sich ein DIN A4-Blatt und legen Sie es im Querformat vor sich hin. Zeichnen Sie sich unten quer ­eine Zeitleiste auf, beginnend beim aktuellen/kommenden Jahr und zehn Jahre später endend (x-Achse). Tragen Sie für jedes Jahr in gleichmäßigen Abständen einen kleinen Strich ein und schreiben Sie die Jahreszahl dazu. Unter die jeweiligen Jahreszahlen können Sie wichtige Ereignisse notieren, zum Beispiel Kindergartenbeginn oder Einschulung Ihres Kindes, ein anstehender Umzug, absehbare Änderungen bei den eigenen ­Eltern oder berufliche Veränderungen (auch beim Partner). Solche Ereignisse einzutragen, ist aber kein Muss.

Die y-Achse nach oben geht über eine Länge von zehn Zentimetern. Pro Zentimeter machen Sie einen kleinen Strich. Über jeder Jahreszahl auf der x-Zeitleiste zeichnen Sie nun eine zehn Zentimeter hohe Säule mit jeweils zehn gleich großen Kästchen. Die einzelnen Kästchen stehen für Ihren Energie- und Zeitaufwand.

Überlegen Sie sich nun: Welche Rollen beziehungsweise inneren Erwartungsträger haben Sie? Welche davon stehen für Sie in den kommenden zehn Jahren im Vordergrund? Beschränken Sie sich auf fünf Rollen, zum Beispiel: Partnerin, Mutter, Freundin, Berufstätige, Tochter. Wählen Sie nun für jede Rolle eine Farbe aus.

Wie viele Kästchen Ihres Energie-/Zeitsatzes erhalten nun die jeweiligen Rollen in den jeweiligen Jahren? Malen Sie die Kästchen in den entsprechenden Farben so aus, dass die Säule jeweils komplett gefüllt ist.

Die Übung ist anspruchsvoll. Jedes Jahr hat nur zehn Kästchen und Sie müssen Ihre Energie und Zeit jeweils auf die Rollen aufteilen, ohne weitere Kästchen hinzuzufügen. Wichtig: Die farbigen Säulen müssen nicht perfekt sein, es geht nicht um einen ganz genauen Plan. Sie visualisieren hier nur eine grobe Ausrichtung.  
Reflektieren Sie:

  • Wie wirkt die Jahressäule des aktuellen/kommenden Jahres auf Sie? Ist die Energieverteilung für Sie stimmig?
  • Wie verändern sich die Säulen über die Jahre? 
  • Welche Farben werden wann mehr, welche weniger? 
  • Was bedeutet das für Sie? 
  • Welche alltäglichen Entscheidungen leiten Sie aus Ihrem Gesamtbild ab?
  • Wo wollen Sie vielleicht etwas ändern, wofür mehr oder weniger Zeit verbringen – im Job/mit dem Partner/dem Kind etc. 
  • Ihre Schwerpunkte ändern sich auf die Jahre gesehen. Entlastet Sie dieser Blick?

Dieses Priorisieren verteilt auf der Zeitleiste kann Druck reduzieren. Es fällt Ihnen dadurch leichter, ohne schlechtes Gewissen klare Entscheidungen in Ihrem Alltag zu treffen und zu wissen: Alles hat seine Zeit.

Übung 2: Aufgaben für den Tag einteilen

Nehmen Sie sich morgens fünf Minuten Zeit zum Innehalten. Legen Sie sich Zettel und Stift bereit.

Reflektieren Sie: Was ist Ihnen für heute das Wichtigste? Schreiben Sie Ihre Aufgaben jeweils hinter einem Punkt auf.

Prüfen Sie dann: Sind diese Aufgaben für heute realistisch?

Wenn nein, zeichnen Sie schon jetzt einen Pfeil neben die Aufgabe, die sie heute nicht schaffen werden. Diese Aufgabe verschieben Sie bewusst in eine Liste für die Zukunft.
Wenn Sie sich schon jetzt bewusst von der Erwartung verabschieden, dass Sie diese Aufgabe heute erledigen, vermeiden Sie von vornherein das schlechte Gewissen oder ein schlechtes Gefühl, das Sie sich sonst durch eine unrealistische Erwartungshaltung gegeben hätten.

Ihre Liste begleitet Sie über den Tag. Erledigen Sie unvorhergesehene Aufgaben, so ergänzen Sie diese auf Ihrer Liste – auch im Nachhinein. Nach jeder erledigten Aufgabe zeichnen Sie ein Kreuz über den Punkt neben der Aufgabe. Genießen Sie das Abkreuzen. Wertschätzen Sie sich selbst für die Erledigung der Aufgabe.

Erinnern Sie sich immer wieder daran, Ihren Blick auf die erledigten Aufgaben zu lenken. Nehmen Sie sich daher vor allem auch abends fünf Minuten Zeit zum Innehalten. Schauen Sie auf Ihre Aufgaben mit Kreuzchen. Können Sie sich für diese Leistungen wertschätzen?

Mit der Zeit wird es Ihnen zunehmend besser gelingen, gut einzuschätzen, welche Erwartungen Sie für einen Tag an sich selbst haben können. Es wird leichter, sich frühzeitig von Stressoren zu verabschieden, die Sie bisher den ganzen Tag mit einem schlechten Gewissen begleitet haben. So können Sie entspannter ihren Alltag bestreiten.


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