Schnäppchenjagd: Was Sie bei Secondhand beachten sollten

Ob Online-Plattform oder Flohmarkt – wer secondhand kauft, kann viel Geld sparen. Doch manchmal heißt es aufpassen! Was sich lohnt und was nicht

von Beatrice Sobeck, 02.05.2018
Frau kauft Kleidung ein

Gerade für Säuglinge gibt es auf dem Flohmarkt eine große Auswahl an fast neuwertiger Kleidung


Kleidung und Textilien

Sehr gut geeignet: Je jünger das Kind, desto größer ist die Chance, nahezu neuwertige Kleidungsstücke gebraucht zu bekommen. Da die Kleinen schnell wachsen, bleiben meist viele Strampler, Bodys, Hosen und Jacken ungetragen.

Das Klamotten-Shopping auf dem Flohmarkt ist zudem sehr ökologisch. Denn all das, was man selbst gebraucht kauft, muss nicht neu produziert werden. Für die Gesundheit vorteilhaft: Die Kleidung wurde bereits mindestens einmal gewaschen, Schadstoffe wie Chemikalien, die oft in Neuware vorkommen, sind schon (zum Teil) herausgewaschen.

Spielzeug

Gut geeignet: Hochwertiges Spielzeug für Kleinkinder wird selten so abgespielt, dass es später nicht noch ein anderes Kind glücklich machen kann. "Doch gerade bei Spielzeug für Kinder unter drei Jahre gelten in der EU besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit", sagt Ralf Diekmann, Spielzeugexperte beim TÜV Rheinland in Köln.

Also beim Flohmarkt-Shopping alle Sinne einschalten: Wie ist der optische Eindruck? Wie die Verarbeitung? Gibt es an dem Spielzeug scharfe Ecken und Kanten, an denen sich Kleinkinder verletzen könnten? Wie sehen die Nähte beim Teddy aus? Sind Batteriefächer richtig ge­sichert?

"Ganz wichtig: der Geruchstest", so Diekmann. "Riecht beispielsweise eine Gummierung extrem penetrant oder gar süßlich, dann Finger weg! Weichmacher könnten der Grund sein." Eltern können darüber hinaus auch auf anerkannte Prüfzeichen achten: Dazu zählen das GS-Zeichen, das Zeichen LGA tested Quality (Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit) oder das TÜV-Zeichen.

Schuhe

Gut geeignet: "Schuhmaterialien sind heutzutage teilweise so gut, dass es kaum möglich ist, einen Kinderschuh innerhalb von vier oder fünf Monaten so abzutragen, dass er nicht mehr zu gebrauchen wäre", sagt Fuß-Spezia­list Dr. Wieland Kinz vom Forschungsteam "Kinderfüße-Kinderschuhe" in Bregenz in Österreich.

Wie bei jedem Schuh, achten Sie auf die Passform. Ein Kind mit breitem Fuß sollte sich nicht in schmale Schuhe quetschen müssen. Schauen Sie außerdem auf die Sohle: "Sie sollte möglichst wenig Abrieb haben, der Schuh darf weder verformt noch gebrochen sein."

Bettmatratzen

Nicht geeignet: Eine gebrauchte Matratze ist selten keimfrei. In ihr sammeln und vermehren sich manchmal Schimmelsporen, die Babys Gesundheit schädigen oder sogar eine Allergie auslösen können. Ziehen Sie also lieber eine Neuanschaffung in Betracht. Schonbezüge, Bettwäsche, Schlafsäcke sind wiederum Textilien, die Sie selbst waschen können, sie dürfen bedenkenlos gebraucht weiterverwendet werden.

Autositze

Wenig geeignet: Die Sicherheitsstandards werden stetig ­verbessert. Gurt-Airbags, Isofix, Gurtspannvorrichtungen, Reboarder-Systeme, Seitenaufprallschutz – das sind alles Dinge, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gab. "Auch wissen Sie nicht, ob der Kindersitz schon einmal in einen Autounfall verwickelt war – selbst wenn der Verkäufer versichert, dass der Sitz unfallfrei ist", sagt Stefan Dorner vom ADAC Südbayern.

Sitzschale, Gurte und Verschluss müssen sich in einem einwandfreien Zustand befinden. Der Sitz hat im besten Fall schon die aktuellste Norm ECE 44/04 und die Bedienungsanleitung ist noch vorhanden. "Auch ein Blick unter das Sitzpolster lohnt. Überprüfen Sie das Material auf Risse oder Bruchstellen. Entdecken Sie solche Mängel – Finger weg! So ein Sitz ist nicht mehr sicher", so Dorner.

Möbel

Gut geeignet: Für ein neuwertiges Babyzimmer mit hochwertigen Markenmöbeln reicht das Budget nicht? Auf dem Secondhand-Markt kann man Glück haben und viele Hundert Euro sparen. Klammern Sie sich nicht an eine spezielle Marke. Gibt es keinen Anbieter in Ihrer Nähe, der genau Ihr Traum-Babyzimmer anbietet, müssen Sie sonst unter Umständen lange Fahrten in Kauf nehmen. Die meisten Möbelangebote richten sich an Selbstabholer.

Schauen Sie sich die Möbel aufgebaut an. "So gehen Sie sicher, dass Bett, Wickelkommode oder Schrank intakt sind. Achten Sie auch auf scharfe Kanten", empfiehlt Ralf Diekmann von TÜV Rheinland. Sehen Sie Mängel erst, wenn das Zimmer bei Ihnen steht, haben Sie wenig Chancen, es umzutauschen. Bestehen Sie auf Bezahlung bei Abholung, damit Sie nur das bezahlen, was Sie bekommen.

Kinderwagen und Co.

Gut geeignet: Kinderwagen, Laufräder oder Fahrräder sehen zwar gerne etwas ramponiert aus, das heißt aber nicht, dass sie technische Mängel aufweisen. Begutachten Sie das Wunsch-Gefährt gründlich beim Verkäufer vor Ort. Lassen Sie sich alle Funktionen etwa beim Kinderwagen zeigen, und probieren sie diese selbst aus. Wo­rauf es bei Lauf- und Fahrrädern besonders ankommt, erklärt René Filippek vom ADFC in Berlin.

  1. Räder: Versuchen Sie die Räder seitlich zu bewegen. Haben sie kaum Spiel, passt alles. Schauen Sie von hinten auf das Rad. Eiert es, ist das ein Indiz, dass mit dem Gefährt nicht besonders sorgsam umgegangen wurde.
  2. Bremsen und Licht: Die Brems­hebel müssen leichtgängig und die Kabel intakt sein, das Licht muss funktionieren.
  3. Sitzkomfort: Kaufen Sie ein Fahrrad nur gemeinsam mit dem Kind. Der kleine Radler muss entspannt sitzen können und das Lenkrad bequem (mit leicht gebeugten Ellenbogen) erreichen können. Das Kind sollte ohne Sitzveränderung an den Bremshebel kommen. Ellenbogen und Knie dürfen sich beim Treten nicht behindern – das Rad wäre zu klein.
Sauger und Schnuller

Nicht geeignet: Hier geht die Hygiene vor. Sie können bei Saugern oder Schnullern nie sicher sein, dass diese wirklich keimfrei sind. Es sei denn, sie sind noch originalverpackt. Beißringe, Latex- und Silikonsauger oder Schnuller sind im Babyalltag intensiv in Gebrauch. Einmal beschädigt, besteht die Gefahr, dass krankheitserregende und für Ihr Baby gesundheitsschädliche Bestandteile freigesetzt werden.


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