Papa-Kolumne: Über Stock und Stein

Kinder können gar nicht anders, als Steine zu sammeln. Glaubt unser Kolumnist und sieht eine Katastrophe nahen

von Marian Schäfer, 13.07.2018

Ob Steine sammeln und Renaturierung wohl zusammenhängen? Das fragt sich zumindest unser Kolumnist


Kürzlich stellte ich mir vor, wie sich in ein paar Tausend Jahren ­Archäologen daranmachen, München ­auszugraben. Als Erstes würden sie, natürlich, auf eine große Arena stoßen, die – das wissen sie aus altem Filmmaterial – allein dafür ­errichtet wurde, um 22 erwachsene ­Männer einem kleinen Ball hinterherlaufen zu ­lassen. Fußball, so nannte man das.

Bald darauf würden die Archäologen im Südwesten der Stadt auf eine Stein- und Stockformation aufmerksam, die ihnen große Rätsel aufgibt. Nur langsam kommen sie darauf, dass sich dahinter ein ganz tragisches Familienschicksal verbirgt. Und der Grund für den Untergang Münchens.

Selbstverschuldete Sammelleidenschaft

Als ich mir das so ausmalte, stand ich in unserem Flur und sah, dass neben der Tür wieder ein gefährlich hoher Berg an Steinen lag – Schmuggelware, die wir unseren Kindern abgenommen hatten. Würde es so weitergehen, dachte ich, könnten wir die Wohnung bald nur noch durchs Fenster verlassen. Vorausgesetzt, dass es nicht von dem Haufen heimlich im Busch ­­darunter versteckter Stöcke versperrt ist. Einige Tage würden wir sonst aushalten. Dann gäbe es nichts mehr zu essen, außer Steine.

Wir sind ja selbst schuld. Kaum begannen die Kinder Sachen zu sammeln, bejubelten wir jeden Griff nach einem Stein. Es gab sogar eine Zeit, in der wir sie bemalten und an Bändern aufhängten. Erst als die Wohnung damit gut gefüllt war und Steine im Kühlschrank auftauchten, steuerten wir gegen. Zeigten die Kinder ihre Beute, boten wir an, sie zu transportieren – und hofften, sie würden sie vergessen. Im Ergebnis führte das zum Beispiel dazu, dass ich einmal am Flughafen stand und unter bösen Blicken Steine aus meiner Jacke wuchtete. Seitdem gilt ein striktes Mitnahmeverbot, was die Kleinen allerdings ständig unterwandern.

Ein Trick der Evolution?

Ich glaube, sie können nicht anders. Der Drang, Stöcke und Steine zu sammeln, steckt zu tief in ihnen drin. Gut möglich, dass Forscher bald entdecken, dass Kleinkinder für die Natur eine ähnliche Funktion haben wie Bienen und Vögel. Die verbreiten bekanntlich Pollen und Samen, besitzen für größere Steine und Stöcke aber zu wenig Kraft. In diese Lücke, das wäre meine Theorie, stoßen die Kleinkinderhände, Abertausende allein in München.

Was die Natur davon hat, dass die Kinder monatlich ein paar Kilo Isar-Gestein in unsere Wohnung schaffen, weiß ich nicht. Vielleicht spielen sie eine Rolle bei der Renaturierung des Flusses, indem sie Ufer und Inseln ab­­tragen. Sicher ist, dass wir das Ganze nicht unterschätzen sollten. Ansonsten steht uns das Wasser bald bis zum Hals.


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