Papa-Kolumne: Keim lass nach

Unser Kolumnist freut sich auf eine Zeit ohne ­Infekte – und weiß schon, wie er seine Kinder im kommenden Winter schützt

von Marian Schäfer, 11.05.2018

Gummiblase als Infektionsschutz? Eine Idee, über die man nachdenken könnte …


Kürzlich erzählte mir eine Kollegin von einer ganz besonderen Nacht. Diese begann damit, dass ihre kleinere ­Tochter sie anschiss, und sie endete damit, dass die Größere sie vollkotzte. Die Kollegin nannte das, was da passierte, genau so, in aller Deutlichkeit, und blieb dabei erstaunlich ruhig, total abgeklärt. "Jaja, Magen-Darm halt", schloss sie ihre Erzählung und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

In der Ruhe liegt die Kraft

Gäbe es so etwas wie den Soundtrack des Elternseins – dieser Satz wäre, finde ich, ein ganz passabler Titel. Zumal er sich beliebig ­variieren ließe. Etwa: "Jaja, Hand-Mund-Fuß halt." Oder: "Jaja, Noroviren halt." Ich selbst wäre für: "Jaja, Streptokokken halt", denn Magen-Darm zum Beispiel ist bei uns eher selten, in der Regel nur an Weihnachten. Vergangenen Heiligabend sprudelte es aus ­unserer Zweijährigen heraus, da begannen wir gerade zu essen. Gekonnt packte ich sie von hinten, löste sie aus dem Hochstuhl und trug sie vor mir her, wie einen Feuerlöscher.

Die Wand des Grauens

Jedenfalls: Wer Inspiration für weitere Songtitel sucht, dem empfehle ich den Besuch unserer Kita. Die wird, zumal im Winter, in der Regel von genauso vielen verschiedenen Keimen bevölkert wie Kindern, wobei die Zahl der Kinder mit der Zeit abnimmt, die der Keime aber nicht. Gewarnt wird vor ihnen an einer Wand im Eingangsbereich, für jede Krankheit ein knallroter laminierter ­Zettel. "Die Wand des Grauens" nenne ich sie immer und frage mich oft, wie wir ernsthaft unsere Kinder dorthin geben können. Doch es ist wie mit der Werbung: Irgendwann nimmt man sie nicht mehr wahr. Dann wird man zu Hause angeschissen und ritzt, zurück in der Kita, einfach eine Kerbe in den passenden Zettel.

Eine Lösung gegen die Krankheitsspirale?

Es ist ein Trauerspiel: Da baut man mühsam ein Betreuungssystem auf, und dann machen ein paar Keime alles kaputt. Plötzlich sitzen die Eltern, die eigentlich arbeiten sollen, zu Hause rum, und die ­Erzieher, die eigentlich betreuen ­sollen, in kinderleeren Räumen. Kaum sind die Kinder wieder fit, hat es das Personal hinweggerafft. Dann kommen wieder die Mails mit der Bitte, man möge sein Kind doch zu Hause lassen. Eine Spirale, die, einmal in Gang, kaum zu stoppen ist.

Dabei muss es gar nicht so weit kommen. Ich etwa denke an diese Gummibälle, in denen Menschen sommertags übers Wasser laufen. Im Winter, also insbesondere im Winter, könnte man die Kinder da reinstecken. Man würde ihnen ein wenig Spielzeug und etwas zu essen hineingeben und sie dann in die Kitas rollen. Sie wären unter Freunden, aber doch aus­­reichend von ihnen getrennt.

Fragt sich natürlich, was mit ihren Ausscheidungen passiert. Doch was das angeht, rate ich einfach mal zu mehr Gelassenheit .


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