Papa-Kolumne: Kampf den Vierrädern!

Ob zur Arbeit oder in die Kita: Unser Kolumnist Marian Schäfer fährt jeden Weg mit dem Rad – und die Autofahrer sehen Rot

von Marian Schäfer, aktualisiert am 03.02.2017
Kolumne

Wendig im Verkehrsgewühl: Unser Kolumnist ist für Autofahrer oft ein Störfaktor


Kürzlich las ich etwas über eine Straßenbaurichtlinie aus dem Jahre 1956. Es war nur ein kleiner,­ aber interessanter Absatz: Radfahrer und Fußgänger, so legte es die Richtlinie fest, seien als seitlich bewegliche Hindernisse zu betrachten, die die Fahrbahn vermindern. Ich glaube, dass das viele Menschen noch heute so sehen­. Zumindest, wenn sie Autofahrer sind. Und in der Stadt wohnen.

"Arschloch"-Rufe auf dem Weg zur Arbeit

Wenn ich morgens mit dem Rad zur Arbeit fahre, erlebe ich das so. Menschen hupen, Motoren heulen auf. Nicht selten fahren Autos an meine Seite. Scheiben gehen runter, "Arschloch"-Rufe. Manche Fahrer­ lehnen sich dabei mit hochrotem Kopf so weit über den Beifahrersitz, dass es scheint, als würden sie mich beißen wollen. Ginge die Tür auf, sie fielen heraus.

Was die von mir wollen? Dass ich die Fahrbahn nicht weiter vermindere. Dass ich auf dem Radweg fahre. Was ich auch tun würde, wäre es kein Fußweg.

Ich erlebe das auch, wenn ich die Kinder in die Kita­ bringe. Weil in unserem Viertel auf vielen Gehwegen Autos parken, gehen wir oft auf der Straße und ziehen uns dabei den Unmut der Autofahrer zu. Menschen hupen, Motoren heulen auf. Nur "Arschloch" rief noch niemand. Vielleicht wegen der Kinder.

Platzkampf: Autos gegen Häuser

Erwische ich mal einen Falschparker, ist die Ausrede immer dieselbe: "Es gibt zu wenige Parkplätze."­ Wende ich ein, dass es womöglich auch zu viele Autos­ gibt, ist das Gespräch oft beendet. Vielleicht, so denke ich dann, sollte man künftig Wohnhäuser abreißen, um Parkplätze zu schaffen. Vorausgesetzt natürlich, die Autofahrer zögen dann in ihre Wagen.

In München, wo wir leben, geht man lieber anders vor und nimmt dem Autofahrer bei jeder Straßen­erneuerung etwas Lebensraum. Vermutlich in der Hoffnung, er lenkt irgendwann ein. Was er aber nicht tut. Er kriegt nur schlechte Laune. Weil er noch weniger­ Parkplätze findet. Weil er noch länger im Stau steht. Und weil Radfahrer wie ich fröhlich an ihm vorbeiziehen. Mit Kindern im Fahrradsitz, die ­Grimassen schneiden.

Tunnelverkehr: Vergraben wir Atommüll

Vielleicht gräbt die Stadt auch deshalb an den schlimmsten Stellen einfach Tunnel. Sie schafft das Problem unter die Erde­, wie Atommüll. Auch bei uns, ganz in der Nähe, hat sie das gemacht. Wo sich einst Autos stauten, entsteht nun ein Park mit Fußgänger- und Radwegen und netten Spielplätzen.

Für uns ist das schön, für den Autofahrer nicht. Bekam er früher noch etwas Frischluft und ­Sonne ab, steht er nun in der stickigen, neonbeleuchteten ­­Röhre und grummelt vor sich hin. Dann taucht er wieder auf, mit hochrotem Kopf, und trifft auf mich. Hupen gehen, Motoren heulen auf, "Arschloch"-Rufe.


Empfinden/empfanden Sie schwanger sein eher als schön oder als beschwerlich?
Zum Ergebnis
Wann hat Ihr Kind das erste Mal Smartphone oder Tablet benutzt?
Zum Ergebnis