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Papa-Kolumne: Glück muss man haben

Wohnungen, Kitas, ­Kreißsäle: In Zeiten des Mangels, findet unser Kolumnist, sollte viel mehr davon verlost werden

von Marian Schäfer, 09.11.2018
Kolumne

Kürzlich stolperte ich über das Bild einer 53-jährigen Frau, die gerade per Los ein Grab auf dem Alten Friedhof von Berchtesgaden ­gewonnen hatte. Zusammen mit ihrem Mann hatte sie sich auf eine Grabstelle beworben und lächelte nun mit gereckten Daumen in die Kameras. So sehen Sieger aus, dachte ich und fragte mich gleichzeitig, ob das Grab wohl leer bleibt, bis es bei seinen neuen Besitzern so weit ist? Und wäre es, fragte ich mich, in einer Situation, in der ja ­scheinbar akuter Mangel an ordentlichen Gräbern herrscht, nicht fairer, unter gerade Verstorbenen zu losen als unter noch Lebendigen? Oder gibt es Möglichkeiten der Zwischennutzung?

Geld oder Moral?

Klar: Die Liegestätte gibt es nicht umsonst, die Besitzer zahlen natürlich auch fürs leere Grab. Der Gemeinde kann es also egal sein. Nur hat damit genau genommen mal wieder das Geld gewonnen und nicht die Moral. Und das ist ja eigentlich das Schöne am Los: Vor ihm sind alle gleich, ob reich oder arm, bekannt oder unbekannt, tot oder lebendig. Alle haben dieselbe Chance. In Zeiten des Mangels, finde ich, ist das Los ein gutes Mittel. Und damit meine ich nicht in erster Linie den Mangel an rosa ­Tellern, von denen es schließlich nie genug geben kann, weil es immer nur um den geht, den gerade die andere hat. Auch da, das wissen wir, hilft das Los, aber ich meine so Dinge wie Hebammen, Kreißsäle, Kinderärzte, Krippen-, Kita-, Hortplätze.

Ein einziger Mangelzustand

Im Grunde ist das Elterndasein ja ein einziger Mangelzustand, und das Los wäre vielfach nicht nur gerechter, sondern auch ehrlicher. Nehmen wir die Frage, wer die Geburt im Kreißsaal bekommt und wer nicht: Wir zum Beispiel hatten uns schon in der Klinik anzumelden, da war noch nicht einmal klar, ob das Kind überhaupt bleibt. Nur um dann wochenlang zu hoffen, dass wirklich Platz ist, wenn es so weit ist. Nur Naiv­linge wiegen sich ob ihrer Anmeldung in Sicherheit.Im Grunde, das darf man ja mal so sagen, entscheidet schon heute in vielen Fällen das Glück. Nur sagt einem das niemand.

Lose, losen, "to lose"

Würde offiziell gelost, ginge man ­hingegen wohl gleich mit der Einstellung an die Sache heran, sowieso zu verlieren. Im Verb "losen",  das – da bin ich mir ziemlich sicher – vom englischen "to lose" abstammt, ist das auch so angelegt. Zudem weiß jeder aus Kirmes­erfahrung, dass beim Losen immer mehr verlieren als gewinnen. Nur ganz wenige bekommen ein Riesenplüschtier. Ich nie.

Im besten Fall bereitet man sich darauf vor, schaut zum Beispiel mal etwas genauer, was bei einer Auto-Geburt so zu beachten ist. Und gewinnt man doch, hat man allen Grund, sich so richtig zu freuen …


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