Papa-Kolumne: Dass der Blitz euch trifft

Eine Leserin ­beschwert sich bei unserem Kolumnisten über Raucher. Der weiß, wie sich das Problem lösen ließe

von Marian Schäfer, 15.12.2017

Wenn Raucher kleine Kinder vollqualmen, sind harte Maßnahmen gefragt


Kürzlich erinnerte ich mich daran, wie wir begannen, unserer Großen von der armen, kranken Frau zu erzählen. Damals war die Kleine noch ein Breikind, und wir aßen in der Küche. Von dort aus haben wir einen guten Blick auf einen Balkon, auf dem oft eine Frau im Bademantel sitzt und raucht. Würde sie das einmal nicht mehr tun, wüssten wir, dass ihre Zeit gekommen ist.

Die Geschichte von der armen, kranken Frau

Als unsere heute Vierjährige jedenfalls anfing, fragend auf diese Frau zu zeigen, sagten wir zu ihr: "Ach, das ist eine arme, kranke Frau." Wir müssen dabei ein sehr mitlei­diges Gesicht gemacht haben, das sich unsere Tochter gut merken konnte. Entdeckte sie fortan Raucher, setzte sie es auf. Und als sie schließlich reden konnte, sagte sie traurig drein­blickend: "Guck mal, Papa, ein Kranker." Heutzutage zeigt sie nur mit ihrem Finger in die Richtung und ruft: "Iiiiiih!"

Gut finde ich das eigentlich nicht. Einerseits, weil es sich manchmal um drei Meter große Männer handelt, vor denen ich Angst habe. Andererseits, weil ich denke, dass wir Raucher nicht verstoßen, sondern uns um diese armen, kranken Menschen kümmern sollten. Gibt es etwas Mitleiderregenderes als Raucher, die sich vor Kneipen bei Regen unter viel zu kleinen Schirmen drängen? Oder ihre kalten, schlecht durchbluteten Finger an Heizstrahlern wärmen? Ich finde, nicht.

Strafe für die "egoistische Spezies"?

Als mir neulich eine Leserin schrieb, dachte ich dennoch darüber nach, wie man Raucher in ihre Schranken weisen könnte. Sie sprach von einer "egoistischen Spezies", die sie und ihr Baby ständig zuqualme. Manchmal würden auch Raucher ihr Kind anfassen oder ihm die Stirn küssen. Ich dachte an nikotingelbe Finger, braune Zähne. Mir war schlecht.

Nun können wir auf die Vernunft wohl nicht zählen. Auch Verbote helfen nur bedingt. Die "Rauchfrei"-Schilder in Bushäuschen zum Beispiel scheinen Raucher nur anzuziehen wie Motten das Licht. Das Einzige, was helfen könnte, ist Technik. Man könnte analoge Zigaretten verbieten und komplett auf E-Zigaretten umstellen. Die würden, wie ja alles heutzutage, irgendwann "smart" werden.

Nun braucht es zwar nicht viel Intelligenz, um zu wissen, dass Rauchen schlecht ist. Dass sich die Teile zum Schutz ihres Besitzers weigern anzuspringen, davon ist trotzdem nicht auszugehen. Denkbar wäre, dass sie zumindest registrieren, wenn Kinder, Alte oder Asthmatiker in der Nähe sind. Sie könnten dann einfach ausgehen. Oder heiß werden und fiese Blasen hinterlassen. Oder mittel­schwere Stromschläge verteilen.

Ich sehe schon Kinder aus Büschen hüpfen und arme Raucher, die der Blitz trifft. Möglich, dass unsere Große dann wieder ganz mitleidig schaut. Sicher wäre ich mir nicht.


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