Papa-Kolumne: Dann mal gute Nacht

Unser ­Kolumnist findet, dass 24-Stunden-Kitas nur der Anfang sein können – und schlägt vor, gleich auf Nacht-Kitas zu ­setzen

von Marian Schäfer, 07.12.2018
Kolumne

Das Kind nachts in die Kita geben? Hätte gewisse Vorteile, findet Marian Schäfer


Kürzlich dachte ich, wie schön es wäre, das Kind nun einfach in die Kita zu geben. Es war nach 22 Uhr, und im Türrahmen stand wieder ein kleines Wesen, natürlich nur, um noch eben zu sagen, dass ich der beste Papa auf der ganzen Welt sei.

Das, dachte ich mir, lässt sich wohl kaum bestreiten, schließlich hatte der beste Papa der Welt bis dahin nicht nur exakt drei Ritzen in die Rolllade und das Hörspiel erst lauter und dann leiser gemacht. Nein, er hatte auch schon die Bettdecke gestrafft und den Wandprojektor so justiert, dass das Bild im perfekten Winkel zum Kind an der Decke stand. Zudem noch eben den Nagel am dicken Zeh gekürzt, der so sehr an der nun gestrafften Bettdecke kratzte, und dann – peu à peu und mit immer mehr Schaum vorm Mund – den halben Fuß mit Pflaster bedeckt. Und selbstverständlich hatte der beste Papa der Welt dem Kind auch gleich noch versprochen, höchstselbst die Toilettenspülung zu betätigen, sollte es des Nachts seine Notdurft verrichten. Das war ihm ganz wichtig.

24-Stunden-Kitas: Spielen oder Schlafen?

Während ich dem kleinen Wesen also noch einmal eine gute Nacht wünschte, dachte ich: jetzt ab in die Kita mit ihm! Sollen die sich doch drum kümmern. Dabei hatte ich über diese Möglichkeit zunächst gar nicht nachgedacht, als ich las, dass angesichts immer mehr schichtarbeitender Eltern jetzt auch in Nordrhein-Westfalen sogenannte 24-Stunden-Kitas ­gefördert ­werden sollen.

Zu allererst beschäftigte mich zum ­Beispiel die Frage, ob die Kinder dort wohl ­spielen oder schlafen werden? ­Letzteres würde ja bedeuten, dass sie wach wären, wenn die Eltern nach Schichtende schlafen müssten. Denn länger als neun Stunden, hieß es, ­sollen Kinder auch dann nicht in der Kita bleiben.

Nacht-Kitas als logische Weiterentwicklung

Dies zu hinterfragen, war ­natürlich naiv. Bekanntlich sind es Eltern gewohnt, nachts nicht zu schlafen und tagsüber trotzdem zu funktionieren, um dann nachts wieder nicht zu schlafen. Außerdem wären alle Vorteile, die ein schlafendes Kita-Kind mit sich bringt, dahin: Es braucht kaum Betreuung, Essen, Platz und schon gar keinen Garten. Viele Probleme würden sich – quasi über Nacht – von selbst lösen, weshalb auch grundsätzlich anzuraten wäre, gleich ganz auf Nacht-Kitas ­umzustellen – und alle Eltern zur Nachtarbeit zu zwingen. 

Voraussetzung für all das ist natürlich das schlafende Kind, was sich mit dem einen oder anderen Mittel aber verlässlich regeln ließe. Und keine Sorge: Was noch heute für Empörung sorgt, ist morgen schon ganz normal. Hätte früher ja auch keiner gedacht, Kinder mal nachts in die Kita zu geben.


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