Kinderhotels: Auf diese Kriterien sollten Sie achten

Viele Eltern schätzen sie wegen der Auszeit. Kinder lieben sie, weil sie spielen und toben können: Hotels mit Kinderbetreuung. Doch wie steht es um die Qualität?

von Andrea Schmidt-Forth, 05.06.2018

In einer guten Kinderbetreuung sind altersgerechte Spielmöglichkeiten geboten


Wer einen Urlaub im Familien­hotel bucht, erhofft sich davon, dass alle Familienmitglieder auf ihre Kosten kommen. Die Großen suchen meist Entspannung, die Kleinen wollen spielen, basteln und toben – und das am liebsten zusammen mit anderen Kindern. Damit der Urlaub für alle Spaß und Erholung bietet, müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

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Marc Hebestreit, Auditor für den TÜV Nord weiß, worauf es dabei ankommt. Der Vater von zwei Kindern prüft seit 14 Jahren Hotels und Freizeitparks auf ihre Kinderfreundlichkeit. Grundlage für das Zertifikat "OK für Kids" ist ein ausführlicher Krite­rien­katalog, den der Deutsche Kinderschutzbund mit TÜV Nord, mit Hoteliers und einer Gruppe ausgewählter Kinder erarbeitete.

Oft zeigt schon der Blick auf die Homepage, ob kleine Gäste für das Hotel wirklich im Mittelpunkt stehen. Auf diese Angaben können Eltern bei der Wahl ihres Urlaubsdomizils achten:

  • Lage des Hotels: Liegt es mitten im Ort, am Rand oder außerhalb? Je weniger Verkehr, desto freier können sich die Kleinen bewegen (auch wenn die Eltern natürlich weiterhin die Aufsichtspflicht haben).
  • Sicherheit für Kinder: Ist die Rezeption mit Blick auf die Eingangstür immer besetzt? Wie sicher sind Türen, Treppen, Flure oder etwa die Außenanlagen?
  • Bietet das Hotel kindgerechte Ausstattung, zum Beispiel Bett, Hochstuhl, Wickelauflage?
  • Altersgerechte Spielmöglichkeiten für drinnen wie draußen: Spielplätze in EU-Ländern müssen die Betreiber nach der DIN-Norm 1176 prüfen lassen.
  • Aktivitäten: Bietet das Hotel Unternehmungen für die ganze Familie, nennt es Ausflugsziele in der Nähe? Verleiht es vielleicht sogar Rückentragen und geländegängige Buggys?
  • Essen und Trinken: Kinder haben oft auch Durst und Hunger außerhalb der Essenszeiten. Bietet das Hotel dafür eine Lösung?

Übrigens, die Zahl der Sterne, also die Hotelkategorie, sagt nichts über die Qualität der Kinderbetreuung aus. Wenn Marc Hebestreit diese in einem Hotel unter die Lupe nimmt, setzt er sich erst einmal in das Spielzimmer und lässt die Atmosphäre auf sich wirken. "Ich achte darauf, wie die Betreuer auf die Kinder eingehen, ob sie dabei alle im Blick haben und wie laut oder leise es im Raum zugeht. Also Dinge, von denen man sich nur direkt vor Ort ein Bild machen kann."

So erkennen Sie gute Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung sollte laut dem TÜV-Experten von mindestens einer ausgebildeten pädagogischen Fachkraft geleitet werden und auf die Bedürfnisse der Kinder und ihren Entwicklungsstand ausgerichtet sein. Dazu gehören:

  • Die Kinder werden in verschiedene Altersgruppen eingeteilt, beispielsweise von 4 bis 7 und 8 bis 12 Jahre.
  • Genügend Betreuer sind vor Ort. Ein ausgebildeter Betreuer kümmert sich um maximal zehn Kinder. Je jünger die Kinder, desto kleiner die Gruppen. Bei Kleinkindern sollte ein Betreuer höchstens vier Kinder beschäftigen.
  • Die Betreuer können mit dem Kind in seiner Muttersprache sprechen.
  • Spielräume und Toiletten sind sauber. Die Betreuer haben eine Erste-­Hilfe-Schulung für Kinder absolviert und frischen sie regel­mäßig auf.
  • Spielzimmer mit Tageslicht, Spielzeug und Spielgeräte passend zum Alter der Kinder. Idealerweise werden den Kindern regelmäßig Getränke angeboten.
  • Die Kinderbetreuung sollte so ausgelegt sein, dass viele Aktivitäten draußen stattfinden. So haben die Kleinen Gelegenheit, sich an der frischen Luft zu bewegen.

Schön, wenn die Kinder fröhlich ins Spielzimmer sausen, so wie Mama und Papa sich das vorgestellt haben. "Doch eine Garantie, dass es klappt, gibt es nicht", sagt Christian Bethke, Geschäftsführer des Berliner Ins­ti­tuts für Frühpädagogik. "Je entspannter Sie dieses Thema angehen, umso besser. Schließlich ist im Urlaub erst mal alles fremd für das Kind, und es braucht seine Eltern als Fels in der Brandung."

Ob und wie schnell es sich auf die Situation einstellt, hängt von vielen Faktoren ab, etwa seinem Temperament, seinem Alter, ob es sich in der neuen Umgebung wohlfühlt und ob es zu einem Betreuer eine gute Beziehung aufbauen kann.

Bleiben Fragen offen, erkundigen Sie sich vorab telefonisch im Hotel. Schließlich soll der Urlaub ja für die ganze Familie eine Zeit werden, an die sich alle gerne erinnern.

Wo ist das Limit?

Urlaub ist Urlaub – auch für Kinder! Sie sollten deshalb frei entscheiden können, ob, wann und wie lange sie in die Kinderbetreuung gehen. Wichtig ist, dass Mama und Papa ihre Handynummer hinter­lassen und in absehbarer Zeit zur Stelle sind, wenn ihr Kind einmal vorzeitig abgeholt werden ­möchte. Sonst gefährden Eltern dessen Ver­trauen.

Kinder unter drei Jahren würde Erziehungswissenschaftler Christian Bethke im Urlaub generell nicht in fremde Hände geben, da sie in den meisten Fällen ihre Eltern gerade in unbekannten Situationen besonders für die eigene Stabilität und das eigene Wohlbefinden brauchen.


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