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Kinderbilder im Netz – was ist erlaubt?

Datenschutz: Die DSGVO hat das ganze Land verunsichert – für Eltern hat sich aber eigentlich kaum etwas geändert

von Christian Andrae, Marian Schäfer, 11.11.2019

Was war (und ist) das nicht für eine große Verunsicherung. Scheinbar aus dem Nichts überrollte uns die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen ­Union (EU) im Mai 2018. Seither verbreitet das Kürzel mit seinen fünf großen Lettern Angst und Schrecken. Einige Kitas verordneten in Bayern sogar ein Fotografierverbot bei den damals anstehenden Sommerfesten, wie die lokalen Tageszeitungen berichteten. Festhalten wie Klein Franz mit seinen Freunden ein Liedchen trällert? Puste­kuchen.

Kaum zu fassen

"Was sich da an Auswüchsen ergeben hat – da waren wir alle sehr überrascht", sagt Barbara Schmitz. Die Juristin war im Gründungsbeirat der Stiftung Datenschutz, leitet den Konzerndatenschutz eines Münchner Unternehmens und bietet über die Stadt München eine Datenschutzsprechstunde für Kinder an. Und was sich da vergangenes Jahr abgespielt hat, kann sie noch immer kaum fassen: "Da bekamen die Kinder auf Fotos schwarze Balken ins Gesicht, und zur Adventszeit durften sie nicht mehr an den Weihnachtsmann schreiben – aus Datenschutz­gründen", erinnert sich Schmitz.

Eine gute Sache

Dabei sei die Datenschutzgrundverordnung an sich eine gute Sache. "Eigentlich wollte die DSGVO – und sie hat es letztendlich ja auch geschafft – ein Bewusstsein dafür schaffen, wie man mit Daten umgeht", sagt Schmitz. Die Umsetzung der Verordnung sei, so die Juristin, gerade im privaten Bereich, also eben beim Sommerfest in der Kita, beim Kindergeburtstag oder wenn der beste Kindergartenfreund zu Besuch ist – ­keine Sache. Stark vereinfacht sind Privatmenschen praktisch von der DSGVO ausgenommen. "Alles, was sich im familiären, persönlichen ­Bereich abspielt, da können nach wie vor Fotos gemacht werden", erklärt die Juristin. Denn all das war und ist durch die Persönlichkeitsrechte ge­regelt.

Keine Einverständniserklärung nötig

Auf einem Kindergeburtstag braucht es also keine Einverständnis­­erklärungen oder gar ein Schild mit dem Hinweis, dass dann Aufnahmen gemacht werden könnten. Komplizierter wird es allerdings, wenn es um die Nutzung der Fotos in sozialen Medien geht. Wobei laut Barbara Schmitz auch schon der normale Menschenverstand ausreichen sollte. "Es ist natürlich nicht in Ordnung, wenn man Fotos von fremden Kindern auf Facebook oder Instagram veröffentlicht", betont die Juristin. Aus ­ihrer Sicht sei es aber völlig legitim, wenn man Fotos macht und per Messenger direkt an die Eltern des anderen Kindes verschickt – oder eben in die Messengergruppe "Klein Franz wird vier".

Am digitalen Alltag, wie wir ihn vor der DSGVO gelebt haben, hat sich also nicht wirklich etwas geändert. Oder? Das Problem bei juristischen Dingen wie der DSGVO ist eben, dass juristische Dinge Auslegungssache sind. "Da gibt es bisher kaum Ur­teile, an denen man sich orientieren kann", sagt Datenschutzexperte Dr. Alexander Löw aus Ottobrunn, der unter anderem Kitas zur DSGVO berät.

Urteile fehlen

Ab wann man sich als Privatmensch in Sachen DSGVO nun strafbar mache, könne man schlichtweg noch nicht sagen. Daher geht Löw gerade beim Thema Messenger lieber auf Nummer sicher. Das Problem: Die Server vieler Messenger-Dienste wie WhatsApp befinden sich in der Regel außerhalb der EU, und die Betreiber müssen sich nicht an die DSGVO halten. Damit wären die Daten nicht mehr sicher. "Und man darf nicht vergessen, dass man in sozialen Medien praktisch alle Bildrechte abgibt", mahnt der Datenschützer. Als Nutzer verliert man damit die Kontrolle über die Fotos. Daher empfiehlt Löw Messenger-Dienste, deren Server in der EU liegen und somit rechtlich an die DSGVO gebunden sind. Diese seien zwar in der Regel kostenpflichtig, aber dafür seien die Daten gut auf­gehoben.

Dritte können Mitlesen

Heißt: Das bedeutet jedoch nicht, dass es "verboten" ist, Bilder von Franz’ Viertem per WhatsApp an die anderen Eltern zu schicken. "Das bedeutet im Endeffekt nur, dass Sie damit rechnen müssen, dass der US-Geheimdienst oder andere US-Behörden unter Umständen ihre WhatsApp-Daten einsehen können. Damit müssen Sie rechnen, wenn Sie Dienste nutzen, deren Server sich in den USA befinden", betont Barbara Schmitz. Beim Verschicken von Geburtstagsfotos oder anderen privaten Aufnahmen geht es im Grunde da­­rum, dass es sich um eine geschlos­sene Benutzergruppe und nicht die Öffentlichtkeit handelt. Eine weitere Einschränkung ist laut Löw jedoch noch die Motivwahl. So sollte beispielsweise ein nackiges Kind am Strand – und strahlt es noch so fröhlich in die Kamera – nicht den Weg ins Netz finden. Auch nicht in eine Messenger-Gruppe. Das hat laut Löw jedoch mehr mit dem Menschen­verstand als der DSGVO zu tun. Und ­Briefe an den Weihnachtsmann sind natürlich nicht verboten.


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