Elterngeld: Antworten auf häufige Fragen

Wie viel Elterngeld bekomme ich? Und wie lange? Ist das ElterngeldPlus eine Option für mich? Und was steckt hinter dem Partnerschaftsbonus? Hier finden Sie die Antworten
aktualisiert am 21.08.2017

Unterstützt Familien mit kleinen Kindern: das Elterngeld

Ingram/RYF

Viele Eltern geraten bereits in Panik, wenn sie das Wort "Elterngeld" nur hören. Jeder kennt abschreckende Geschichten über komplizierte Anträge. Und mit dem "ElterngeldPlus" wird es noch kniffliger. Seit Juli 2015 ist es für Mütter und Väter eine Option, die schnell wieder in Teilzeit arbeiten möchten. Sie können zwischen mehreren Fördermodellen wählen oder sie auch kombinieren: Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonusmonate. Hört sich nach jeder Menge Papierkrieg an? Alles halb so wild. Wer sich auskennt, kann Stolperfallen umgehen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Elterngeld.

Wie unterscheiden sich Elterngeld und ElterngeldPlus?

Seit 2007 erhalten Mütter und Väter in Deutschland nach der Geburt eines Kindes Elterngeld. Sie können die Subvention des Staates in den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes in Anspruch nehmen. Ein Elternteil alleine kann jedoch höchstens zwölf Monate lang Basiselterngeld beziehen. Wenn das Paar die komplette Zeit nehmen will, muss also der andere Elternteil mindestens zwei Monate beanspruchen. Das Elterngeld muss nicht an einem Stück und nacheinander, sondern kann auch abwechselnd oder gleichzeitig beansprucht werden. Während der Elternzeit kann der jeweilige Elternteil bis zu 30 Stunden in der Woche arbeiten. Jeder Zuverdienst wird aber auf das Elterngeld angerechnet. Es gibt keinen Freibetrag, den man anrechnungsfrei zum Basiselterngeld dazuverdienen darf.

Das ElterngeldPlus soll einen schnelleren Einstieg in die Teilzeitarbeit ermöglichen. Mütter oder Väter, die das ElterngeldPlus beziehen, erhalten monatlich die Hälfte des Elterngeldes, das der Elternteil ohne Erwerbseinkommen bekommen würde. Dafür werden die Eltern doppelt so lange unterstützt, denn aus einem Elterngeld-Monat werden jetzt zwei ElterngeldPlus-Monate. Arbeiten Mutter und/oder Vater nicht mehr als 30 Stunden in der Woche, können sie das ElterngeldPlus 28 Monate in Anspruch nehmen. Erfüllen sie die Vorraussetzungen für den Partnerschaftsbonus sogar 36 Monate.

Was ist der Partnerschaftsbonus?

Paare können einen Bonus von vier zusätzlichen Monaten ElterngeldPlus je Elternteil beantragen. Vorausgesetzt beide Elternteile arbeiten gleichzeitig mindestens in vier aufeinanderfolgenden Monaten 25 bis 30 Stunden in der Woche. Auch Alleinerziehende können die vier Bonusmonate beziehen, wenn sie in Teilzeit arbeiten.

Kann man die Modelle kombinieren?

Es ist möglich, Elterngeld und ElterngeldPlus zu kombinieren: So kann die Mutter zum Beispiel in den ersten Monaten das Basiselterngeld beziehen und nach einem halben Jahr auf das ElterngeldPlus umsteigen. Sie erhält dann ihr Teilzeiteinkommen und zusätzlich das ElterngeldPlus. Das beträgt höchstens die Hälfte des Elterngeldes, das der Mutter ohne Erwerbseinkommen zustünde. Arbeitet der Mann ebenfalls in Teilzeit, kann das Paar auch noch Partnerschaftsmonate beantragen.

Beispiele zu den verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten:

Aus einem Elterngeldmonat werden zwei ElterngeldPlus-Monate (Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

WuB/Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Es gibt vier zusätzliche Elterngeld-Monate, wenn Mutter und Vater gleichzeitig zwischen 25 und 30 Wochstunden arbeiten (Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

WuB/Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Wie wird das Elterngeld berechnet?

Egal für welche Unterstützung sich die Eltern entschieden haben. Die Höhe des Geldes berechnet sich immer aus dem Nettoeinkommen des Antragstellers. Als Berechnungsgrundlage gelten die letzten zwölf Monate vor der Geburt. Monate, in denen die Frau schwangerschaftsbedingt krank oder im Mutterschutz war, werden hier nicht berücksichtigt. Auch Zeiten, in denen Mutterschaftsgeld oder Elterngeld für ein älteres Kind ausbezahlt wurde oder der Betreffende im Wehr- oder Zivildienst war, zählen nicht. Stattdessen gelten die vorangegangenen Monate ohne reduziertes Einkommen. Auch im EU-Ausland, den EWR-Staaten und der Schweiz verdientes und versteuertes Einkommen wird einberechnet.

Wer vor der Geburt zwischen 1.000 und 1.200 Euro verdient hat, bekommt 67 Prozent ersetzt, Nettoeinkommen ab 1.220 Euro werden mit dem Elterngeld zu 66 Prozent erstattet und wer 1.240 Euro oder mehr verdient hat, erhält 65 Prozent, maximal jedoch 1.800 Euro.

Für Geringverdiener mit einem Einkommen unter 1.000 Euro steigt die Ersatzrate prozentual zum geringen Einkommen auf bis zu 100 Prozent. Der Mindestsatz beläuft sich auf 300 Euro. Dieses Mindestelterngeld bekommen alle, die nach der Geburt ihr Kind selbst betreuen und nicht mehr als 30 Stunden die Woche arbeiten, so also auch Studierende, Hausfrauen und Hausmänner. Das gilt auch für Eltern, die wegen der Betreuung ihrer älteren Kinder nicht gearbeitet haben.

Wie berechnet sich das ElterngeldPlus?

Das ElterngeldPlus berechnet sich genau so wie das Elterngeld. Allerdings beträgt das ElterngeldPlus monatlich höchstens die Hälfte des Elterngeldes. Dafür wird es für den doppelten Zeitraum ausgezahlt.

Wie sieht es aus, wenn Geschwister da sind?

Für Familien mit mehreren Kindern greift der so genannte Geschwisterbonus. Das bedeutet: Das Elterngeld wird um 10 Prozent, mindestens aber um 75 Euro, im Monat erhöht. Dieser erhöhte Betrag wird bezahlt, bis das ältere Geschwisterkind drei Jahre alt ist. Bei drei oder mehr Kindern reicht es, wenn mindestens zwei der Geschwister noch nicht sechs Jahre alt sind. Bei Mehrlingsgeburten, also Zwillingen, Drillingen usw., erhöht sich das Elterngeld um monatlich 300 Euro pro Mehrlingskind.

Wer erhält Elterngeld?

Elterngeld bekommt, wer

  • einen Wohnsitz in Deutschland hat,
  • das Kind selbst betreut und erzieht,
  • mit dem Kind in einem Haushalt lebt,
  • nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig ist.

Für adoptierte Kinder gelten dieselben Voraussetzungen. Allerdings beginnt der 14-Monats-Zeitraum mit der Aufnahme in den Haushalt, solange das Kind noch nicht acht Jahre alt ist. Pflegeeltern bekommen hingegen kein Elterngeld. Hier übernimmt das Jugendamt alle unterstützenden Leistungen.

Auch wenn das Elterngeld sich aus dem voran gegangenen Nettoeinkommen berechnet: Beantragen können es auch die, die vorher nichts verdient haben: Erwerbslose genau so wie Hausfrauen oder Studierende.

Keinen Anspruch haben allerdings Paare, die im Kalenderjahr vor der Geburt gemeinsam ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 Euro hatten oder – im Falle von Alleinerziehenden – alleine ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 250.000 Euro.

Anspruch haben außerdem:
Staatsangehörige der EU-Mitgliedsstaaten, des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Schweiz, wenn sie in Deutschland erwerbstätig sind oder hier wohnen, alle Ausländerinnen und Ausländer die voraussichtlich dauerhaft in Deutschland sind, also zum Beispiel eine Niederlassungserlaubnis oder eine Aufenthaltserlaubnis haben, die eine Erwerbstätigkeitberechtigung beinhaltet – allerdings in der Regel erst nach dreijährigem Aufenthalt.

Erhalten Selbständige auch Elterngeld?

Bei Selbstständigen ist der Gewinn aus dem letzten abgeschlossenen Veranlagungszeitraum vor der Geburt Berechnungsgrundlage für das Elterngeld. Dazu muss der entsprechende Steuerbescheid vorgelegt werden. Ist er noch nicht vorhanden, kann man das Einkommen auch durch den Steuerbescheid des vorletzten Veranlagungszeitraums, eine Einnahmen- und Überschussrechnung oder einen Vorauszahlungsbescheid einsehbar machen. Auf Basis dieser Unterlagen berechnet die Elterngeldstelle die Höhe der zustehenden Leistungen. Der Steuerbescheid für das Jahr vor der Geburt muss trotzdem nachgereicht werden.

Das Einkommen während des Elterngeldbezugs kann der Selbstständige mithilfe von Einnahmen- und Überschussrechnungen ermitteln. Um die Berechnung zu erleichtern, kann er für Betriebsausgaben eine Pauschale von 25 Prozent ansetzen.

Wie funktioniert die Antragstellung?

Jeder Elternteil stellt einmal einen Antrag auf Elterngeld. Möglich ist das ab der Geburt des Kindes. Der Antrag muss schriftlich erfolgen und kann bis zum Ende des Bezugszeitraum für die Zukunft geändert werden. Rückwirkend wird das Elterngeld nur für die letzten drei Lebensmonate gezahlt. Ist Elterngeld bereits ausgezahlt, ist für diese Monate eine rückwirkende Änderung nur noch in Härtefällen möglich. Der Antrag muss bei der zuständigen Elterngeldstelle des jeweiligen Bundeslandes eingereicht werden.

Er muss enthalten:

  • die Geburtsbescheinigung des Kindes,
  • Einkommensnachweise der letzten zwölf Monate vor der Geburt
  • oder – bei Selbstständigen – den letzten Steuerbescheid.

Außerdem eventuell:
eine Bescheinigung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld und einen Nachweis über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld, eine Bestätigung des Arbeitgebers oder – bei Selbstständigen – eine Eigenerklärung zur geplanten Arbeitszeit während des Elterngeldbezugs (das tatsächliche Einkommen muss am Ende des Bezugszeitraums nachgewiesen werden, eventuell werden dann Zurück- oder Nachzahlungen fällig), ein Attest, falls die Mutter schwangerschaftsbedingt krank war.

Das Antragsverfahren wird oft als schwierig empfunden, da die Formulare kompliziert und die Berechnungen oft umständlich sind. Bis das Elterngeld bewilligt ist, kann es zwischen einem und drei Monaten dauern.

Worauf muss man beim Antragstellen besonders achten?

Wichtig ist, keine Details zu verschweigen. Und: Unwissenheit schützt hier nicht vor Strafe. Bei falschen Angaben, verheimlichten Details oder fehlender Mitwirkung der Antragsteller können die Elterngeldstellen Bußgelder in Höhe von bis zu 2.000 Euro verhängen. Deshalb sollten sich Eltern im Vorfeld gut informieren.

Informationen bekommen Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter www.bmfsfj.de oder bei der für Sie zuständigen Elterngeldstelle.

Wie wird das Elterngeld mit anderen Sozialleistungen verrechnet?

Arbeitslosengeld I: Bis zu 300 Euro sind anrechnungsfrei und haben keinen weiteren Einfluss auf andere Solzialleistungen.

Arbeitslosengeld II ("Hartz IV"): Sowohl hier als auch bei der Sozialhilfe oder beim Kinderzuschlag wird das Elterngeld immer (auch im Mindestsatz von 300 Euro) voll als Einkommen angerechnet. Grund: Hartz IV setzt Hilfsbedürftigkeit voraus und somit die vorherige Ausschöpfung aller Mittel. Deswegen gilt das Elterngeld hier auch als Einkommen.

Ausnahme: Wenn Elterngeldberechtigte Hartz IV oder Sozialhilfe erhalten und zusätzlich vor der Geburt erwerbstätig waren, gibt es den so genannten Elterngeldfreibetrag. Dieser entspricht dem Einkommen vor der Geburt, aber höchstens wieder 300 Euro. Bis zu dieser Grenze wird das Elterngeld nicht angerechnet.

Wohngeld, BAföG etc.: Erst, wenn der Mindestsatz von 300 Euro überschritten wird, wird das Elterngeld hier als Einkommen berücksichtigt. Dabei werden die Erhöhungen bei Mehrlingsgeburten oder Geschwisterkindern nicht als zusätzlich zu berücksichtigendes Einkommen angerechnet.



Bildnachweis: WuB/Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ingram/RYF

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