Diese Versicherungen brauchen Eltern

Kaum ist das Baby auf der Welt, fragen sich Eltern: Müssen wir das Kleine versichern? Was nötig ist und worauf man verzichten kann – ein Guide durch den Versicherungsdschungel
von Silke Becker, aktualisiert am 22.09.2017

Ist ein Baby da, sollten Paare ihre Versicherungen überprüfen

Getty Images/kupicoo

Wenn eins plus eins bald drei ergibt, ist das Glück zunächst perfekt. Aber manchmal kommt es anders als geplant. Damit Sie in jeder ­Lebenslage gut geschützt sind, sollten Sie Ihre Versicherungen stets anpassen. Darauf kommt es an:

Die Haftpflicht umstellen

Viele notwendige Versicherungen können Paare auf einen preiswerten Familientarif umstellen. Das gilt beispielsweise für die unverzichtbare Haftpflichtversicherung. Für weniger als 100 Euro pro Jahr sind auch millionenschwere Schäden abgedeckt. "Paare, die zusammen­leben, können beim älteren Vertrag auf einen Familien­tarif wechseln und den neueren ohne jede Frist aufheben", sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Ehepartner und Kinder sind bei Familientarifen automatisch mitversichert, ein unverheirateter Lebensge­fährte muss namentlich eingetragen werden.

Liegt das Glück in Scherben, braucht jeder Partner schnellstmöglich ­einen eigenen Vertrag. "Bei Unverheirateten endet der gemeinsame Versicherungsschutz mit dem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung", erklärt Weidenbach. Ehepaare sind theoretisch bis zur Scheidung versichert. Doch lässt derjenige, der den Vertrag abgeschlossen hat, seine neue ­Liebe eintragen oder zahlt die Prämie nicht, hat der Ehepartner keinen Schutz mehr – oft ohne es zu ahnen.

Weitere wichtige Versicherungen

Wohnt ein Paar zusammen, genügt auch bei der Hausratversicherung ein gemeinsamer Vertrag. Sie ist sinnvoll bei teuren Möbeln oder elektronischen Geräten. "Weil durch das Zusammenziehen meist der Gesamtwert des Wohnungsinventars steigt, sollte man die Versicherungssumme überprüfen", empfiehlt Weidenbach. Nach einer Trennung gilt der Schutz nur für den Haushalt ­desjenigen, der den Vertrag unterschrieben hat. Der Partner benötigt nach einer Übergangsfrist von drei Monaten eine eigene Police.

Mit der Familiengründung sollten Reisefreudige auch die Auslandskrankenversicherung auf den ­Familientarif umstellen. Für weniger als 20 Euro pro Jahr schützt sie Eltern und Kinder vor hohen Kosten, falls ein Familienmitglied im Ausland erkrankt. Bei ­einer Trennung braucht jeder Partner eine eigene Police.

Zuerst Eltern absichern

Die Familiengründung ist ein guter Anlass, spätes­tens jetzt die unverzichtbare Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen. Sie schützt das wertvollste Gut: die eigene Arbeitskraft. "Jeder Partner braucht ­­eine eigene Police, möglichst auch Hausfrauen", sagt Weidenbach. Je nach Beruf und Alter sollte man für ­jede BU mindestens 600 Euro pro Jahr einplanen. Nach einer Trennung laufen sie unverändert weiter. Ist eine Zahlung im Todesfall vereinbart, sollte man daran denken, den Bezugs­­berechtigten zu ändern, ­also die Person, die dann das Geld bekommt. "Jeder Partner sollte ­seine Prämien von seinem eigenen ­Konto abbuchen lassen", rät die Juristin. Stoppt der oder die Ex nämlich aus Wut die Zahlung, kann der Versicherungsschutz weg sein.

Sobald sich Nachwuchs ­ankündigt, wird zusätzliche Vorsorge wichtig. "Unbedingt notwendig ist eine ­Risikolebensversicherung, die zahlt, falls den Eltern etwas passiert", sagt Elke Weidenbach. Die Kosten betragen ab etwa 200 ­Euro/Jahr. Weidenbach empfiehlt je nach individueller ­Lebenssituation eine Versicherungssumme von mindes­tens 200.000 Euro. Nach ­einer Trennung sollte man den Bezugsberechtigten umgehend ändern, denn sonst bekommt im Ernstfall der Ex-Partner das Geld.

Diese Versicherungen braucht das Kind

Doch auch für ihre Kinder wollen Eltern den besten Schutz, den sie bekommen können. Die Versicherungsbranche hat sich darauf eingestellt. Niedliche Drachen, bunte Comicfiguren und strahlende Kinder­augen bewerben Rundum-sorglos-­Pakete, die das Kleine in jeder Lebenslage schützen sollen. "In solchen Paketen ist alles Mögliche ein bisschen versichert, aber nichts richtig", erklärt Frank Golfels, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater. Eltern bezahlen einerseits Dinge, die nicht unbedingt nötig sind, und bekommen andererseits im Notfall zu geringe Leistungen. Besser sind individuelle Policen, die den Schutz bieten, den eine Familie wirklich braucht. Welche Ver­sicherungen für Kinder nötig sind und auf welche Familien verzichten können:

Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung

Bezahlt ärztliche Behandlungen gemäß der gesetzlichen Vorschriften.
Notwendigkeit: Pflicht, wenn das Kind nicht privat versichert ist.
Kosten:
keine zusätzlichen Kosten.
Gut zu wissen:
Kinder gesetzlich versicherter Eltern sind beitragsfrei mitversichert. Ist ein Elternteil gesetzlich versichert, der andere privat, kann das Kind nur unter bestimmten Bedingungen in der Gesetzlichen familienversichert werden.

Private Kranken- und Pflegeversicherung

Übernimmt ärztliche Behandlun­gen gemäß individuellem Vertrag.
Notwendigkeit: Pflicht, sofern das Kind nicht bei einer gesetzlichen Krankenversicherung familienversichert ist.
Kosten:
je nach Tarif, pro Kind ab etwa 100 Euro/Monat.
Gut zu wissen:
Sind beide Eltern­ privat versichert, kann das Kind binnen zwei Monaten nach der Geburt ohne Gesundheitsprüfung versichert werden, in der Regel zu den Tarifbedingungen der Eltern.

Auslandskrankenversicherung

Übernimmt Behandlungskosten im Ausland, die von der normalen Krankenversicherung nicht erstattet werden, vor allem den oft sehr teuren Krankenrücktransport.
Notwendigkeit: empfehlenswert für Familien, die ins Ausland reisen. Ausnahme: privat Krankenversicherte, bei denen der Auslandsschutz im Tarif enthalten ist.
Kosten:
ab etwa 30 Euro/Jahr.
Gut zu wissen:
Schwangerschaftskomplikationen, Fehl- und Frühgeburten sollten abgedeckt sein. Nützlich sind die Übernahmen von Rooming-in-Kosten sowie die Betreuung und begleitete Heimfahrt der Kinder, falls die Eltern erkranken. Beim Krankenrücktransport kommt es auf die Wortwahl im Vertrag an: Achten Sie darauf, dass der Transport bereits bezahlt wird, wenn er ‚medizinisch sinnvoll und vertretbar‘ ist, nicht nur ‚medizinisch notwendig‘.

Krankenhauszusatzversicherung

Bietet gesetzlich Versicherten den Leistungsumfang eines Privat­patienten im Krankenhaus. Zahlt je nach Tarif die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer, Rooming-in der Eltern, freie Arztwahl (z. B. Chefarzt oder Spezialisten).
Notwendigkeit: Empfehlenswert.
Kosten:
Ab etwa 5 Euro/Monat.
Gut zu wissen:
Der Tarif sollte auch ärztliche Behandlungen abdecken, die den Höchstsatz  der Gebührenordnung (3,5-fache) überschreiten. Behalten Kinder die Versicherung bis ins Alter profitieren sie besonders, da sie keine Gesundheits­prüfung mehr machen müssen.

Ambulante Zusatzversicherung

Übernimmt ambulante Leistungen, die die normale Kranken­versicherung nicht zahlt, zum Beispiel Heilpraktiker oder eine Brille.
Notwendigkeit:
Überflüssig.
Kosten:
Ab 10 bis 15 Euro/Monat.
Gut zu wissen:
Die Leistungen sind meist auf einen bestimmten Betrag pro Jahr gedeckelt. Die Versicherung ist zu teuer, es lohnt sich eher, anzusparen und Behandlungen im Bedarfsfall selbst zu zahlen. Zudem lohnt es sich, die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zu vergleichen. Viele bieten nämlich zusätzlich zu den gesetzlichen Regelleistungen spezielle Extras an. Findet man eine Kasse, die besser zu den Bedürfnissen der Familie passt, könnte ein Wechsel der Krankenkasse sinnvoll sein.

Zahnzusatzversicherung

Bezahlt Zusatzkosten bei Zahn­behandlungen, die über die gesetzlichen Leistungen hinausgehen.
Notwendigkeit: Überflüssig.
Kosten: Ab 10 bis 15 Euro/Monat.
Gut zu wissen: Auch hier sind die Leistungen meist auf einen bestimmten Betrag pro Jahr begrenzt. Bei Kieferorthopädie zahlt man oft jahrelang ein, ­bevor der Nachwuchs die ­Leistungen benötigt. Sinnvoller ist es, die ­Beiträge anzusparen und im Bedarfsfall selbst zu zahlen.

Haftpflicht

Übernimmt Schäden, die das Kind anderen zufügt.
Notwendigkeit: unverzichtbar. Ohne Schutz haften nicht nur Erwachsene, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch Kinder unbegrenzt und ein Leben lang.
Kosten: Familientarif ab 50 bis 80 Euro im Jahr
Gut zu wissen: Die Versicherung sollte Schäden von deliktunfähigen Kindern unter sieben Jahren mit einschließen, das spart im Ernstfall viele Streitereien.

Invaliditätsversicherung

Zahlt eine lebenslange Rente oder eine einmalige Kapitalabfindung, wenn das Kind durch eine Erkrankung oder einen Unfall dauerhaft behindert ist (meist ab einem Grad der Behinderung von 50 Prozent).
Notwendigkeit: Sehr empfehlenswert.
Kosten: Ab etwa 30 Euro/Monat.
Gut zu wissen: Empfehlenswert ist eine Mindestrente von 1000 ­Euro. Wer es sich leisten kann, sollte ­eine höhere Rente wählen. Versicherer verlangen eine Gesundheitsprüfung. Tarife und Leistungen variieren stark, häufig gibt es Ausschlüsse, und bei Vorerkrankungen ist oft kein Vertrag möglich. Wichtig: eine neutrale Beratung.

Unfallversicherung

Wird geltend, wenn das Kind nach einem Unfall dauerhaft invalide ist.
Notwendigkeit: Eingeschränkt empfehlenswert.
Kosten: Ab etwa 60 Euro im Jahr.
Gut zu wissen: Invalidität entsteht meist durch Erkrankungen, seltener durch Unfälle. Lehnt eine Invaliditätsversicherung einen Vertrag für das Kind ab, ist eine Unfallversicherung sinnvoll, eventuell kombiniert mit einer privaten Pflegezusatzversicherung. Da die Tarife sehr unterschiedlich sind, ist eine neutrale Beratung wichtig. Einen Vertrag ohne Beitragsrück­gewähr wählen, da diese zu teuer sind beziehungsweise die Versicherungssumme zu niedrig ist.

Pflegezusatzversicherung

Leistungen fließen, wenn das Kind pflegebedürftig wird, dabei gelten meist die Kriterien der gesetzlichen Pflegeversicherung.
Notwendigkeit: Eingeschränkt empfehlenswert.
Kosten: Ab etwa 5 Euro im Monat.
Gut zu wissen: Nicht jeder Behinderte ist pflegebedürftig. ­Babys und Kleinkinder sind ­naturgemäß unselbstständig, die Pflegeversi­cherung zahlt deshalb erst ab einem gewissen Entwicklungsstand. ­Eine Pflegezusatzversicherung ist nur dann überlegenswert, wenn sie eine Unfallversicherung ­ergänzt, weil ein Abschluss für ­eine Invaliditätsver­­sicherung nicht möglich war. Die Tarife sind sehr unterschiedlich. Auch hier gilt: vor Abschluss neutral beraten lassen.

Rentenvorsorge

Hierbei handelt es sich um eine klassische Rentenversicherung mit sehr langer Laufzeit. Der Vertrag geht später von den Eltern auf das Kind über. Die Rente wird ausgezahlt, wenn das Kind mindestens 62 Jahre alt ist.
Notwendigkeit: Überflüssig.
Kosten: Ab etwa 25 Euro/Monat.
Gut zu wissen: Sehr hohe Kosten, kaum Zinsen, hohe Verluste bei vorzeitigen Entnahmen (vor dem 62. Lebensjahr des Kindes!). Die Rentenleistungen sind aufgrund der extrem langen Laufzeit praktisch nicht kalkulierbar (Börsen- bzw. Zinsentwicklung, Inflation, ­Pleite der Versicherung). Besser: einen Banksparplan oder einen Fonds besparen.

Ausbildungsversicherung

Klassische Rentenversicherung, die fällig wird, wenn das Kind seine Berufsausbildung beginnt.
Notwendigkeit: Überflüssig.
Kosten:
Ab etwa 25 Euro/Monat.
Gut zu wissen: Im Ergebnis handelt es sich meist um einen schlecht verzinsten Sparvertrag. Die Kosten belaufen sich auf bis zu 30 Prozent der eingezahlten Beiträge. Besser: einen Banksparplan oder Fonds besparen.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Zahlt, wenn das Kind berufsun­fähig wird.
Notwendigkeit:
Ab Beginn der Berufsausbildung unverzichtbar.
Kosten:
Eigenständige Police für kleine Kinder nicht möglich.
Gut zu wissen:
Die Invaliditätsversicherung enthält manchmal eine Option auf BU bei Erreichen eines bestimmten Alters. Die Leis­tungen als alleinige Absicherung sind ­jedoch in der Regel zu niedrig.


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