Das perfekte Familienauto finden

Mit Baby an Bord ändern sich die Anforderungen: Der coole Flitzer weicht dann oft der Familienkutsche. Doch den Neuen sollte man vor dem Kauf genau prüfen

von Madlen Ottenschläger, 12.12.2017

Je mehr Kinder, desto größer muss die Familienkutsche werden


Die Babyschale mit Isofix und der Kindersitz passen problemlos auf die Rückbank. Knifflig wird es, als die Eltern in spe versuchen, den Kinderwagen, ihre drei mitgebrachten Koffer und Einkaufstüten im Kofferraum zu verstauen. Schaffen sie es, wird das Paar den Wagen vielleicht ­kaufen. Wenn nicht, dann nicht.

"Da muss der Verkäufer durch", sagt Matthias Knobloch vom Auto Club Europa (ACE) in Berlin. Genau so einen Testlauf empfiehlt der Experte allen werdenden Eltern, die über ein neues Auto nachdenken. Denn ob das familien­tauglich ist und zu den eigenen Bedürfnissen passt, verrät am Ende nur dieser etwas ungewöhnliche Praxistest. Zuvor hilft die folgende Checkliste, um die Auswahl einzugrenzen:

Die Sicherheit

  • Isofix: "Das Fahrzeug sollte Isofix haben", sagt Andreas Berg­meier, der das Referat "Kinder und Jugendliche" beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Bonn ­leitet. Dieses Befestigungssystem verhindert die gröbsten Fehler beim Anschnallen und minimiert das Verletzungsrisiko des Kindes bei einem Unfall erheblich. Außerdem ist es für die Eltern bequem, weil das Ein- und Ausladen der Babyschale schneller und einfacher geht.
  • Airbags: Lässt sich der Beifahrer-Airbag per Knopfdruck ausschalten? "Es gibt Fahrzeugmodelle, mit denen müssen Sie erst umständlich in die Vertragswerkstatt", so Bergmeier. Ein ausschaltbarer Beifahrer-­Airbag ist wichtig, wenn das Baby rückwärtsgerichtet in seiner Babyschale auf dem Beifahrersitz mitfährt. Für Autokindersitze (ab Gruppe I), die auf dem Beifahrersitz nach vorne gerichtet sind, gilt ein Mindestabstand zur Vorder­­konsole, der je nach Fahrzeugtyp variiert (siehe Bedienungsanleitung). Seiten-Airbags für die Rückbank bieten zusätzlichen Schutz.
  • Fensterheber: Auto­matische Fensterheber verleiten Kinder gerne zum Spielen. Inzwischen sind die meisten Autos serienmäßig mit einem Einklemmschutz ausgestattet. Eine bestimmte Sensorik erkennt, ob ein Gegenstand im Weg ist, während das Fenster schließt und stoppt den Mechanismus. Das Fenster bleibt also stehen bzw. öffnet sich wieder. "Doch Kinderfingern tut es trotzdem ziemlich weh, wenn sie dazwischen geraten", sagt ACE-Experte Knobloch. Idealerweise lassen sich alle Fenster vom Fahrersitz aus zentral steuern und der Fensterheber abschalten.
  • Türen: Eine zentrale Türverriegelung, die der Fahrer steuern kann, sowie eine Kindersicherung in den Türen sollten zur Ausstattung ge­hören.
  • Sicherheitsassistenten: Fahr­assistenzsysteme wie automatischer Abstandsradar und Spurverlassens­warner erhöhen die Sicherheit. "Kinder lenken ab", erklärt Knobloch. Gut, wenn das Auto mitdenkt. Beim Parken helfen automatische Parkhilfen, die Hindernisse (das kann auch ein Kind sein) erkennen und sofort Alarm schlagen.

Die Ausstattung

  • Platzangebot: Ist die Familien­planung noch nicht abgeschlossen, empfiehlt es sich, das ­zweite oder dritte Kind mitzudenken. Drei Kindersitze schaffen es bei den wenigsten Automodellen gemeinsam auf die Rückbank. Isofix gibt es selten auf dem mittleren Platz, und manche Siebensitzer schließen Kinder­­sitze auf dem siebten Sitz aus.
  • Kofferraum: Einkäufe, Kinderwagen, Reisegepäck – mit Kindern kommt einiges zusammen. "Das Kofferraumvolumen sollte min­destens 500 Liter betragen", sagt Knobloch. Wird höher als bis zur Unterkante Fenster geladen, sorgt ein Gepäcknetz für Sicherheit.
  • Ablageflächen: Für Familien sind zusätzliche Ablagen in ­Türen, Sitzen und in der Mittelkon­sole sowie Getränkehalter Gold wert. "Kleinere Spielsachen haben so ­einen sicheren Platz und werden ­etwa bei einer Vollbremsung nicht zu gefährlichen Geschossen", sagt Bergmeier.
  • UV-Schutz: UV-B-Strahlung wird von den Autoscheiben abgehalten, nicht aber die Hautschäden verursachende UV-A-Strahlung. Die Folgen: vorzeitige Hautalterung und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Vor allem bei längeren Auto­fahrten an sonnigen Tagen brauchen Kinder im Auto UV-Schutz. Am sichersten schützen zerti­fizierte Autoglasfolien, die von einem Fachmann an den hinteren Scheiben verlegt werden sollten. Günstiger sind Rollos oder Sonnenblenden.

Die Bequemlichkeit

  • Kofferraum-Ladekante: Eine niedrige Ladekante schont Rücken und Nerven. "Sehr komfortabel sind ebene Kofferräume", erklärt Bergmeier.
  • Die Türen: Haben Eltern die Wahl, rät der Experte zu Schiebetüren. In engen Parklücken sind sie ein Pluspunkt. Und: Kinder können sie meist erst ab dem Grundschul­alter allein öffnen. Sind Schiebe­türen keine Option, heißt es ausprobieren. "Größere Türeinstiege sind nicht automatisch besser", sagt Matthias Knobloch. Tatsächlich lassen sich bei wenig Platz, also zum Beispiel in engen Parklücken oder Tiefgaragen, bei manchen Automodellen kleinere Türen weiter öffnen als große.

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