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Alleinerziehend: So bekommen Sie Hilfe

Wenn Mutter oder Vater alleinerziehend sind, kämpfen sie oft für Unterhalt, Wohngeld und Zuschüsse. Auch das Krankheitsrisiko für Alleinerziehende und ihre Kinder ist höher. Unsere Tipps helfen

von Daniela Frank, aktualisiert am 20.08.2019

Höhere Kosten, mehr Stress, schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt – Studien haben gezeigt, dass alleinerziehende Mütter und Väter mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben als Paare mit Kindern. Laut dem Familienreport 2017 des Bundesfamilienministeriums bestehen etwa 20 Prozent der Familien in Deutschland aus Alleinerziehenden mit ihren Kindern. Die Zahl minderjähriger Kinder, die nur bei einem Elternteil aufwachsen, ist zwischen 1996 und 2016 von rund 1,9 Millio­nen auf 2,3 Millionen angestiegen. In etwa 90 Prozent der Fälle ist das die Mutter.

Obwohl Alleinerziehende häufiger und länger arbeiten als Mütter in Paarfamilien, waren im Jahr 2014 ganze 54 Pro­zent der Kinder von Armut bedroht, die mit Geschwistern bei einer alleinerziehenden Mutter oder beim Vater lebten. Bei Paarfamilien mit drei oder mehr Kindern lag die Armutsgefähr­dungsquote bei 27 Prozent. Alleinerziehende sind mehr als fünfmal so häufig auf Sozialleistungen angewiesen wie Paarfamilien.

Fehlende Unterstützung kann krank machen

Wenn Alleinerziehende nicht für sich alleine sorgen können, belastet das auch ihre Psyche. "Mütter leiden häufig unter ständigem Zeitdruck, beruflichen Belastungen und sozialer Isolierung", sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. Bei Alleinerziehenden ist die Belastung entsprechend höher. Hinzu kommt, dass die Mutter oder der Vater oft die einzige Bezugsperson für das Kind ist und sich kaum Auszeiten nehmen kann. Eine der Folgen: "Alleinerziehende sind in unseren Kliniken deutlich überproportional vertreten", sagt Schilling. Im Müttergenesungswerk gibt es über 70 Mütter- und Mutter-Kind-Kliniken, davon bieten 21 Klinken auch Vater-Kind-Kuren an. Die Mütter nehmen eine Kur in Anspruch, weil sie zum Beispiel unter Erschöpfungssyndrom, Burnout oder Belastungsreaktionen leiden. Außerdem haben sie häufig Erkrankungen wie Rückenschmerzen oder Gelenkbeschwerden.

Kinder sind meist mitbetroffen

"Das Grundproblem von Müttern ist, dass sie meist sehr viel Verantwortung auf sich nehmen", so Schilling. "Alleinerziehende glauben oft, keine andere Wahl zu haben. Dabei gibt es auch für sie Möglichkeiten zur Entlastung." Nicht nur, um selbst gesund zu bleiben, sondern auch zum Wohl des Kindes: Studien haben gezeigt, dass die Gesundheit des Kindes stark von der der Mutter abhängt und umgekehrt. "Wir stellen fest, dass viele der Kinder, die mit ihren Müttern in unsere Kliniken kommen, selbst behandlungsbedürftig sind", sagt Schilling. Betroffene Kinder haben überwiegend Erkrankungen des Atemsystems, psychische Problemen und zeigen Verhaltensauffälligkeiten wie Sprachstörungen und Bettnässen.

Langfristig optimistisch

Natürlich sind nicht alle Alleinerziehenden gesundheitlich angeschlagen und in Geldnot. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums hat ermittelt, dass alleinerziehende Frauen ihre Situation langfristig als gar nicht so problematisch beurteilen und sehr optimistisch in die Zukunft blicken. Dennoch sind Alleinerziehende mit ihrer Lage im Schnitt viel unzufriedener als Mütter in Paarfamilien.

Und so können sich Alleinerziehende entlasten:

Checkliste: Hilfen im Überblick

Kindesunterhalt

Alleinerziehenden steht vom anderen Elternteil Unterhalt für das Kind zu. Die Höhe richtet sich danach, wie viel der andere verdient und wie alt der Nachwuchs ist. Die Staffelung ist in der sogenannten "Düsseldorfer Tabelle" beim Oberlandesgericht Düsseldorf verzeichnet. In speziellen Fällen kann zusätzlich ein Mehrbedarf geltend gemacht werden. Dies gilt zum Beispiel, wenn das Kind eine besondere Therapie benötigt, die die Kasse nicht erstattet – aber auch für Kinderbetreuungskosten. Das Geld für Kita oder Tagesmutter wird dann einkommensabhängig zwischen den Eltern aufgeteilt und kann so zusätzlich vom Unterhaltspflichtigen eingefordert werden.

Betreuungsunterhalt

Müssen Alleinerziehende kleine Kinder betreuen, können sie nicht arbeiten gehen. Deshalb steht Müttern oder Vätern, die Kinder unter drei Jahren versorgen und erziehen, ein Betreuungsunterhalt vom anderen Elternteil zu. Der genaue Betrag richtet sich nach dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen. Je nachdem, ob dann eine passende Kinderbetreuung vorhanden ist oder nicht, kann sich der Anspruch auch verlängern.

Unterhaltsvorschuss

Wenn der Unterhaltspflichtige keinen Unterhalt zahlt oder die Vaterschaft nicht geklärt ist, können Alleinerziehende einen Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt beantragen. Dies betrifft jedoch nur den Unterhalt für das Kind. Er wird bis zum Ende des 18. Lebensjahres gezahlt, seine Höhe richtet sich nach dem Alter des Kindes.

Kindergeld

Alleinerziehende bekommen das Kindergeld in voller Höhe. Der Betrag richtet sich nach der Anzahl der Kinder.

Elterngeld

Alleinerziehende können volle 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen – Paare müssen diese Zeit unter sich aufteilen. Die Höhe des Elterngelds wird aus dem Vorjahreseinkommen errechnet.

Steuer

Neben den Kinderfreibeträgen können Betreuungskosten und die Kosten für andere haushaltsnahe Beschäftigte steuerlich geltend gemacht werden.

Kinderzuschlag und Wohngeld

Alle Eltern mit geringem Einkommen erhalten Kinderzuschlag und Wohngeld. Den Kinderzuschlag bekommen Familien, bei denen die Eltern mit ihrem Einkommen zwar den eigenen Bedarf decken können, aber nicht den ihrer Kinder. Der Kinderzuschlag kann bei der zuständigen Familienkasse beantragt werden. Zusätzlich stehen den Betroffenen sogenannte Leistungen für Bildung und Teilhabe zu, die beispielsweise bei Schul- und Kitaausflügen, für Schulbus, Nachhilfe oder Sportverein gezahlt werden. Sie können bei der Gemeinde oder dem Landkreis beantragt werden. Das Wohngeld als Zuschuss zur Miete können Familien mit geringem Einkommen bei der Wohngeldstelle der Gemeinde beantragen.

Arbeitslosengeld II & Sozialhilfe

Müssen Alleinerziehende Arbeitslosengeld II beziehen, sind sie damit automatisch renten-, kranken- und pflegeversichert. Die Bundesagentur für Arbeit kümmert sich neben der Vermittlung einer Arbeitsstelle auch um eine passende Kinderbetreuung. Sozialhilfe können Alleinerziehende beantragen, wenn sie nicht arbeiten können oder zu wenig Unterhalt bekommen. Alleinerziehenden, die Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe erhalten, steht zusätzlich der sogenannte Mehrbedarfszuschlag für ihre Kinder zu. Er richtet sich nach Alter und Anzahl der Kinder.

Haushaltshilfe

Ist der oder die Alleinerziehende akut krank, kann er oder sie bei der zuständigen Krankenkasse eine Haushaltshilfe beantragen. Die genauen Umstände, unter denen die Kasse zahlt, müssen jedoch für den Einzelfall ausgehandelt werden.

Kuraufenthalte

Bei Krankheiten und anderen Belastungen kann Alleinerziehenden eine Mütter- oder Mutter-Kind-Kur beziehungsweise eine Vater-Kind-Kur helfen. Dass eine solche Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme nötig ist, muss ein Arzt bescheinigen. Die Beratungsstellen im Verbund des Müttergenesungswerks helfen zu allen Fragen rund um die Kur. Und wenn das Geld fehlt, um Eigenanteil, Anreise oder Taschengeld für die Kur zu bezahlen, vermittelt der Träger – zum Beispiel das Müttergenesungswerk – häufig Spendengelder. Informationen und eine Suchfunktion für lokale Beratungsstellen auf www.muettergenesungswerk.de; Service-Telefon: 030/33 00 29 -29

Urlaub

Bundesweit gibt es sogenannte Familienferienstätten, die von Wohlfahrtsverbänden betrieben sind und vor allem Familien mit geringen finanziellen Möglichkeiten einen schönen und erholsamen Urlaub ermöglichen sollen. Sie bieten Kinderbetreuung, Aktivitäten und Bildungsangebote. Hilfsbedürftigen Familien können die Träger häufig Zuschüsse vermitteln.

Spendengelder

Wenn alle regulären Möglichkeiten ausgeschöpft sind und das Geld aufgrund einer besonders schwierigen Situation trotzdem nicht reicht, können sich Alleinerziehende oder werdende Mütter an Wohlfahrtsverbände oder Stiftungen wenden. Beratungsstellen von Diakonien, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Paritätischem Wohlfahrtsverband, Pro Familia oder Deutsches Rotes Kreuz können eventuell Spendengelder vermitteln.


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