Ab wann können Kinder zuhause helfen?

Schon kleine Kinder möchten gerne im Haushalt mithelfen. Anfangs produzieren sie nichts als Chaos. Warum es sich trotzdem lohnt, den Nachwuchs früh mitmachen zu lassen
von Marian Schäfer, aktualisiert am 16.02.2017

Anfangs dauert alles länger, wenn Kinder zuhause helfen. Aber es lohnt sich

plainpicture GmbH & Co KG/Lisa Tichane

Wer mit Verena Febres Mendoza­ über Kinder und Hausarbeit spricht, kommt zu folgendem Ergebnis: Anfangs ­wollen die Kleinen – und können noch nicht. Später können sie – aber ­wollen nicht mehr. Diese Erfahrung machen viele Eltern. "Die Haus­arbeit ist oft ein großes Streitthema", sagt die Diplom-Psycho­login und Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Fulda. Dabei muss das nicht zwangsläufig so sein. Diese Tipps helfen – von Anfang an:

Interesse am Mithelfen fördern

"Mit ein, eineinhalb Jahren fangen Kinder an, mitmachen zu wollen und Eltern nachzuahmen", sagt Verena ­Febres Mendoza. "Diese Phase ist ganz wichtig für ihre Entwicklung – und für ­Eltern die Chance, ihr Kind spielerisch mit der Hausarbeit vertraut zu machen und ihm zu zeigen, wie Arbeiten erledigt werden."

Eltern sollten auf das Können­ und die Interessen der Kleinen achten und diese fördern: Kommen sie immer in die Küche, wenn gekocht wird, wollen sie vielleicht dabei zuschauen oder auch mal ­etwas Gewürz in die Suppe streuen. Viele Kinder lieben es, beim Ein- und Ausräumen der Waschmaschine­ zu helfen­, beim Müllwegbringen mitzukommen oder beim Fens­terputz einen eigenen Lappen zu halten. Auch beim Wischen und Staubsaugen packen viele gerne­ mit an – sei es auch nur mit einem eigenen Stock.

Verena Febres Mendoza ist Diplom-Psychologin und Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Fulda

W&B/Privat

Mit dem Kind Geduld haben

"Das Problem besteht für viele Eltern darin, dass die Arbeit mit den Kleinen natürlich länger dauert", erklärt Verena Febres Mendoza. Sie rät dazu, Geduld zu haben und sich auch mal vom eigenen Perfek­tionismus zu verabschieden: Selbst Elfjährige werden eine Zwiebel noch nicht so kleinschneiden, wie Eltern es vielleicht gerne hätten. "Gleichzeitig dürfen und sollen Eltern aber auch auf sich schauen und Grenzen ziehen", sagt die Psychologin. Wenn morgens zum Beispiel Pausenbrote geschmiert werden müssen, ist es kein günstiger Zeitpunkt, die Kinder zu beteiligen.

Beim Putzen ein Vorbild sein

Schon Einjährige merken, wenn der Vater ­jedes Mal schwer schnauft, sobald er zum Putzlappen greift. Oder die Mutter grimmig schaut, sobald sie zum Bügeleisen langt. "Die Haltung der ­Eltern zur Hausarbeit ist enorm wichtig", erklärt Febres Men­doza. "Sie sollten positiv an die Sache herangehen." ­Also nicht motzen, sondern lieber sagen, dass es Aufgaben gibt, die erledigt werden müssen – und dass man sie auch als Team bewältigen kann. "Dann freut man sich gemeinsam über das Ergebnis­", sagt die Familien­beraterin.

Erste feste Aufgaben verteilen

Die Entdeckungstour durch die Welt der Hausarbeit kann noch so spannend sein, irgendwann wird aus dem Wollen ein Müssen, aus Freiwilligkeit Pflicht. "Das ist gut so, weil Kinder spätestens im Grundschulalter lernen müssen, feste Aufgaben und damit Verantwortung zu übernehmen", sagt die Familienberaterin. Wann genau dieser Zeitpunkt erreicht ist, ist individuell verschieden. Auch gibt es nicht die eine Einstiegshausarbeit.

Zu den häufigsten ersten Pflichtaufgaben gehört aber sicher das Aufräumen des eigenen Zimmers – anfangs mit viel, im Lauf der Zeit mit immer weniger Unterstützung der Eltern. Gut, wenn es schon früh Routine wird. Dass etwa vor dem Abendbrot erst das Spielzeug weggeräumt wird, können schon Eineinhalbjährige lernen. Ein Aufräumlied (etwa "Eins, zwei, drei, das Spielen ist vorbei") erhöht den Spaß dabei. Den Tisch decken, die Waschma­schine­ ein- und ausräumen, gefaltete Wäsche in Schubladen legen­ – hier können Dreijährige oft schon mithelfen. Auch beim Kochen können sie sich einbringen, etwa weiches Gemüse­ schneiden. Andererseits ist das Putzen von Bad oder Toilette für Erstklässler noch zu schwer.

Wichtig: Was Kinder "müssen" oder "sollen", machen sie nicht gerne. Das nicht mehr ganz so Freiwillige am bes­ten positiv verpacken: Die Kinder müssen eine Aufgabe nicht übernehmen, sondern dürfen, weil sie schon groß sind und viel können.

Nicht als Strafe nehmen!

Wer mit Hausarbeit droht, muss sich nicht wundern, wenn das Kind sie ungern macht. Hausarbeit als Strafe zu benutzen ist tabu!

Allen eine Aufgabe geben

Hausarbeit ist etwas, das zum Leben dazugehört – und zwar für jeden. "Das sollten Kinder auch erleben", sagt die Diplom-Psychologin. Hier unter­­stützen Haushaltspläne, die an zentraler Stelle hängen und an denen Kinder genau sehen können, wer gerade welche Aufgabe hat. Sie helfen auch dabei, Tätigkeiten regelmäßig zu tauschen. Theoretisch können solche Pläne schon ab drei Jahren eingesetzt und je nach Alter und Können angepasst werden. Doch Vorsicht: Je jünger das Kind, desto kleiner sollte der Faktor Pflicht sein.

Spielraum lassen

Sobald Kinder klare Aufgaben im Haushalt übernehmen, ist wichtig: "Sie sollten selbst darüber entscheiden dürfen, ob sie es jetzt oder erst in ­einer Stunde machen, wenn sie ­etwa mit ihrem Spiel fertig sind", erklärt Expertin Verena Febres Mendoza. Statt "Bring jetzt den Müll raus", sollten Eltern also sagen: "Bring bitte heute den Müll raus."

Viel loben

Kein Lob für Selbstverständliches? Verena Febres Mendoza sieht das anders – und im Lob den Lohn der Hausarbeit. "Ich denke, dass man nicht zu viel loben kann", sagt sie. Grundsätzlich ist die Psychologin der Meinung, dass es in diesem Bereich an Wertschätzung fehlt. "Leider reagieren Eltern oft schnell darauf, was nicht richtig gemacht wird." Verena Febres Mendoza empfiehlt Eltern den umgekehrten Weg: weniger darauf achten, was nicht funktioniert, dafür wahrnehmen, was gut klappt – und das hervorheben.

Kleine Aufgaben für jedes Alter

  • Ab zwei Jahren helfen Kinder nach dem Lustprinzip. Sie können zum Beispiel Blumen gießen, beim Wäscheaufhängen die Klammern reichen, Unzerbrechliches wie den Brotkorb zum Tisch tragen, ihr Spielzeug in Kisten verstauen und mit einem Lappen den Tisch abwischen.
  • Ab vier Jahren kann der Nachwuchs eigene Pflichten bekommen, etwa die dreckige Kleidung in den Wäschekorb stecken, beim Tischdecken und abräumen helfen, Staub wischen, Geschirr abtrocknen, Kuchenteig rühren, das eigene Zimmer aufräumen, Socken in den Schrank legen und Haustiere füttern.
  • Ab sechs Jahren werden Kinder zunehmend selbstständig. Sie können alleine Gläser und Geschirr auf den Tisch stellen, Müll hinausbringen, Post aus dem Briefkasten holen, kleine Einkäufe machen, das eigene Zimmer sauber halten, Schuhe putzen, Obst und Gemüse schneiden, beim Kochen helfen und das Waschbecken putzen.

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