{{suggest}}


Wie lernen Kinder aufräumen?

Kinder lieben das Chaos. Wieder Ordnung zu schaffen, müssen sie dagegen erst lernen. Mithilfe der Eltern gelingt’s. Eine Anleitung in fünf Schritten

von Barbara Weichs, aktualisiert am 02.12.2019

Wäre es nicht herrlich, wenn Kindern das Bedürfnis aufzuräumen angeboren wäre? So wie das Bedürfnis, satt zu sein zum Beispiel. Oder nach Nähe und Zuwendung. Spätestens wenn alle Autos, Puppen, Bausteine und Bücher auf dem Fußboden im Kinderzimmer verteilt sind und die Abendessenszeit näher rückt, würde ­angesichts des Chaos der Ordnungssinn aktiviert. Und dann würden die Kinder gar nicht anders können, als alle Spielsachen zurück an ihren Platz zu räumen. Herrlich, ja – aber leider utopisch.

Völlig aussichtslos ist die Lage trotzdem nicht. Denn: "Im dritten Lebensjahr entsteht ein Inte­resse für Ordnung: Kinder räumen zum Beispiel Schubladen aus und wieder ein, wollen helfen", sagt Dorothea Jung, Sozialpädagogin und fachliche Leiterin der Online-­Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Das ist die Chance der Eltern: Denn in dem Alter sind die Kleinen hoch motiviert und wollen vieles selbst machen. "Wer das fördert und begleitet, bereitet den Weg zum selbstständigen Aufräumen."

1. Klare Anweisungen geben

"Räumt euer Zimmer auf!" Was für Erwachsene eindeutig klingt, überfordert Kinder. "Sie brauchen ganz konkrete Aufträge, damit sie verstehen, was genau sie machen sollen", erklärt Dorothea Jung. "Leg die Puppe in ihr Bett" zum Beispiel oder "Pack die Bausteine in diese Kiste". Und: Erst wenn die Puppe tatsächlich im Bett liegt, die nächste Auf­gabe stellen, das Chaos also in kleinen Schritten beseitigen. Vor allem gemeinsam daran arbeiten! Bei den Kleinsten sowieso, denn sie schauen sich alles von Mama und Papa ab und lernen dadurch, wie’s geht. Kindergartenkinder können schon mal Aufträge alleine erledigen, mehr Spaß macht es aber auch ihnen, wenn noch jemand mitmacht.

2. Kisten bereithalten

Wenn Kinder wissen, wo ihre Spiel­sachen hingehören, fällt es ihnen leichter, sie aufzuräumen. In Kisten, Boxen oder Körben lassen sich kleinteilige Dinge gut verstauen. Fotos an den Behältern zeigen, was wohin gehört, und fördern die Selbstständigkeit. Genau so wichtig: das Aufbewahrungssystem in Griffhöhe platzieren. "Das Kinderzimmer immer altersgerecht einrichten, damit die Kleinen alleine erreichen, was sie brauchen", sagt die Sozial­­pädagogin.

3. Gebautes stehen lassen

Spielen ist kreativ, schafft Neues und nimmt daher oft viel Platz ein. "Kinder brauchen die Möglichkeit, sich auszubreiten", sagt Dorothea Jung. Genauso berechtigt ist jedoch auch der Wunsch der Eltern, dass zumindest abends wieder Ordnung herrscht in der Bude. Und doch sollte es Ausnahmen geben: wenn der Sohn zum Beispiel den ganzen Nachmittag lang eine Höhle gebaut hat, in der er am nächsten Tag weiterspielen möchte. Oder wenn er in stundenlanger Geduldsarbeit alle Bausteine aufgeschichtet hat und die Mama das auch bewundern soll, wenn sie erst am nächsten Tag von der Dienstreise zurückkommt. "Ich empfehle, genau zu unterscheiden: Ist es nur chaotisch oder ist etwas entstanden, das bleiben darf, solange damit gespielt wird?"

4. Mit der Unlust umgehen

Dass die Aufforderung aufzuräumen Begeisterung hervorruft, erwartet wohl niemand ernsthaft. Doch was tun, wenn sich die Kleinen weigern? Kommt ganz auf die Situation an, sagt die Expertin. Kinder, die ins Spiel vertieft sind, haben natürlich keine Lust, damit sofort aufzuhören. Deshalb: "Kündigen Sie rechtzeitig an, dass in zehn Minuten aufgeräumt werden muss, und stellen Sie zum Beispiel einen Wecker, der daran erinnert", rät Dorothea Jung. Verweigert sich ein Kind hingegen, weil es einfach nicht will, empfiehlt sie, eine Konsequenz anzukündigen. Eine Konsequenz, die damit unmittelbar in Zusammenhang steht und zeitnah passiert. Etwa dass das Spielzeug, das im Weg liegt, für eine gewisse Zeit weggesperrt wird.

5. Dosiert loben

Da Aufräumen ganz selbstverständlich zum Familienalltag dazugehört, braucht es kein übertriebenes Lob dafür. Was ein Kind jedoch schon braucht: eine Rückmeldung. "Benennen Sie, was es gut gemacht hat", sagt die Familienberaterin. Ergreift der Nachwuchs einmal von sich aus die Initiative, verdient er dafür auch ein Lob – mit Worten. Süßigkeiten oder kleine Geschenke als Belohnung wären überdimensioniert. Und: Aufräumen bitte nicht als Strafe androhen! Das führt nur dazu, dass Kinder es erst recht ungern machen.


Wer macht bei Ihnen mehr im Haushalt?
55.47%
23.23%
21.3%
Beide gleich viel
Er
Sie
Insgesamt abgegebene Stimmen: 5544
Haben Sie Ihr Kind taufen lassen?
Zum Ergebnis