Tagesmutter: Gute Alternative zur Kita

Eltern mit flexiblen Arbeitszeiten benötigen eine passende Kinderbetreuung. Das bietet die Kindertagespflege. Woran Eltern erkennen, ob sich ihr Kind bei einer Tagesmutter wohl fühlt

von Larissa Gaub, 04.09.2015

Kinderbetreuung mit Familienanschluss? Das gibt es. Manche Eltern entscheiden sich für eine Kindertagespflege. Ihr Kind geht nicht in eine Krippe oder einen Kindergarten, sondern zu Tageseltern. Bis zu fünf Kinder betreuen diese zu Hause oder in angemieteten Räumlichkeiten. "Für Eltern, die sehr flexibel in ihrem Beruf sein müssen, und eine besonders kurze oder lange Betreuung benötigen, bietet sich die Kindertagespflege an", sagt Astrid Sult, wissenschaftliche Referentin vom Bundesverband für Kindertagespflege in Berlin.

Wie finden Eltern Tagesmütter oder -väter?

Wer auf der Suche nach einem qualifizierten Betreuer ist, sollte sich an das Jugendamt wenden. Es gibt auch bundesweit anerkannte Tagesmüttervereine, die Tageseltern vermitteln.

Worauf sollten Mütter und Väter achten?

"Die Chemie zwischen Eltern und Betreuerin muss stimmen", sagt Sult. Die Eltern sollten die Tagesmutter besuchen, ausführlich mit ihr sprechen und sie vielleicht sogar bei der Arbeit beobachten. "Sind noch Kinder da, können die Eltern sehen, wie die Tagesmutter mit ihnen umgeht", erläutert Sult. Zum Beispiel, ob sie den Kindern zuhört, auf sie eingeht und nicht gestresst von den Kleinen ist. Trotzdem sollte sie den Kindern klare Grenzen setzen.

Außerdem sehen die Eltern bei dem Besuch die Räumlichkeiten. Wichtig ist, dass die Wohnung kindersicher eingerichtet ist und genug Platz zum Spielen bietet. Außerdem sollte es einen separaten Raum für den Mittagsschlaf geben, damit die Kinder zur Ruhe kommen können. Zudem können die Eltern fragen, ob sie selber kocht oder Essen bringen lässt, wie oft sie mit den Kindern raus an die frische Luft geht. Viele Eltern wollen auch wissen, wie der Tag ihres Kindes bei der Tagesmutter strukturiert ist. 

Welche Qualifikationen muss eine Tagesmutter mitbringen?

Wer keine pädagogische Ausbildung hat, sollte eine Qualifizierung nach dem Deutschen Jugend Institut (DJI) vorweisen können – das DJI-Curriculum. Um es zu erhalten, absolvieren die Teilnehmer 160 Unterrichtsstunden, in denen sie beispielsweise lernen, welche Entwicklungsphasen das Kind durchlebt und wie sie mit Konflikten umgehen können. Anschließend bekommen die Tagesmütter ein Zertifikat als Qualifizierte Kindertagespflegeperson vom Bundesverband für Kindertagespflege ausgestellt. Die weitere Ausbildungsgrundlage ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Überall gleich ist, dass die Tagesmutter eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt benötigt. Diese stellt das Jugendamt erst aus, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind: Die Tagesmutter muss einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und einen Gesundheitsnachweis vorweisen.

Außerdem begutachtet das Jugendamt die Räume. Sie müssen sauber und kindersicher sein, und es sollte genügend Platz zum Spielen geben. Erst danach stellt das Jugendamt eine Pflegeerlaubnis aus, die fünf Jahre lang gilt. Unsichere Eltern können sich jederzeit die Pflegeerlaubnis vom Jugendamt zeigen lassen.

Wie gewöhnen Eltern das Kind ein?

Die Eingewöhnung sollte gemeinsam mit den Eltern möglichst langsam und sanft ablaufen. Das Kind sollte stundenweise Zeit haben, sich an die Kindertagespflege zu gewöhnen. Es kommt natürlich auch auf das Alter des Kindes an. In den ersten Tagen sind die Eltern dabei. Mit der Zeit können sie hin und wieder aus dem Zimmer gehen. Später können sie stundenweise die Wohnung verlassen. Normalerweise dauert die Eingewöhnung etwa zwei bis vier Wochen.

Woran können Eltern erkennen, dass sich ihr Kind wohl fühlt?

Da die Kleinen meist noch nicht viel sprechen, ist es wichtig, dass sich Eltern und Tageseltern intensiv austauschen und Vertrauen zueinander entwickeln. Auch an dem Verhalten der Kinder können Eltern erkennen, dass sich ihr Kleines wohl fühlt: "Wenn die Kinder sich von der Tagesmutter füttern, versorgen und auch trösten lassen, ist das ein sehr gutes Zeichen", sagt Sult. So eine Bindung baut sich erst langsam auf. Oft kann ein familiäres Verhältnis zwischen den Kindern und der Tagesmutter entstehen.

Gibt es Regeln für Süßigkeiten oder Fernsehen?

"Grundsätzlich sollten Kinder bis drei Jahre nicht fernsehen, auch bei der Tagesmutter nicht", sagt Sult. Meist gibt es gar keinen Fernseher in den Räumlichkeiten.

Auch über das Essen von Süßigkeiten sollten Eltern mit der Tagesmutter sprechen. Wie wird der Konsum von Süßem daheim gehandhabt? Gilt ein Marmeladenbrot auch als etwas Süßes? Darf die Tagesmutter mal ein Gummibärchen geben? Wenn sie mehrere Kinder betreut, können die Eltern sich auch untereinander absprechen und einigen, wie oft und welche Süßigkeiten die Kinder essen dürfen.

Was ist, wenn die Tagesmutter krank ist oder Urlaub hat?

Im Vorhinein sollte vertraglich geregelt sein, wer die Tageseltern im Krankheitsfall oder während des Urlaubs vertritt. Oft schließen sich ein paar Betreuer zusammen. Damit die Vertretung den Kindern nicht fremd ist, gehen die Betreuer mit ihren Tageskindern zum Beispiel regelmäßig gemeinsam auf den Spielplatz.

Idealerweise vertreten sich also Tageseltern gegenseitig. Es ist aber auch möglich, dass die Tagespflegestelle mit einer nahe gelegenen Kita zusammenarbeitet und die Kinder im Vertretungsfall dorthin gebracht werden. Wichtig ist, dass die Kinder die Vertretung kennen und immer bei der gleichen Person sind.

Was kostet eine Tagesmutter?

Der Tages- oder Wochensatz ist von Region zu Region unterschiedlich. Außerdem sind das Gesamteinkommen der Eltern, die Anzahl der Kinder und die Betreuungszeit ausschlaggebend. Es gibt keinen festgelegten Tarif. "Selbst finanziert kostet eine Tagesmutter zwischen drei und acht Euro in der Stunde", sagt Sult. Wer weniger verdient, kann sich an das Jugendamt wenden. Häufig bekommen Eltern einen entsprechenden Zuschuss.

Was für ein Vertrag ist nötig?

Die Verträge sind in den einzelnen Bundesländern nicht einheitlich. Es handelt sich um einen privatrechtlichen Vertrag, meist sind es sogenannte Dreiecksverträge zwischen der Tagesmutter, dem Jugendamt und den Eltern. Sult empfiehlt: "Musterverträge für privat vereinbarte Kindertagespflegeverhältnisse können Eltern beim Bundesverband für Kindertagespflege finden."


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