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Smartphones und Tablets: Wie Eltern damit umgehen sollen

Wie erziehen wir unsere Kinder zu einem selbstbestimmten Umgang mit Medien? Experten sagen: vor allem durch unsere Vorbildfunktion – 11 Tipps für mehr Medienkompetenz

von Christian Andrae, Marian Schäfer, 23.10.2019

Eigentlich ist die Sache ganz einfach. "Der Mensch lernt ja, indem er das Verhalten in seiner Umwelt kopiert", sagt Coach Mark Nitschky vom Präventionsprogramm "Echt dabei". Darin liegt zugleich das Problem: Wie sollen die Kinder einen vernünftigen Umgang mit Smart­phone, Internet und sozialen Medien lernen, wenn wir Eltern dieser Auf­gabe oft selbst hilflos gegenüberstehen? Denn das ist das Ergebnis ­einer im November vergangenen Jahres ver­öffentlichten Studie des Kinderhilfswerks. Demnach fehle es Eltern oft an digitalen Strategien und erziehe­rischem Know-how. Und genau das versucht das Projekt "Echt dabei" zu vermitteln. Präventions­­berater wie Mark Nitschky veranstalten dafür zum Beispiel Elternabende in Kindergärten und Grundschulen.

Und auch wenn es schwerfällt, das oberste Prinzip lautet: "Vermeiden Sie Bildschirmzeit so gut es geht", sagt die Medien­pädagogin ­Paula Bleckmann. Baby und Familie hat mit ihr und Nitschky praktische Tipps er­arbeitet, die Ihnen dabei helfen können, sich und Ihren Nachwuchs fit für eine gesundheits- und altersgerechte Mediennutzung zu machen.

Armbanduhr statt Handy

Schaffen Sie sich eine analoge Armbanduhr an. Denn jeder dritte Griff nach dem Smartphone ist allein der Uhrzeit geschuldet. Nur sehen wir dann, dass es in der Familiengruppe schon wieder zwölf neue Nachrichten gibt, und schon ist man wieder im Messenger versunken.

Genießen und nicht dokumentieren

Wenn sich unsere Kinder daran zurückerinnern könnten, was sie als Erstes in ihrem Leben gesehen haben, dann wäre das heutzutage wohl oft die Rückseite eines Smartphones. Klar, es war noch nie so einfach Fotos zu machen. Und bei jedem noch so kleinsten Fortschritt greift die Hand schon konditioniert nach dem Handy in der Hosentasche, um diesen Moment für immer auf Silizium zu bannen. Aber genau dadurch verpassen wir so ziemlich alles, was wir eigentlich festhalten wollen. Überlegen Sie schon beim Zucken in der Hand, ob es diesen Griff nun wirklich braucht. Oder ob Sie und Ihr Kind nicht wesentlich mehr davon haben, wenn Sie beide diesen Moment einfach nur genießen.

Technische Sperren von Klein auf

Teil des Erfolges von Smartphones und Tablets ist die wortwörtlich kinderleichte Bedienung. Schon Kleinkinder finden sich schnell auf den bunt leuchtenden Dingern zurecht – und landen per Zufallsbetouchung im Zweifel ebenso schnell bei Inhalten, die höchstens in 17 Jahren für ihre Augen bestimmt sind. Und eigentlich nicht einmal dann. Daher: Sichern Sie Ihre ­Geräte mit einem Passwort oder -code ausreichend ab.

Handyfreie Räume schaffen

Handys haben nichts am Essenstisch verloren. Punkt. Nachts im Schlafzimmer auch nicht.

Oma statt Google

Der Alltag bringt immer wieder Rätsel mit sich: Wie ging noch mal das Spätzle-­Rezept? Wie flickt man einen Reifen? Oder: Was macht man bei Problem X? Das Internet hat da schier unendlich viele Ratgeber. Aber warum fragt man nicht einfach Oma Erna, den Technik-Schwager oder eben Mutti? Die sind vielleicht nicht sofort erreichbar, aber Erfahrung wiegt mehr als der tollste Google-Tipp. Und wenn Ihr Kind das lernt, legt es später bestimmt auch Wert auf Ihren Rat.

Kindheit mit allen Sinnen

Viele Eltern glauben ja, dass ihre Kinder durch kindgerechte Sendungen mit Lerninhalten selbstredend auch Dinge lernen können. Zum Beispiel in einer Sendung, in der man eben lernen kann, wie man Pizza macht – vom Teig, der Soße, dem Belegen bis zum Backen. Aber bei drei- bis fünfjährigen Kindern bleibt tatsächlich nicht viel mehr als "rote Soße" im Kopf. Wenn Sie aber mit Ihrem Kind die Pizza selbst machen, brennt sich das regelrecht in die Synapsen: Da ist der Mehlstaub in der Luft. Oder dieser satte, feucht-schwere Geruch der Hefe, wenn der Teig am Treiben ist. Oder der süß-säuerliche ­Geschmack der
Tomatensoße, die man abschmecken darf. Da kann geknetet, genascht und gelacht werden. Das Kind lernt wortwörtlich mit allen Sinnen. Und am Ende bleibt nicht nur hängen, wie man nun also Pizza macht. Im besten aller Fälle wird aus so einer einfachen Sache eine wunderschöne, nie zu vergessene Kindheitserinnerung. Für immer und immer.

Smartphones haben auch Vorzüge

… zum Beispiel wenn Sie selbst Dinge nicht wissen. Etwa warum der Himmel blau ist (weil sich die weißen Sonnenstrahlen in der Atmosphäre blau brechen). Machen Sie sich ruhig schlau. Aber vielleicht eben nicht vor ihrem Kind. Sagen Sie ruhig: "Du, dass weiß ich jetzt nicht. Ich schaue aber nach und erkläre es dir später/morgen."

Selbermachen ist top

Folgendes Szenario: Kind kommt mit einer Kastanie und fragt, was da drin ist. "Ein Keim, aus dem dann ein neuer Kasta­nien­baum wachsen kann", erwidern folgerichtig die Eltern. Das Kind will ebenso folgerichtig nun wissen, wie der Keim aussieht, wie der rauskommt und überhaupt. Da könnte man jetzt a) Opas Brockhaus zücken und darin die Seiten wälzen,

b) das Keimen selbst auf Papier zeichnen und dabei erklären,
c) das Smartphone zücken, und die Sache ist erledigt, oder
d) die Kastanie aufschneiden und gucken. Allerdings ist die dann ja kaputt.

Antwort b) wäre super. Selbst wenn Sie glauben, ein schlechter Zeichner zu sein. Vielleicht ist ihr Kind ja ein richtig guter Zeichner. Aber woher soll es überhaupt auf die Idee kommen, etwas zu malen, wenn man es ihm nicht vormacht? Zudem kann man ver­suchen die Kastanie zum Keimen zu bringen – was dauern kann. Oder man nimmt Kresse. Die keimt nach zwei Tagen.

Medien sind nicht böse, aber …

… versuchen Sie die Bildschirmzeit – Ihre eigene und die Ihrer Kinder –,
so gering wie nötig zu halten. Allein schon durch den Versuch kommen Sie bestimmt auf kreative Lösungen, die das Smartphone in jenem konkreten Moment überflüssig machen.

Seien Sie aufmerksam

Sicher gibt es manchmal gute ­Gründe zwischen­durch aufs Handy zu ­sehen – selbst wenn Sie sich gerade mit ­Ihrem Nachwuchs beschäftigen. Aber teilen Sie das dann dem Kind mit, indem Sie zum Bei­spiel sagen "Du, ich muss jetzt hier etwas nachschauen, ich bin gleich wieder bei dir." Denn Kinder brauchen wenn, dann Ihre volle Aufmerksamkeit. Merkt Ihr Kind, dass Sie nicht ganz bei der Sache sind, fühlt es sich schnell ausgegrenzt und denkt, unwichtig zu sein.

Üben Sie schon in der Schwangerschaft

Schaffen Sie sich bereits in der Schwangerschaft möglichst sechsmal am Tag für 20  Minuten eine smartphonefreie Zeit. Denn in etwa so oft und lange werden Sie später im Schnitt tagsüber Ihr Kind stillen. Dabei geht es darum zu lernen, die Muße zu genießen. Keine laute Musik, kein Film. Sechsmal am Tag für 20 Minuten Nichts. Diese Übung kann der werdenden Mutter und dem werdenden Vater helfen, später eine intensivere Verbindung mit dem Baby aufzubauen. Denn wer lernt, für eine gewisse Zeit einmal für andere unerreichbar zu sein und in Kontakt mit sich selbst zu kommen, der hat die besten Voraussetzungen dafür, sich ohne Ablenkung ganz auf sein Kind einlassen zu können. Wer nun dagegen denkt, während des Stillens ist aber die einzige Zeit, in der man die Ruhe findet, überhaupt einmal auf das Handy zu blicken, kann sich stattdessen zum Beispiel mehr Baby-­Bindungs-Zeit beim Wickeln nehmen. Oder sich selbst fragen, ob die Ruhe, die man beim Stillen hat, überhaupt mit Messenger-­Nachrichten füllen muss. Und warum.


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