Sind Videos auf Handy, Tablet und PC okay?

Kinder sollten möglichst wenig vor dem Fernseher sitzen, die jüngsten gar nicht. Doch was gilt für andere Medien wie Videos und kurze Filme auf Handy, Tablet oder PC?

von Madlen Ottenschläger, aktualisiert am 20.06.2017

Videos und Filme: Abschalten fällt Kindern beim Medienkonsum oft schwer


Die Regel ist einfach: Kleinkinder sollen nicht fernsehen, raten Medienpädagogen unisono. Sie können die Eindrücke auf der Mattscheibe noch nicht verarbeiten. Dafür müssen sie zunächst die reale Umwelt mit allen Sinnen begreifen: tasten, fühlen, schmecken, sehen, riechen.

Setzen Eltern ihre Kleinkinder vor den Fernseher, überfordert dies das kleine Gehirn mit einem Gewitter an audiovisuellen Reizen. Erst wenn Kinder wissen, wie die Welt, in der sie leben, funktioniert, was echt ist und was nicht, ist Fernsehen in Maßen gute Unterhaltung.

Kinder: Was gilt für Videos auf Tablets und Smartphones?

Also alles ganz einfach? Von wegen! Denn bei Tablets, Smartphones und Co. verschwimmen die Grenzen: Schon neun Monate alte Babys sehen private Videos auf Mamas iPhone und Papas And­­roid, zwei Jahre alte Knirpse tanzen zum Pippi-Langstrumpf-Song auf you­­tube. Für Eltern stellt sich damit die Frage, wo Fernsehen ­­eigentlich anfängt und wie man Kinder in unserer WLAN-Welt zu kompetenten Mediennutzern erzieht.

Private Handyfilme für die Kleinsten?

Michael Gurt arbeitet am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in München und ist verantwortlicher Redakteur von "Flimmo – Programmberatung für Eltern". "Das Medium", sagt er, "ist nicht entscheidend." Ob Plasma-Bildschirm, Laptop oder Handy – Dauer­­berieselung schadet der Entwicklung.

Was aber ist mit privaten Handyfilmen, auf denen der Knirps allein oder mit den Eltern zu sehen ist, etwa beim Schaukeln im Park, beim Spielen zu Hause oder bei seinen ers­ten Schritten? Diese hält der Medienpädagoge auch bei Babys ab neun Monaten für unproblematisch – wenn die Filme kurz sind, nicht ständig wiederholt und nicht täglich gezeigt werden. "Babys und Kleinkinder finden es faszinierend, ihre Stimme und ihr Gesicht in einem Film zu hören und zu sehen. Genauso wie sie von ihrem eigenen Spiegelbild fasziniert sind."

Im Netz: Youtube meiden, ausgewählte Kinderseiten sind besser

Schwieriger ist es mit der Videoplattform youtube, allerdings nicht so sehr der Filmchen wegen. Gegen den Pippi-Langstrumpf-Song auf dem Tablet ist für Zweijährige im Prinzip nichts einzuwenden. Auch "Piggeldy und Frederick", die zwei Schweinchen aus dem "Sandmännchen", dürften sie ab und zu mal ansehen. Wäre da nicht die Konsequenz: Auf youtube werden automatisch weitere Clips vorgeschlagen. Eine Verführung, mit der Kleinkinder nicht umgehen können. Warum bitte dürfen sie jetzt nicht weiterschauen?

Eine weitere Gefahr: Unter den Empfehlungen können auch Videos mit verstörenden Fotos sein, etwa Horror-Clips. Bilder, die sich in das Gedächtnis der Kleinsten einbrennen. Besser also die Seite wechseln, beispielsweise zu www.sandmann­.de. Der Vorteil bleibt erhalten: Die Filme sind jederzeit verfügbar und müssen nicht zu ­einer festgelegten Zeit gesehen werden – die vielleicht so gar nicht zum trubeligen Familienleben passt.

Mediennutzung: Eltern sind Vorbilder

Stellt sich die Frage: Wie können moderne Regeln aussehen, um Kinder zu kompetenten Medien­nutzern zu erziehen? "Das Wichtigste sind medienkompetente Eltern", sagt die Medien­wissenschaftlerin Dr. Maya Götz, die das interna­tionale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen leitet.

Denn Eltern sind die Vorbilder, an denen sich die Kleinen orientieren. "Kinder von Zappern zappen selbst, sie kennen es nicht anders", erklärt die Expertin. Der erste Schritt zu kindlicher Medienkompetenz ist deshalb, den eigenen Umgang mit Medien zu hinterfragen: Lieber Sendungen bewusst aussuchen statt Abend für Abend den Fernseher laufen lassen, egal was auf der Mattscheibe flackert. Eine medienfreie Familienzeit festlegen, in der keine E-Mails auf dem Smartphone gecheckt und keine Anrufe entgegengenommen werden.

Ein guter Zeitpunkt dafür ist zum Beispiel, wenn das Kind gerade aus der Krippe, dem Kindergarten oder der Schule kommt und während des gemeinsamen Essens. Darüber hinaus gelten zwei Regeln: begrenzen und auswählen.

Wie lange dürfen Kinder fernsehen oder Videos gucken?

Vorschulkinder sollten nicht länger als 20 bis 30 Minuten am Tag fernsehen, Grundschulkinder maximal 45 Minuten. Letztere dürfen auch schon Kinderfilme anschauen, die manchmal länger ­dauern, allerdings nicht ­­täglich.

Michael Gurt rät Eltern, sich von der täglichen Fernseh-Dosis zu verabschieden. "Medien sollen Spaß machen und nicht den Tag strukturieren", erklärt der Medien­pädagoge. Deshalb ruhig an manchen Tagen ganz pausieren, an einem anderen mal eine DVD ansehen. Das steigert auch die Vorfreude: Die bewegten Geschichten bleiben etwas Besonderes, die Kinder schielen nicht ständig auf die Uhr oder unterbrechen das Spiel mit Freunden für eine Sendung.

Sinnvolle Sendungen auswählen

Gezielt ausgewählte Sendungen können die Entwicklung von Kindern unterstützen. Wissenssendungen beispielsweise spielen mit der kindlichen Neugier. Altersgerechte Geschichten wie die "Sendung mit der Maus", "Shaun, das Schaf" oder "Pettersson und ­Findus" liefern Anregungen, um mit Kindern über Werte und selbst Erlebtes (etwa im Kindergarten oder bei Freunden) zu sprechen.

­Machen Sie Ihren Kindern Angebote, und lassen Sie diese dann selbst entscheiden, was sie davon sehen möchten. Wer selbst entscheidet, lernt Kompetenz und Verantwortung. Das gilt natürlich auch für den Umgang mit Medien.


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