Schluss mit dem Fläschchen! So klappt's

Im dritten Lebensjahr sollten Kinder vollständig vom Fläschchen entwöhnt sein. Warum das so ist und wie es funktioniert

von Sandra Schmid, aktualisiert am 05.11.2015

Das „Gute-Nacht-Fläschchen“: beliebt – aber nicht unbedingt gesund


Brust, Fläschchen, Tasse. So folgen in der Regel die Trinkbehältnisse von Kindern aufeinander. Manchmal fällt das Stillen auch weg, das Baby trinkt gleich nach der Geburt aus der Flasche. Die meisten Frauen stillen im Laufe des ersten Lebensjahres ihres Kindes ab. Doch wann wird es eigentlich Zeit, dem Kind das Fläschchen abzugewöhnen?

"Im Alter von circa zwölf Monaten sollte man damit anfangen, die Kinder an Becher oder Tassen, gegebenenfalls auch an sogenannte Trink-Lern-Tassen zu gewöhnen", sagt Dr. Anne Rothe, Kinderärztin in München und Gauting. Was man dazu braucht? Außer der Tasse wie so oft: Geduld. Denn die Umstellung klappt nicht von heute auf morgen. "Bis die Kinder wirklich relevante Flüssigkeitsmengen über diesen Weg aufnehmen, vergehen oft noch einige Wochen bis Monate", sagt die Expertin.

Fläschchen kann Zähne und Kiefer schädigen

Manchmal gelingt den Eltern die Fläschchenentwöhnung nicht. Ja gut, könnte man denken, was ist schon dabei? Dann trinkt das dreijährige Kind eben noch seinen Saft aus der Nuckelflasche, das ist doch kein Problem. Irrtum. Es kann sogar ernsthafte Folgen haben. "Wenn sich Kinder angewöhnen, häufig kleinere Mengen von gesüßten Getränken oder Milch mit der Flasche zu sich zu nehmen, entstehen zunehmend gesundheitliche Probleme", sagt die Kinderärztin. Das häufige Umspülen der Zähne mit zucker- oder säurehaltigen Flüssigkeiten kann bereits bei Kleinkindern Karies verursachen. Außerdem kann der Sauger – ähnlich wie beim Schnuller – bei Dauergebrauch zu Verformungen des Kiefers und zu Zahnfehlstellungen beitragen.

Erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit?

Nicht nur das: Eine Großstudie der Temple University in Philadelphia konnte zeigen, dass Zweijährige, die noch regelmäßig aus dem Fläschchen trinken, mit fünf Jahren stärker zu Fettleibigkeit neigen. "Ein zweijähriges Mädchen, das durchschnittlich groß und schwer ist und abends im Bett noch rund 200 Milliliter Milch zu trinken bekommt, nimmt ungefähr zwölf Prozent ihres Kalorienbedarfs über dieses Fläschchen ein", schreibt Studienleiterin Rachel Gooze in ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

Entwöhnen: Wie klappt das?

Im zweiten Lebensjahr hält die Kinderärztin eine bis zwei Milchflaschen pro Tag noch für vertretbar, solange das Kind die Flasche zügig austrinkt und die Zähne anschließend putzt – vor allem, wenn das kurz vor dem Einschlafen passiert. "Spätestens im dritten Lebensjahr sollten die Kinder völlig von der Flasche entwöhnt werden", sagt Rothe.

Aus diesem Grund sollten die Eltern ihr Kind erst gar nicht an den Dauergebrauch des Fläschchens gewöhnen. "Falls es schon dazu gekommen ist, sollten nur ungesüßte Getränke wie Wasser oder Tee ohne Zucker in den Flaschen angeboten werden", rät die Expertin. Doch selbst das ständige Nuckeln von Wasser birgt Gefahren. Denn: Speichel hat unter anderem die Funktion, den Mundraum zu reinigen. Ständige Wasserzufuhr verdünnt den Speichel, so dass dieser seine reinigende Funktion verlieren kann. Das kann im schlimmsten Fall zu Karies führen. "Keinesfalls sollte eine Flasche mit süßem Getränk über Nacht im Bett des Kindes zur freien Verfügung belassen werden."

Die Entwöhnung kann sich schwieriger gestalten, als den Eltern lieb ist. Mit der Zeit ist die Flasche ja viel mehr geworden als nur ein Getränkelieferant. Das Nuckeln vermittelt Sicherheit und Geborgenheit. Die Entwöhnung kann deshalb ähnlich schwierig werden wie die von Schnuller oder Daumen. Tipp der Expertin: "Je konsequenter die Entwöhnung stattfindet, desto erfolgreicher und schneller geht sie über die Bühne." Manchmal hilft auch die "Fläschchen-Fee", die die Flasche immer öfter in eine Tasse verwandelt. Oder statt dem abendlichen Kakao-Fläschchen eine Extraportion Kuscheln mit Mama und Papa.


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